Wieder wurde die Reisebusbranche und Bustouristik bei den Lockerungen nicht berücksichtigt. Foto: Setra, Montage: omnibus.news

Die Reisebusbranche blickte am 3. März nach Berlin. Doch vergeblich, die Bund-Länder-Konferenz verschob die Entscheidung zu Lockerungen im Reisesektor auf den 22. März – und verwehrt Bustouristik-Unternehmen damit erneut Planbarkeit, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) anschließend mitteilt. Auch der RDA, der Internationaler Bustouristik Verband, meldet sich umgehend und teilt mit, dass die Ergebnisse aus Sicht der Bus- und Gruppentouristik nicht akzeptabel wären. Noch im vorausgegangenen Fachgespräch vor dem Ausschuss für Tourismus des Deutschen Bundestages am Mittwoch verwies RDA Präsident Benedikt Esser auf die Notwendigkeit bundesweit absehbarer und einheitlicher Regeln für den Neustart der Bustouristik. Mit Blick auf die jüngsten Einschätzungen des RKI, nach denen professionell organisierte Urlaubsreisen gerade kein Pandemietreiber sind, untermauerte er die Forderung der Branche nach einer zeitnahen und verlässlichen Öffnungsperspektive. „Seit Wochen verlangen wir den beschleunigten Neustart für die Branche und präsentieren dafür praktikable Lösungen, aber es passiert nichts. Das Fehlen einer Öffnungsperspektive für die Bus- und Gruppentouristik ist anhand des Infektionsgeschehens nicht nachvollziehbar. So bleiben die Buchungen weiterhin aus und die wirtschaftliche Situation in den Unternehmen verschärft sich von Tag zu Tag. Die Bundesregierung und die Länder scheinen den Kompass für eine vernünftige Öffnungsstrategie völlig verloren zu haben. Das führt zu unnötigen weiteren und schweren Belastungen für die Branche“, kommentiert Esser die Beschlüsse. Und auch Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des BDO, kritisiert das Vorgehen der Bund-Länder-Konferenz und findet klare Worte, weil den Bustouristik-Unternehmen erneut Planbarkeit genommen wurde: „Die Ergebnisse der Bund-Länder-Verhandlungen sind aber für die Busbranche vollkommen unbefriedigend. Es wurden zwar einige Lockerungen beschlossen, für unsere Unternehmen fehlt aber weiter jede Perspektive. Und dies, obwohl sich die Busbranche hervorragend auf einen Restart vorbereitet hat. Es ist wichtig, den vielen Menschen, die in der nun schon seit einem Jahr anhaltenden Lage von Vereinzelung bedroht sind, die Möglichkeit für risikoarmes Reisen zu eröffnen. Der Bus bietet beste Voraussetzungen für einen verantwortungsbewussten Neustart für den Reiseverkehr in der bevorstehenden neuen Pandemiephase mit einer wachsenden Zahl von Geimpften,“ so Leonard. Das Konzept der Reisebusbranche für den verantwortungsvollen Restart und die guten Voraussetzungen für ein möglichst sicheres Reisen in Bussen ist erabreitet: In den Gruppen sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekannt. Die Reisenden sind als geschlossene Gruppe unterwegs. Die Hauptkundengruppe der älteren Menschen wird zeitnah eine hohe Impfquote erreicht haben. Fahrzeuge bringen zudem hervorragende technische Eigenschaften mit: Die Luft in einem modernen Reisebus wird im normalen Außenluftbetrieb mindestens jede Minute komplett ausgetauscht. Eine Studie der TU-Berlin hat zudem ergeben, dass bei einer gleichen Verweildauer und Tragen einer Maske das Corona-Ansteckungsrisiko im Supermarkt doppelt so hoch ist wie im Bus. Trotzdem müssen die Reisebusse abgemeldet auf dem Hof stehen bleiben. Verbände und Unternehmen der Touristik-Branche sind verärgert, dass sämtliche Sparten der Reisebranche in den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenzvon Anfang März nicht vorkommen. Sie verlangen eine Strategie, die noch vor den nächsten Bund-Länder-Gesprächen stehen soll. Aus Sicht des Deutschen Reiseverbandes (DRV) sind die Ergebnisse der Beratungen vom Donnerstag “nicht nur enttäuschend – sie machen die Branche fassungslos“, heißt es in einer Mitteilung. “Der Tourismus muss Teil der Öffnungsdebatte sein“, fordert DRV-Chef Norbert Fiebig. Beim Gipfel des Bundeswirtschaftsministers mit den Verbänden vor drei Wochen sei vereinbart worden, am 3. März eine “klare und vorausschaubare Perspektive“ festzulegen. Davon sei „nichts zu erkennen“, so Fiebig. Man könnte der Politik durchaus ein geschicktes Ablenkungsmanöver für deren Pannen unterstellen. Auch Ralph Schiller, Chef der FTI-Group,  zeigt sich enttäuscht: “Natürlich respektieren wir die Entscheidung der Bundesregierung zur Verlängerung des Lockdowns in Deutschland”, erklärt er. Nichtsdestotrotz sei er “der Überzeugung, dass eine Lockerung der Regulierungen sowohl für den inländischen als auch für den internationalen Tourismus möglich und vertretbar gewesen wäre”. So seien “alle Marktteilnehmer und Partner mit umfassenden, detaillierten Sicherheits- und Hygiene-Konzepten auf den Re-Start vorbereitet”. Alle, nur nicht unsere Politiker. Man hat mittlerweile den Eindruck, dass die Bundesregierung durch eine Verlängerung des Lockdowns in der Reisebranche davon ablenkt, dass das Impfen nur im Schneckentempo vorangeht, dass weder ein schlüssiges Testkonzept vorliegt, noch ausreichend Schnelltests zur Verfügung stehen. Man muss sich wirklich fragen, ob wir hier in Deutschland sind oder besser, wohin Deutschland mittlerweile abgerutscht ist. Erst zu kaum Masken, dann ist der Impfstoff nur in kleinsten Mengen vorhanden (am Wochenende hatten erst oder sollte man sagen immerhin schon) fünf Prozent der Deutschen die erste Impfung erhalten, dann zeichnet sich die nächste Pleite mit der Verspätung bei den Schnell- und Selbsttests ab. Während mittelständischen Betriebe das liefern, was die Politik verlangt, versagt sie selbst. Enttäuschend! Fast nichts, was die Politik anschiebt, klappt reibungslos. Wäre es nicht eine Pandemie, die uns ereilt hat, dann wäre das fast schon eine Komodie, doch weil es um Leben und Tod geht, ist das, was unsere Politiker aktuell abliefern, wohl eher eine Tragödie! (BDO/DRV/FTI/RDA/PM/omnibus.news/Sr)

 

 

 

 

 

 

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