Iveco will wieder Omnibusse in Italien bauen. Foto: Iveco Group, Iveco Bus, Schreiber; Montage: omnibus.news

Die Iveco Group wird Omnibusse der Marke Iveco wieder in der Heimat produzieren. Die Italiener planen im Iveco-Werk in Foggia künftig unter anderem Batterie- und Brennstoffzellen-Busse montieren zu wollen und in Turin Engineering- und Fertigungskapazitäten für Batterien einrichten zu wollen. Die Fahrgestelle sollen aber nicht vor Ort in Italien hergestellt, sondern aus den anderen europäischen Werken von Iveco Bus bezogen werden.

Die nötigen Komponenten sollen laut Iveco „weitgehend“ von italienischen Zulieferern eingekauft werden. Um Linien- und Reisebusse wieder in Italien bauen zu können, hat die Iveco Group entsprechende Pläne und Anfragen für die Beantragung eines Entwicklungsvertrags des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung im Rahmen der durch den National Recovery and Resilience Plan (PNRR) eröffneten Möglichkeiten bekanntgegeben.

Ziel ist es, Investitionen in die Fertigung und in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu initiieren, die sich die Fähigkeiten und Produkte der nationalen Automobilzulieferkette zunutze machen, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Sektor der Spezialkomponenten – dies könnte den Fokus, der zunächst auf Batterie- und Brennstoffzellen-Busse liegt, erklären. Die Investition wird die Energiewende im italienischen Personennahverkehr unterstützen, indem fortschrittliche Antriebstechnologien entwickelt und im Land eingeführt werden, so die Iveco Group.

Sie werde auch die Allianz zwischen verschiedenen Regionen des Landes wiederbeleben, da die an dem Projekt beteiligten Standorte der Gruppe in Turin und Foggia angesiedelt sind, zwei Städten, die auf die Produktion von industriellen Verbrennungsmotoren spezialisiert sind, wie es weiter in der Mitteilung des Konzerns heißt. Konkret wird für die Werke im Piemont die Ausweitung der Engineering- und Fertigungstätigkeiten für Elektrobatterien geprüft.

In Foggia ist die Einrichtung neuer Linien für die Endmontage von emissionsfreien und emissionsarmen Omnibussen geplant. Die Produktion der Omnibusse wird in den Werken der Iveco-Gruppe beginnen, die bereits für die Produktion von Iveco Bus-Produkten zuständig sind. Anschließend wird die Produktion in Foggia fortgesetzt und mit Technologien mit hohem Mehrwert angereichert, wie z. B. in Turin hergestellte alternative Antriebssysteme und Wasserstoff-Brennstoffzellen.

Erhan Eren, Business Director Deutschland, Österreich und Schweiz, der Iveco Magirus AG, verantwortet auch die Bussparte der Marke Iveco. nach seinen Worten hat Iveco nicht nur das Potenzial, sondern auch schon die Grundlagen für das weitere Wachstum geschaffen – u.a. wurde der Busverkauf und der Busvertrieb neu aufgestellt, um sich optimal der Kundenstruktur und ihren Wünschen anzupassen.

Im letzten Jahr präsentierte Erhan Eren auf der virtuellen VDV-Elektrobuskonferenz das Portfolio von Iveco Bus und gab dabei auch einen im wahrsten Sinne spannenden einen Ausblick auf die geplanten Neuheiten im Bereich Elektromobilität. Während man schon viele Meilensteine erreicht hätte – aktuell können Iveco Bus mit Blick auf die Clean Vehicle Directive sowohl für die Klasse der emissionsfreien wie auch für die der sauberen Fahrzeuge liefern, so Erhan Eren.

Elektrobusse seien im Angebot, ebenso solche mit CNG-Motor oder auch Antriebe für systhetische Kraftsoffe. Dann wurde es spannend auf Live-Bühne der VDV-Elektrobuskonferenz am 17. März, den Erhan Eren kündigte in seinem Online-Vortrag für 2023 einen Linienbus mit Brennstoffzellenantrieb an. Und schon Mitte 2022 werde der Elektro-Gelenkbus lieferbar sein. Um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, werde das zu Iveco gehörende Heuliez-Werk im französischen Rorthais ab 2022 nur noch Elektrobusse bauen.

Erhan Eren teilte in diesem Zusammenhang mit, dass die Marke Iveco Bus in 2020 rund 400 Elektrobusse auf die Straßen Europas gebracht hätte und für das laufende Jahr schon 500 Aufträge vorliegen würden. Auf den Trend hin zu einer elektromobilen Zukunft regiert Iveco Bus mit entsprechend Kapazitäten im Werk in Rorthais. Der Elektro-Gelenkbus werde mit einer maximalen Batteriekapazität von 600 kWh und Platz für 135 Fahrgäste das Angebot ergänzen, wie kommuniziert wurde.

Wahlweise sei bei Elektro-Gelenkbus das Laden mittels CSS2-Stecker oder eben auch über Pantograph möglich, hier entscheide der Kundenwunsch. Und der hätte auch gezeigt, dass das ganze Spektrum von 9,5 über 10,7 und 12 sowie 18 Metern rein elektrisch angetriebener Fahrzeuge am Markt gefragt wäre, wie Eren deutlich machte. Iveco Bus begleite den Kunden, die jeweiligen Angebote würden bedarfsgerecht erstellt werden, gemeinsam bespreche man mit dem Kunden den Einsatz und konfiguriere dann die Batteriepakete.

