Stand vor fünf Jahren auf der Busworld Turkey als Konzeptfahrzeug, jetzt wird in einer Kleinserie gebaut. Foto: Schreiber

Die zwei Achsen im Nachläufer sorgten vor fünf Jahren für Aufsehen. Foto: Schreiber

Der Innenraum (des Konzeptfahrzeugs 2016) fiel im Gegensatz zum äußeren Auftritt nicht so spektakulär aus. Foto: Schreiber

Auf der 6. Busworld Turkey wurde vor fünf Jahren ein ganz besonderer Bus als Konzeptfahrzeug präsentiert: Der Metrobüs von Akai. Der seinerzeit mit der schlichten Baureihen-Bezeichnung LF25 (Low floor, 25 Meter lang) vorgestelle Doppel-Gelenkbus soll nun auch in Istanbul zum Einsatz kommen.

Hinter dem Hersteller, der 2013 als Akia Hess Otomotiv Karoser Imalat San. ve Tic Ltd gegründet wurde, steht mit Carosserie Hess aus der Schweiz u.a. ein in der Branche mehr als bekannter Bushersteller, der auf selbsttragende Vollaluminiumkonstruktionen setzt und sein Handwerk mehr als versteht. Zusammen mit Partnern aus dem Iran wurde die türkische Busproduktion gegründet, um von Hess entworfene Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen. Das Hauptaugenmerk liegt auf Omnibussen, die im türkischen Bursa für den heimischen Markt und den Export (insbesondere Aserbaidschan, Bulgarien, Rumänien, Serbien und Tadschikistan) gefertigt werden.

Zum Start gab es auf der Busworld Turkey 2014 einen niederflurigen Linienbus und einen klassischen Hochbodenbus. Zwei Jahre später wurde das Fahrzeugdesign optisch mehr auf Zukunft getrimmt und das Portfolio um weitere Längen ergänzt. Zum regulären 18m langen Gelenkbus wurde 2016 auf der Busworld Turkey dann als Konzeptfahrzeug ein neuer Metrobüs für Istanbul vorgestellt, der seinerzeit für viel Aufsehen sorgte.

Nicht nur die Länge, sondern auch die fünf Achsen sind in dieser Gefäßgröße etwas Besonderes. Damit sei dann, so hieß es auf der Busworld in Istanbul vo fünf Jahren, problemlos eine Fahrgastkapazität von 290 Passagieren darstellbar. Für 30 Fahrgäste gibt es einen Sitzplatz, es ist klar, dass der Bus als Bahnersatz auf Masse ausgelegt ist. Beim Konzeptfahrzeug waren Türen auf beiden Seiten verbaut, so sollte der Fahrgastfluss im Sinne eines effektiven BRT-Systems noch mehr beschleunigt werden.

Der Fahrer sitzt hinter einer Glaswand in einer abgetrennten Kabine, sechs Kameras pro Seite sollen ihn unterstützen, ihm die nötige Sicherheit beim Abfahren von der BRT-Station geben. Der Name Hess im Firmennamen verweist auf die verbauten rostfreien, tragenden Elemente der Karosserie, die in der Schweiz entwickelt wurden.

Als Antrieb werkelt ein Euro VI-Motor von Mercedes-Benz (OM 470), als Getriebe nutzt man ein Allison-Automaten und Achsen würde man bei ZF zukaufen, so die Türken anlässlich der Vorstellung. Je nach Kundenwunsch gibt es einen klassischen Dieselantrieb, eine Hybridversion oder auch ein Trolleybus sei möglich, so die Türken. Dann würde man zwei 160 kW-Traktionsmnotoren verbauen.

