Karsan hat die hauseigene Teststrecke in Bursa mit unterschiedlichen Straßen ausgestattet. Foto: Schreiber

Der türkische Fahrzeugsteller Karsan bereitet sich systematisch auf den europäischen Markt vor: Auf einer hauseigenen Teststrecke werden die rein elektrisch angetriebenen Mini- und Midibussen namens Jest und Atak auf Herz und Nieren geprüft, bevor sie vom Bosporus nach Europa ausgeliefert werden. Und weil Karsan nicht nur für Frankreich und Deutschland, sondern europaweit eine steigende Nachfrage meldet, sind unterschiedliche Oberflächen der Straßen, die in den unterschiedlichen Ländern Europas vorhanden sind, auf der Teststrecke nachgebildet. Von glatten, geschlossenen Oberflächen einer frisch freigegebenen Straße bis hin zu einer Holperpiste, die jahrelang nicht beachtet und instand gesetzt wurde.Warum sich die Türken so viel Mühe geben, ist klar: Noch besetzen sie mit dem Jest und insbesondere dem Atak eine Nische. Das Geschäft mit Elektrobussen boomt, rein elektrisch angetriebene Linienbusse sind europaweit auf der Überholspur. Bis September diesen Jahres waren insgesamt 1.123 Elektrobusse in Europa angemeldet. Mit Blick auf Deutschland zeigt sich, dass sich die Zahlen zwar verdoppelt haben, reine Elektrobusse mit Batterie gab es bis zum September 2019 aber immer noch nur 258. Angesichts einer Zahl von fast 40.000 Linienbussen durchaus eine magere Zahl. Das dürfte sich aber schon in naher Zukunft ändern, Vorgaben der Europäischen Union und entsprechende Fördermittel werden das Geschäft kräftig ankurbeln. Und es muss nicht immer die klassische Größe bzw. Länge von 12 Metern sein. Die Verkehrswende öffnet neuen Gefäßgrößen die Möglichkeit, sich erfolgreich in einem Mobilitätskonzept zu positionieren. Die Omnibuswelt ist im Wandel. Omnibusse aus der Türkei für Deutschland sind aber nichts Neues, wie MAN mit dem Werk in Ankara und Mercedes-Benz mit dem Werk in Hosdere beweisen. Und auch die Zulieferindustrie ist schon im östlichen Zipfels Europa angekommen, wie beispielsweise eine Produktionsstätte von Bosch in Bursa zeigt. Hier hat sich in den letzten Jahren ein automobiler Hotspot entwickelt, Karsan kann im Industriegebiet der viertgrößten Metropole des Landes in direkter Nachbarschaft auf ein breites Angebot zurückgreifen. Das Potential hat man auch bei der Quantron AG erkannt. Mit dem rein elektrischen Jest und Atak bediene man schon jetzt erfolgreich eine Nische, die sonst kein Hersteller erkannt hätte. „Man dürfe sich auf eine im wahrsten Sinne spannende Zukunft freuen,“ so Andreas Haller, Vorstand der Quantron AG. Hinter dem jungen Start-Up steht mit Haller der Spross der fünften Generation der Haller Group. Und die hat Zugriff auf über 300 Servicepartner, die ab sofort für die Karsan-Busse in Deutschland bereitstehen. Doch bei der Akrebie, mit der die Türkei ihre Elektrobusse für den europäischen Markt vorbereiten, dürften der Jest und Atak wohl nur zu den planmäßig vorgesehenen Service- und Wartungsarbeiten einen Servicepartner aufsuchen.

Karsan evaluiert an unterschiedlichen Stellen der Produktion – noch vor der Endkontrolle (siehe Foto) – immer wieder die geleistete Arbeit. Foto: Schreiber

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