MAN kündigt eine Restrukturierung und den Abbau von bis zu 9.500 Stellen an. Foto, Grafik: MAN, Montage: omnibus.news

Wieder einmal steht der Bus-Standort in Plauen vor dem Aus – das Bus Modification Center von MAN scheint in dieser Form aktuell nach Insider-Informationen keine Chance zu bekommen. Foto: MAN

Streichliste bei MAN: Der Lkw- und Bushersteller (MAN, Neoplan) will bis 2023 weltweit rund 9.500 Stellen streichen. Der Vorstand habe eine “umfassende Neuausrichtung” beschlossen, teilte der Konzern am Feitagmorgen mit und überraschte damit auch viele Angestellte des Konzerns. Die Nachricht aus der Konzernspitze kam ohne Vorankündigung, auch die Anzahl der Stellen, die jetzt wegfallen sollen, ist eine neue Dimension (siehe Meldung auf omnibus.news vom 10. März 2020 – zunächst war von 6.000 Stellen die Rede). Der Volkswagenkonzern hat für MAN ein Maßnahmenpaket geplant, das Einsparungen von rund 1,8 Milliarden Euro erbringen solle. Dazu gehört dann aber auch, dass in allen Bereichen entsprechend Stellen wegfallen werden. Und: Die Produktion und Entwicklung soll an andere Standorte verlegt werden. Im Klartext: Der Produktionsstandort in Plauen steht wieder einmal zur Disposition und könnte nun ganz geschlossen werden. Der Standort in Plauen erlebt ein Deja-vu: MAN hatte im März 2015 angekündigt, den Standort wegen der Auftragslage für moderne Busse, die in Europa auf einem historischen Tiefstand sei, zu schließen und die Produktion in die Türkei zu verlagern. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in wichtigen Zielmärkten sowie der geringen Nachfrage nach Bussen im Luxussegment, lasse sich eine Aufrechterhaltung der Produktion in Plauen nicht mehr wirtschaftlich realisieren, so MAN seinerzeit. Die komplette Schließung des Standortes Plauen wurde dann durch MAN in letzter Minute abgewendet und das Modifikationswerk präsentiert. „Mit dem neuen Bus Modification Center in Plauen haben wir die Voraussetzung geschaffen, unseren Kunden in Zukunft schlüsselfertige Lösungen aus einer Hand anzubieten. Gleichzeitig hat unser Standort Plauen wieder eine klare Zukunftsperspektive in unserem Werksverbund.“ sagte damals Dr. Carsten Intra, der 2015 als Vorstand Produktion & Logistik bei der MAN Truck & Bus AG tätig war und jetzt Volkswagen Nutzfahrzeuge als Vorstand leitet. Reisebusse und Linienbusse sowie Kleinbusse wurden den individuellen Wünschen der Kunden entsprechend aus- und umgebaut, zuletzt waren es besonders Kleinbusse, mit denen der Standort punktete. Doch Masse statt Klasse scheint zu zählen, seit Jahren muss sich MAN unter dem Dach der Volkswagen AG mit Scania messen. Auch Scania wird Stellen abbauen, Details hierzu sind offiziell nicht bekannt. MAN laufe nach Ansichten von Finanzanalysten seit Jahren unter Plan, der Konzernspitze dürften der schwache Absatz und vor allem die schwache Rendite ein Dorn im Auge gewesen sein. Selbst in guten Zeiten blieben bei MAN kaum mehr als drei Prozent Rendite übrig, wie die Bilanz aufzeigt. Mit Scania war Volkswagen hingegen zufrieden, die Schweden erwirtschafteten drei- bis viermal so viel Rendite. MAN schrieb nach einem operativen Gewinn von 253 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum jetzt einen Verlust von 387 Millionen Euro, was sich entsprechend auch im Ergebnis von Traton niederschlug:  Traton kam wegen des negativen MAN-Ergebnisses zu einem Betriebsverlust von 220 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor war es noch ein Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro. Scania punktete im direkten Vergleich und hielt sich mit einem Betriebsgewinn von 221 Millionen Euro in den schwarzen Zahlen. Seit längerem steht bei MAN ein größerer Stellenabbau zur Diskussion, weil dem Konzern die Kosten schon vor der Corona-Krise zu hoch waren. Über die Neuausrichtung und das Spar- bzw. Restrukturierungskonzept hatte es scheinbar zwischen dem früheren VW-Nutzfahrzeugvorstand und Traton-Chef Andreas Renschler und der Arbeitnehmerseite heftigen Streit gegeben. Renschler musste Anfang Juli seine Posten bei Volkswagen räumen, Traton und MAN erhielten neue Chefs. Der neue Traton-Chef Matthias Gründler greift nun durch und streicht MAN nun deutlich mehr als die erwarteten. Außerdem steht u.a. mit Plauen ein Traditionsstandort in Deutschland vor dem Aus. Unter dem Dach des VW-Konzerns steht nun für MAN eine Reorganisation an, wie alle VW-Marken soll auch MAN seine Antriebe auf Batterie und Brennstoffzellen ausrichten. Bis 2023 solle eine Ergebnisverbesserung von 1,8 Milliarden Euro erzielt werden. Die operative Umsatzrendite solle auf 8 Prozent steigen. Beim Konzernbetriebsrat regt sich Widerstand: “Es kann nicht sein, dass Stellenabbau und Standortschließungen die einzigen Lösungen sind, die dem Vorstand einfallen”, so Saki Stimoniaris, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates. “Das sind Management-Konzepte von tief unten aus der Mottenkiste.” Sparprogramme “nach der Rasenmähermethode” seien mit dem Betriebsrat nicht zu machen. Daran ändere auch die Corona-Krise nichts. Der Vorsitzender des Konzernbetriebsrates kritisierte, dass die verschiedenen Chefs von MAN es nicht geschafft hätten, in Zeiten guter Konjunktur für ausreichend Rendite zu sorgen. (MAN/PM/Schreiber)

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