Dass die letzten beiden der insgesamt fünf Achsen angetrieben werden, sei nichts Neues, so die türkischen Ingenieure. Vergleichbare und erfolgreiche Konzepte dieser Art hätte es ja schon gegeben, heißt es. Man darf gespannt sein, wie sich der Metrobüs LF 25 in Istanbul behaupten wird. Der Name Metrobüs ist in Istanbul ein Art Synonym und mittlerweile als Bus-Rapid-Transit-System über die Grenzen hinaus bekannt, denn die Linienführung der städtischen Nahverkehrsgesellschaft İETT erstreckt sich über zwei Kontinenten und ist auch deshalb etwas Besonderes.

Die schnelle Verbindung zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil dertürkischen Metropole wird täglich von rund einer Million Fahrgästen genutzt. Die Strecke führt in mehr als 50 Kilometern parallel zur inneren Stadtautobahn mehr oder weniger halbkreisförmig um das eigentliche Stadtgebiet von Istanbul auf einer fast durchgängig eigenen Fahrspur herum.

Das Besondere am Metrobüs Istanbul ist, dass die eingesetzten Fahrzeuge im Linksverkehr auf ihrer Fahrspur zwischen den eigentlichen Fahrspuren der Stadtautobahn fahren. Mauern trennen die Busspuren von den regulären Richtungsfahrbahnen ab. Seinerzeit hatte man sich für die Lösung entschieden, um Platz zu sparen und nur je eine Haltstellen bauen zu müssen.

Aktuell erneuert IETT den Metrobüs-Fuhrpark, der größtenteils noch aus Fahrzeugen von Mercedes-Benz besteht. Im Einsatz sind die Muster O 345 G und O 530 G sowie der CapaCity. Aber auch die Phileas-Doppelgelenkbusse prägten das Bild, sie wurden 2008 (15 Stück) und 2009 (35 Stück) angeschafft. Es stellte sich heraus, dass die Doppel-Gelenkbusse aufgrund der Motorisierung  für die topografische Struktur Istanbuls nicht geeignet waren – aus hätten sie der großen Belastung durch zu viele Fahrgäste nicht standgehalten, wie es hinter vorgehaltener Hand von IETT-Mitarbeitern heißt.

Das endgültige Aus kam 2015: Ein Phileas brannte an der Metrobushaltestelle in Şirinevler ab, die wenigen Fahrzeuge, die noch einsatzbereit waren, wurden aus dem Verkehr gezogen. Jetzt wurden als Ersatz 60 Akia Metrobüs LF25 bestellt, um das Metrobüs-System mit drigend benötigten neuen Fahrzeugen für diese Gefäßgröße zu bestücken. Nach Angaben in türkischen Tageszeitungen wurden die 60 Fahrzeuge mit dieser besonderen Konstruktion für knapp 600 Mio Türkische Lira gekauft, was umgerechnet einen Kaufpreis von knapp 1 Mio. Euro pro Fahrzeug bedeutet.

Außerdem sind 100 Otokar Kent C-Gelenkfahrzeuge mit 3-jährigem Wartungsvertrag bestellt worden, die optisch zweifelsohne an den CapaCity von Mercedes-Benz erinnern. Davon sind knapp 250 Einheiten in Istanbul unterwegs, die durschnittliche LAufleistung soll die 1 Mio. km-Grenze schon längst überschritten haben. Die niederflurigen Großraum-Gelenkbusse bietetn nach Angaben von Otokar eine Kapazität von bis zu 200 Fahrgästen. Der vierachsige Gelenkbus misst 21 Meter, bietet entsprechende Fahrerassistenzsysteme (samt Knickschutz) und soll mit der lenkbaren 4. Achse allen Ansprüchen der IETT gerecht werden. (Akia/Hess/IETT/APTS/Mercedes-Benz/omnibus.news/Sr)

 

Für die Erneuerung der Metrobüs-Flotte setzt IETT ausschließlich auf türkische Fabrikate: Neben Akia kommen auch noch Busse von Otokar zum Einsatz. Foto: IETT

Der Metrobus in Istanbul an der Haltestelle Altunizade. Foto: Schreiber

Viele Phileas-Busse stehen ausgeschlachtet auf der grünen Wiese am Rande Istanbuls. Foto: Schreiber

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