Seite wählen

Weltpremiere auf der IAA Transportation 2026: MG enthüllt den iEV12LE. Foto: Schreiber

Mit der Weltpremiere des iEV12LE auf der IAA Transportation zeigte MG Commercial nicht einfach nur einen neuen Elektro-Überlandbus… Foto: Schreiber

Ma Zhengang, Geschäftsführer der Shanghai Sunwin Bus Corporation, verantwortet auch die Elektrobusse von MG. Foto: Schreiber

Typisch LowEntry: Im Heckbereich führen Stufen auf den Hochbodenbereich: Foto: Schreiber

Mit der Weltpremiere des iEV12LE auf der IAA Transportation zeigte MG Commercial nicht einfach nur einen neuen Elektro-Überlandbus. Der Auftritt in Hannover war zugleich ein deutliches Signal: Als neue Commercial-Vehicle-Marke von MG und mit der technischen Kompetenz der zum SAIC-Konzern gehörenden Shanghai Sunwin Bus Corporation will MG im europäischen Markt für lokal emissionsfreie Omnibusse Fuß fassen.

Ma Zhengang, Geschäftsführer der Shanghai Sunwin Bus Corporation, machte in Hannover im Gespräch mit omnibus.news deutlich, dass das Portfolio konsequent ausgebaut werden solle. Der Auftritt auf der IAA Transportation ist dabei mehr als die Präsentation eines einzelnen Fahrzeugs. Ein Gespräch mit Ma Zhengang vermittelt den Eindruck einer langfristig angelegten Strategie. Seine Aufgabe besteht nicht allein darin, „Elektrobusse für Europa bauen zu lassen“.

Zhengang bringt Erfahrung aus Fahrzeugentwicklung, Komponenten, industrieller Organisation und Konzernstrategie mit. Seine Rolle bei MG Commercial lässt sich deshalb eher im Kontext der Industrialisierungs- und Internationalisierungsstrategie von SAIC verstehen. Sunwin ist dabei kein externer Zulieferer, sondern eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des SAIC-Konzerns. Für das internationale Busgeschäft verfolgt Sunwin nach eigenen Angaben inzwischen sogar eine Dual-Brand-Strategie mit den Marken Sunwin und MG.

MG Commercial nutzt damit die konzerninterne Bus- und Elektrokompetenz und bringt sie unter einer international etablierten Marke nach Europa. Nicht als chinesische Marke Sunwin, sondern unter dem Namen MG – einer Marke, die in Europa auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. MG wurde 1924 in Oxford gegründet. Die Marke entstand aus Morris Garages und war zunächst eng mit sportlich positionierten Morris-Fahrzeugen verbunden.

Der Gedanke dahinter: vergleichsweise einfache Großserienfahrzeuge sportlicher, leichter und attraktiver zu machen. Fahrspaß zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis wurde zu einem wichtigen Bestandteil der MG-Markenidentität. Nach mehreren Eigentümerwechseln gelangte die Marke 2005 zu Nanjing Automobile. Als SAIC Motor 2007 Nanjing Automobile übernahm, kam auch MG unter das Dach des chinesischen Automobilkonzerns. Heute ist MG eine der globalen Eigenmarken von SAIC.

Dass die Marke nun auch im Busgeschäft eingesetzt wird, bedeutet allerdings keine Fortsetzung einer historischen britischen MG-Nutzfahrzeugtradition. Die historische MG-DNA stammt aus dem Sportwagen- und Pkw-Bereich. Die Kompetenz für moderne Stadt- und Überlandbusse kommt dagegen aus dem SAIC-Konzern und insbesondere von Shanghai Sunwin. Nach der Premiere des iEV12 und des elektrischen Fahrgestells B12E auf der Busworld 2025 wurde das Portfolio in Hannover um ein Low-Entry-Fahrzeug erweitert.

Der iEV12 war damals als 12-Meter-Elektro-Stadtbuskonzept vorgestellt worden; entwickelt wurde er in Zusammenarbeit mit Shanghai Sunwin. Damit ist die Produktstrategie noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben von Ma Zhengang soll das Angebot weiter wachsen. In Aussicht gestellt wurden unter anderem ein Elektro-Gelenkbus sowie Trolleybusse mit 12 und 18 Metern Länge. Mit einem solchen Portfolio will MG Commercial nach den Worten Zhengangs die unterschiedlichen Anforderungen abdecken.

