Hyvia bietet schlüsselfertige Mobilitätslösungen, die die Produktion, die Speicherung und den Vertrieb von grünem Wasserstoff sowie eine breite Palette von leichten Nutzfahrzeugen umfassen“, sagte David Holderbach, Präsident von Hyvia, anlässlich einer Pressepräsentation. Foto: Renault Group

Hyvia wird einen H2-Citybus auf Basis des Renault Master auf den Markt bringen. Foto: Renault Group

Dass die Renault-Tochter RVI an der Elektrifizierung des Master arbeitete, war ein offenes Geheimnis. Jetzt hat Renault zusammen mit dem Wasserstoffspezialisten Plug Power inn der letzten Woche ein Joint Venture namens Hyvia gegründet. Plug Power deckt die Bereiche Produktion, Speicherung und Verteilung von grünem Wasserstoff komplett ab und ist weltweit nach eigenen Angaben mit diesem Portfolio führend. Der Name setzt sich aus “HY” für Wasserstoff und dem lateinischen Wort “VIA” für Straße zusammen. Bis Ende 2021 sollen drei leichte Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb auf Basis des Renault Master auf die Straße kommen, darunter auch ein Citybus für bis zu 15 Fahrgäste mit 300 km Reichweite, wie es einer entsprechenden Information an die Presse zu entnehmen ist.

Die drei Fahrzeuge werden sowohl batterieelektrisch als auch mit wasserstoffbasierter Energie rollen, aber vor allem im Betrieb ohne CO2-Emissionen, wie die Franzosen betonen. Mit an Bord sind neben der 33-kWh-Batterie noch eine 30-kW-Brennstoffzelle sowie entsprechende Tanks, die je nach Fahrzeugart zwischen 3,0 und 7,0 Kilogramm Wasserstoff enthalten. Zum Brennstoffzellensystem gehört nach Angaben der Franzosen neben einem Brennstoffzellenblock die nötigen Systeme für Luft- und Wasserstoffversorgung sowie -regelung samt Befeuchtung und Kühlung. Ist die Batterie leer, tritt die Brennstoffzelle in Aktion. Hyvia setzt auf eine duale Antriebsstrategie, die zwischen einem reinem Range-Extender-Fuel-Cell und Full-Power-Fuel-Cell-Antrieb verortet werden kann. Die Franzosen werden vermutlich die Ladetechnik vom Master Z.E. für die Batterie übernehmen, sie arbeitet mit Typ-2-Stecker und 7,4 kW im AC. So soll einphasig der Akku in sechs Stunden gespeist sein.

Das Joint-Venture wird auch Elektrolyselösungen, mobile Speicherstationen und bis Ende 2021 auch Wasserstofftankstellen anbieten. Letztere sollen den Tankvorgang in wenigen Minuten erlauben und ganz einfach zu bedienen sein. Hyvia wird von vier Standorten in Frankreich aus tätig werden:

  • Villiers Saint-Frédéric – Hauptsitz und F&E: Ein spezielles Team hat damit begonnen, die Anforderungen für die grossflächige Montage von Brennstoffzellen zu bewerten, und zwar innerhalb des Zentrums für LCV-Engineering und Entwicklung der Renault Group.
  • Flins – Prozess, Fertigung und Logistik: Die Arbeiten und Bewertungen für die Montage von Brennstoffzellen und Wasserstofftankstellen werden beschleunigt, der Verkaufsstart wird für Ende 2021 erwartet.
  • Batilly – Produktion des Renault Master: Das Werk der Renault Group in Batilly fertigt den Master für HYVIA.
  • Gretz Amainvilliers – PVI (Renault Vehicle Innovation): PVI, seit 2017 ein Tochterunternehmen der Renault Group, setzt die Elektrifizierung für den Master fort und baut seine Kapazitäten für die weitere Integration der Brennstoffzellentechnologie aus. PVI produziert auch 27-Tonnen-Lkw mit Wasserstoffantrieb.

Die Produkte und Serviceleistungen (inkl. Finanzierungsangeboten) wird Hyvia in ganz Europa anbieten. Die Stützpunkte für Service und Vertrieb liefert das vorhandene Netzwerk von Renault. „Um die Herausforderungen der Wasserstoffmobilität zu meistern, müssen wir nicht nur Brennstoffzellenfahrzeuge anbieten, sondern auch das gesamte Ökosystem berücksichtigen. Hyvia bietet schlüsselfertige Mobilitätslösungen, die die Produktion, die Speicherung und den Vertrieb von grünem Wasserstoff sowie eine breite Palette von leichten Nutzfahrzeugen umfassen“, sagte David Holderbach, Präsident von Hyvia, anlässlich einer Pressepräsentation. Bis 2030 will das neue Joint-Venture rund 30 Prozent des Marktanteils in diesem Segment für sich erobert haben. Zum Ökosystem gehört nach Angaben der Franzosen neben der Produktion auch die Verteilung von grünem Wasserstoff. Hier setzt man bei Hyvia nach eigenen Angaben auf das Knowhow von Plug Power, mit dem bereits ein Netzwerk von 100 H2-Tankstellen entstanden ist, über das täglich über 40 Tonnen Wasserstoff abgeben werden. Spannend: Nach PSA setzt mit Renault ein weiterer in Frankreich produzierender Hersteller auf die Brennstoffzelle im Transportersegment. (Hyvia/Renault/PM/Sr)

Bei Citybus sind die H2-Tanks im Dach und die BZ-Technik unterflur verbaut. Foto: Renault Group

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