Der Horseliner von Neoplan war ein Sonder-Kraftfahrzeug für die Beförderung von Tieren zu Sportzwecken, wie es im Fahrzeugschein hieß. Foto: Neoplan

Auf der IAA 1994 durfte man den Innenraum besichtigen, aber nicht fotografieren – es gibt offiziell nur die Entwurfszeichnung, die aber sehr gut zeigt, wie der Horseliner innen aussah. Foto: Neoplan

Sicherlich wäre der Bischof Martin von Tours ganz im Sinne von Papst Franziskus mit dem Bus gefahren. Und Martin von Tours hätte im Sinne seiner eigenen Bescheidenheit auch einen sitzplatzoptimierten Doppeldecker gewählt. Oder besser einen speziell umgebauten Skyliner von Neoplan, denn er hätte ja auch noch sein Pferd mitnehmen müssen…

Neoplan hat den Horseliner als Unikat zur IAA 1994 auf die Räder gestellt. Während im Unterdeck vier Pferde ihren Stellplatz hatten, konnten im Oberdeck die Begleiter sitzen. Die Frontmaske des Horseliner setzt sich aus dem Skyliner (oben) und Spaceliner (unten, samt Cockpit) zusammen. Und als Fahrgestell stammte vom Cityliner, der Boden wurde wegen des niedrigen Bodenes und der fehlenden Streben verstärkt.

Und wenn man einen Blick ins Innere wirft, was seinerzeit auf der IAA erlaubt war, dann ist es mit der Bescheidenheit des Martin von Tours vorbei: So es gab für die Pferde ein Solarium und einen entsprechend klimatisierten Bereich! Zur Klimatisierung wurde ein Kaltwassersatz verwendet, um Zugluft für die Pferde zu vermeiden.

Dank des ebenen Boden (zwischen den Achsen war der Horseliner niederflurig) und der damit verbundenen geringen Höhe war der Einstieg für die Pferde fast ebenerdig. Die 1,5m lange Klapprampe hatte eine Neigung von 11 Grad, die Pferde konnten nicht nur bequem in die Boxen geführt werden, sondern auch entspannt reisen, denn der tiefleigende Bereich war extrem nick- und rollarm, wie es in dem Werbeprospekt heißt.

Martin von Tours wäre wohl bei seinem Pferd geblieben, denn im Oberdeck gab es für die Begleiter einen loungeartigen Aufenthaltsbereich mit runder Ledersitzecke und einer seinerzeit durchaus als Luxus zu bezeichnenden Aussattung mit Audio- und Video- sowie Telekommunikationsgeräten, wie beispielsweise SAT-TV und Telefon samt Fax.

Im hinteren Bereich war ein Doppelbett, eine Küche sowie eine Dusche sowie ein WC verbaut. Ach, man ahnt es, ein begehbarer Dachgarten, der durch die vordere Dachluke zu ereichen war, war natürlich auch noch mit an Bord. Und die für den Betrieb der Klimageräte nötige Energie lieferte ein 20 kW-Generator.

Martin von Tours gilt als einer der ersten, der nicht wegen eines Märtyrertodes, sondern aufgrund seiner Lebensführung heiliggesprochen wurde. Als junger Mann trat er in die römische Armee ein – im vierten Jahrhundert nach Christus.

Die bekannteste Legende zu Sankt Martin spielt in dieser Zeit: So soll er im Winter einen armen Mann getroffen haben. Martin habe dem Bettler helfen wollen, deshalb habe er seinen Mantel mit seinem Schwert in zwei Teile geschnitten und ein Stück dem frierenden Mann gegeben.

Wenig später soll ihm Jesus im Traum erschienen sein und sich als der Bettler zu erkennen gegeben haben. Der Erzählung nach ließ sich Martin danach christlich taufen, wurde Priester, lebte als Eremit und gründete Klöster. Mit dem Martinstag am heutigen Tag beginnt in Deutschland zudem traditionell die Saison der Gänseschlachtungen.

Doch was hat das mit Martin von Tours zu tun? Martin soll sich aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben, als er zum Bischof geweiht werden sollte. Das laute Geschnatter der Gänse verriet jedoch seinen Aufenthaltsort und er wurde entdeckt.

Eine andere Herkunft des Festessens wird darin gesehen, dass am 11. November die 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit beginnt, in der fettes Essen tabu ist. Überdies war der 11. November früher jener Termin, an dem die Bauern ihren Lehnherren die fällige Pacht zahlen mussten.

Da im Mittelalter sehr oft Naturalien das Geld ersetzten, beglichen die Schuldner in vielen Fällen ihre Pacht mit einer Gans. Das Foto zur heutigen Meldung ist eine Fotomontage von omnibus.news und zeigt als Basis den Neoplan Horseliner sowie Fotos eines traditionellen St. Martin-Umzuges.

Der Auftraggeber des Horseliner holte das besondere Gefährt nach der IAA nicht ab, nach mehreren Jahren auf dem Gebrauchtbusplatz von Neoplan in Herrenberg verliert sich seine Spur. Es wird vermutet, dass das besondere Gefährt seinen Weg in den arabischen Raum gefunden hat. omnibus.news freut sich über weitere Hinweise und Informationen! (Neoplan/FAN-ArchivSchneider/omnibus.news/Sr)

Im hinteren Bereich waren Küche und Sanitärbereich verbaut. Foto: Neoplan

Basis des Horseliner war ein Neoplan N122/2, der ein spezielles “Chassis” erhielt, um den Transport der Pferde zu ermöglichen. Foto: Neoplan

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