Die Technik des Urbino hydrogen ist größtenteils auf dem Dach verbaut. Foto: Solaris

Solaris hat als einer der ersten Omnibushersteller auf alternative Antriebstechnik gesetzt. Fast ein Jahrzehnt nach der Premiere des ersten Elektrobusses aus polnischer Produktion hat Solaris den Urbino 12 hydrogen auf dem UITP Summit im Juni 2019 präsentiert. Der polnische Linienbus mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle bietet alle Vorteile eines Elektroantriebs wie niedrigen Lärm- und Vibrationspegel und vor allem absolut keine lokalen Schadstoffemissionen, wie die Polen anlässlich der Vorstellung betont haben. Außerdem punktet das Konzept mit hoher Reichweite und kurzer Tankdauer. Solaris geht davon aus, dass die Entwicklung aller Zweige der Elektromobilität – sowohl der elektrischen, wasserstoffbetriebenen als auch O-Busse – synergetisch verlaufen wird und dies für die Sicherstellung eines nachhaltigen Verkehrs der Zukunft erforderlich ist. Daher werden wasserstoffbetriebene Solaris-Busse in diesem Sinne keine Konkurrenz zu Batterie- oder O-Bussen Trollino darstellen. Die Vorzüge des Wasserstoffs als Energieträger sind unbestritten: Dank seiner Energiedichte und seines geringen Gewichts kann dieses Element eine saubere Energiequelle für Fahrzeuge werden und helfen, Strecken von einigen Hundert Kilometern zu bewältigen. Besonders vorteilhaft ist es, wenn der Betreiber Zugang zum Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen oder aus der Industrie hat. Wasserstoff-Brennstoffzellen, in denen die umgekehrte Elektrolyse abläuft, sind relativ klein und erzeugen Strom während des Fahrzeugbetriebs. Die Betankung mit Wasserstoff dauert kurz, ist bequem und unterscheidet sich kaum von der Benzinbetankung. Die ersten Wasserstoff-Erfahrungen sammelte Solaris bei der Entwicklung von Batteriebussen mit Brennstoffzelle als Range Extender. Im Rahmen des JIVE-Projekts lieferte Solaris zwei Urbino 18,75 electric nach Hamburg und 10 O-Busse nach Riga aus. In beiden Fällen waren die Fahrzeuge mit Brennstoffzelle als Range Extender ausgestattet. Der elektrische Urbino 12 hydrogen ist mit einer ultramodernen Brennstoffzelle ausgestattet, die als eine Art Mini-Wasserstoff-Kraftwerk an Bord des Fahrzeugs fungiert. Dank der im Fahrzeug eingesetzten Technologie wird der Bus die Reichweite von rund 350 km mit einer Tankfüllung bieten können. Die elektrische Energie in der Wasserstoff-Brennstoffzelle wird über eine umgekehrte Elektrolyse von Wasser erzeugt und dem Antriebssystem direkt zugeführt. Die einzigen Produkte der chemischen Reaktion in der Brennstoffzelle sind Wärme und Wasserdampf. In den Brennstoffzellenbussen von Solaris wurde ein Paket von Brennstoffzellen mit einer Leistung von 60 kW verwendet. Das Wasserstoffsystem umfasst auch Hilfsgeräte, die u. a. dafür sorgen, dass das Gas und die Luft unter ausreichendem Druck zugeführt werden und der Wasserstoff, der nicht genutzt wurde, rezirkuliert wie auch die Betriebstemperatur der Brennstoffzelle auf einem entsprechenden Niveau und stabil gehalten wird.  Der Wasserstoff wird gasförmig unter Druck von 250 atm in fünf Behältern der neuen Generation gespeichert, die längsseits auf dem Dach angeordnet sind. Die Gasbehälter aus Verbundstoff, die längsseits über der ersten Achse angeordnet wurden, lassen 36,8 kg Wasserstoff speichern. Jeder Wasserstofftank ist mit einem Multifunktionsventil versehen, das eine Reihe von Funktionen erfüllt. Es dient als Magnetventil, Absperrventil für Hochtemperatur, das in Notsituationen aktiviert wird und als Absperrventil, das den Ausfluss von Wasserstoff verhindert, falls das System undicht wird. Hinzu kommen Temperatur- und Druckfühler um das Sicherheitsniveau noch zu steigern. Um den Energieverbrauch möglichst gering zu halten, wurde im Fahrzeug ein System zur Sicherstellung des Klimakomforts mit einer CO2-Wärmepumpe montiert, das die Abwärme aus der Brennstoffzelle nutzt.

Solaris erweitert das Angebot um den Urbino hydrogen. Foto: omnibus.news

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