Bei den Batterien würde Iveco Bus ab 2022 auf die dritte Generation setzen, hier wäre mehr Leistung zu fast vergleichbaren Kosten lieferbar, so Eren. Die Vorteile der Gewichts- und Kostenreduktion bei Batterien würde Iveco Bus an den Kunden weitergeben. Für die Batterien gibt es bei Iveco Bus eine Garantie für 2.920 Tage oder acht Jahre. In diesem Zeitraum sei die Leistung abrufbar, die man vertraglich vereinbart hätte, erläuterte Erhan Eren.

Seit Januar 2022 steht die nächste Generation bereit, mit dem Typ ZEN 42 kann Iveco die Elektrobusse mit einer Batteriekapazität von 462 kWh ausstatten, dies würde eine Reichweite von 410 Kilometern beim 12m Solowagen ermöglichen. Die Italiener arbeiten bei den Batterien mit dem französischen Hersteller Forsee Power zusammen, gemeinsam wurde ein Recyclings- und Wiederverwendungskonzept für die in den Elektrobussen verbauten Batterien entwickelt.

Im Oktober 2021 hat Iveco Bus dann in Mailand das ENLIGHT YOUR WAY-Event veranstaltet um zu zeigen, wohin die Reise geht. Das Wichtigste zuerst: Iveco Bus sei sich der Verantwortung bewusst, so Stéphane Espinasse, Nachhaltigkeit sei der wichtigste Trend für die Zukunft. Die Marke Iveco Bus sei mit ihren Omnibussen diesbezüglich gut aufgestellt und habe dafür nun noch als nächstes Fahrzeug einen batterielektrischen Crossway der LE-Baureihe entwickelt.

Der Crossway, mit dem Iveco Bus das Segment der Überlandbusse europaweit anführt, werde nicht nur um eine elektrische Variante erweitert, sondern zusätzlich noch als Mild-Hybrid-Lösung in Kombination mit einem Gasantrieb angeboten werden. Auch für die anderen Baureihen gebe es entsprechende Entwicklungen, wie Stéphane Espinasse, Iveco Bus Brand Leader, am 20. Oktober 2021 vor Journalisten erklärte.

Neben dem batterielektrischen Crossway Low Entry werden Mildhybride für die Baureihen Urbanway, Crealis und Crossway Low Entry verfügbar sein. Das Mildhybridmodul von Iveco Bus werde schon ab Ende dieses Jahres bestellbar sein, zum batterielektrischen Crossway gab es die Aussage, dass er ab 2023 zur Verfügung stehe. Die ersten Fahrzeuge mit Mildhybridmodul sollen dann und bis zum Jahresende 2022 ausgeliefert werden, so Espinasse. Gleichzeitig gab Iveco Bus jetzt die Aktualisierung der Baureihe auf die Euro VI Stufe E bekannt.

Iveco Bus hat bereits die Auftragsbücher für den Crossway LE Electric geöffnet, die Batterien stammen von Microvast. Der 2006 gegründete Batteriehersteller mit Hauptsitz in Houston (USA) fertigt der Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge in den USA, China und Deutschland – am Standort Ludwigsfelde bei Berlin. Für den Crossway LE Electric hat Microvast nach eigenen Angaben ein Batteriepaket mit hoher Energiedichte entwickelt, je nach Kundenwunsch und Einsatzzweck können zwischen 400 und 466 kWh geordert werden.

Dieses Akkupaket der neuen Generation setze einen neuen Industriestandard in Bezug auf Energiedichte und Ladekapazität und biete dem Crossway LE Electric eine Batterielebensdauer von bis zu zehn Jahren, wie Iveco Bus verspricht. Auch für die anderen Baureihen gebe es entsprechende Entwicklungen, wie Stéphane Espinasse, erklärte. Neben dem batterieelektrischen Crossway LE werden Mildhybride für die Baureihen Urbanway, Crealis und Crossway Low Entry verfügbar sein. D

Das Mildhybridmodul von Iveco Bus ist bestellbar, erste Omnibusse  damit würde man bis zum Jahresende 2022 ausliefern, so Espinasse. Der batterieelektrische Überlandbus ergänzt den neuen Iveco e-Daily, er wird schon Ende 2022 auf den Markt kommen.  Der elektrische Daily wird mit einem modularen System von einer bis drei Batterien und mit einer Energiedichte von 37 bis 111 kWh ausgestattet sein, so erste Informationen seitens Iveco Bus.

Der Plan ist allerdings noch nicht endgültig beschlossen, da die Italiener noch auf eine Förderzusage seitens der Politik warten. Der Werksumbau soll mit Mitteln aus einem EU-finanzierten Sanierungsplan unterstützt werden. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertrauten Quelle, dass die Förderung bis zu 25 Prozent der erwarteten Investition abdecken solle.

Sofern die Förderung erteilt wird, soll die Produktion der Omnibusse bereits im Frühjahr 2023 anlaufen. „Dieses Projekt wird … eine führende Rolle im dringend notwendigen Erneuerungsprozess der italienischen Flotte für den öffentlichen Nahverkehr spielen“, sagt Domenico Nucera, Leiter des Busgeschäfts von Iveco. Die Italiener hatten 2011 die Fertigung von Omnibussen in Italien eingestellt. (IvecoGroup/omnibus.news/PM/Sr)

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