Im Mittelpunkt des IAA-Auftritts stand zunächst der neue iEV12LE. Der elektrisch angetriebene Low-Entry-Überlandbus wurde in Hannover feierlich als Weltpremiere enthüllt. Ebenfalls auf dem Messestand zu sehen war der bereits 2025 in Brüssel präsentierte iEV12. Der iEV12LE ist 12,15 Meter lang, 2,55 Meter breit und 3,32 Meter hoch. Der Radstand beträgt 6,10 Meter. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 19,5 Tonnen.

MG Commercial nennt eine maximale Fahrgastkapazität von 80 Personen; vorgesehen sind unter anderem 41+1 Sitzplätze sowie ein Rollstuhlplatz. Technische Basis des iEV12LE ist das hauseigene B12E-Fahrgestell. Die Batterie ist als Cell-to-Pack-System direkt in das Chassis integriert. Für den iEV12 beziehungsweise die B12E-Plattform wurden bereits Batterievarianten mit 417 beziehungsweise 489 kWh genannt. Beim iEV12LE weist die aktuelle technische Dokumentation eine Kapazität von 489 kWh aus.

MG Commercial gibt eine Reichweite von bis zu 650 Kilometern nach eSORT2 an. Die Angabe ist als Herstellerwert unter dem entsprechenden Testzyklus einzuordnen und nicht mit einer realen Reichweite im Linienbetrieb gleichzusetzen. Für die Ladung stehen zwei CCS2-Anschlüsse zur Verfügung, die laut Hersteller gleichzeitig mit bis zu 500 A genutzt werden können. MG gibt für eine vollständige Ladung rund 1,5 Stunden an.

Für das Zwischenladen im Linienbetrieb kann der iEV12LE zudem mit einem auf dem Dach montierten OppCharge-Pantographen ausgerüstet werden. Auch bei der Sicherheits- und Fahrerassistenztechnik orientiert sich MG Commercial an den Anforderungen des europäischen Marktes. Genannt werden unter anderem Kamera-Monitor-Systeme, 360-Grad-Überwachung, Abbiege- und Totwinkelassistenten sowie Systeme zur Erkennung von Müdigkeit und nachlassender Aufmerksamkeit.

Die Karosserie erfüllt laut MG die Anforderungen der UN ECE R66 zum Überrollschutz. Während der iEV12 in Südeuropa – zunächst in Spanien – bereits bestellbar ist, befindet sich der iEV12LE nach Aussage von Ma Zhengang derzeit noch in der Homologationsphase. Und wie sieht es mit Deutschland aus? Auf die Frage nach Preis und Markteinführung verwies Zhengang auf das aus seiner Sicht gute Preis-Leistungs-Verhältnis der MG-Elektrobusse. Den deutschen Markt beobachte man derzeit genau.

Damit bleibt der Auftritt von MG Commercial in Hannover zunächst vor allem eines: ein deutliches Signal, dass SAIC seine Buskompetenz über die Marke MG auch in Europa etablieren will. Der iEV12LE ist dabei der nächste Schritt – vom 2025 vorgestellten Stadtbuskonzept hin zu einem breiter angelegten Angebot elektrischer Omnibusse für den europäischen Markt, zu der auch noch ein E-Gelenkbus und zwei Trolleybusse (12 und 18 Meter). (MG/omnibus.news/Sr)

Blick auf den Fahrerarbeitsplatz des iEV12LE von MG. Foto: Schreiber

Der iEV12LE ist als 12-Meter-Elektro-Überlandbuskonzept in Zusammenarbeit mit Shanghai Sunwin entwickelt worden. Foto: Schreiber

Stolz präsentierte Run Yuan von MG Commercial auf der IAA Transportation 2026 auch schon einen ersten Modellbus – der iEV12 wurde maßstabsgerecht 87-fach verkleinert. Foto: Schreiber

Das Metallmodell des iEV12 ist 14 cm lang und damit exakt im Maßstab 1:87 nachgebildet. Foto: Schreiber

 

Teilen auf: