Caetano präsentierte den H2.City Gold auf der Busworld Brüssel 2019. Foto: Schreiber

Vier Wasserstoffbusse und eine Tankstelle hat moBiel bestellt. Voraussichtlich zur Jahreswende 2021/22 werden die Busse über Bielefelds Straßen rollen. Die vier 12-Meter-Busse, die auf der Linie 29 (Baderbach – Schildhof) erprobt werden sollen, kommen vom portugiesischen Hersteller Caetano. Die Portugiesen liefern vier 12-Meter-Busse vom Typ H2 City Gold. Diese sind in Deutschland erst seit diesem Jahr auf dem Markt, werden aber schon in Norddeutschland erprobt. Die Busse haben auf ihrem Dach Brennstoffzellen von Toyota. Die ebenfalls auf dem Dach untergebrachten je fünf Wasserstofftanks können 37,5 Kilogramm Wasserstoff aufnehmen. Das reicht nach Herstellerangaben für eine Reichweite von etwa 350 bis 400 Kilometern. moBiel-Projektleiter Gerhard Sawatzky: “Wo genau wir landen, wird der Probebetrieb zeigen. Auf alle Fälle entspricht die Reichweite in etwa dem, was unsere Busse am Tag schaffen müssen. Ein großer Vorteil gegenüber batterie-elektrischen Bussen. Denn die vier Busse können so den ganzen Tag auf der 7,6 Kilometer langen Linie 29 im Einsatz sein, ohne dass sie zwischendurch betankt werden müssen. Damit passen sie sich gut in unsere betrieblichen Abläufe ein.” Die Wasserstofftankstelle liefert das Unternehmen Framatome aus Erlangen, Tochter des französischen Framatome-Konzerns. Die Tankstelle soll auf dem MVA-Gelände in Bielefeld-Heepen, wo auch die Busse stationiert sein werden, errichtet werden. Geschäftsführer Martin Uekmann ist erleichtert, die Bestellungen auf den Weg gebracht zu haben: “Als unser Aufsichtsrat im Herbst 2018 beschloss, in die Erprobung der im Betrieb emissionsfreien Wasserstofftechnik einzusteigen, wussten wir, dass wir es nicht mit einem etablierten Massenprodukt, sondern mit hochinnovativer Technik zu tun haben würden. Unsere Vorahnung hat sich bestätigt. Es bedurfte intensiver Arbeit und großer Geduld, bis alle Fragen rund um Förderung, europaweiter Ausschreibung und Vergabe der Aufträge geklärt waren. Aber jetzt haben wir den wichtigen Meilenstein der Bestellung geschafft.” In das Vorhaben fließt ein Millionenbetrag, ergänzt Kai-Uwe Steinbrecher, moBiel-Technikchef. Dieser werde bei der Tankstelle zu 90 Prozent, bei den Bussen zu 60 Prozent gefördert. Berechnungsgrundlage sei bei letzteren die Differenz zum Preis für einen gleichwertigen Dieselbus. Und er betont: »Nur dank der Fördermittel durch das Land NRW können wir die Wasserstoffbusse und die Tankstelle beschaffen. Denn wirtschaftlich betreiben lassen sie sich noch nicht.« Auch die Treibstoffkosten der vier Brennstoffzellenbusse liegen pro Jahr um rund 60.000 Euro über denen von Dieselbussen. In der Brennstoffzelle der Busse reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff und erzeugt so während der Fahrt permanent elektrische Energie. Diese wird in der Batterie auf dem Fahrzeugdach gespeichert oder treibt direkt den 245 PS starken Elektromotor an. Schädliche Abgase entstehen dabei nicht, nur Wasserdampf. Geschäftsführer Uekmann: “Wenn die Busse den Praxistest bestehen und auch bezahlbar werden, könnten sie einen großen Beitrag zu einem emissionsfreien Busbetrieb und damit besserer Luft in Bielefeld leisten.” Für die Fahrgäste der Wasserstoffbusse wird sich nicht viel ändern. Weil die Batterie deutlich kleiner ausfallen kann als bei einem batterie-elektrischen Bus und ein großer Teil der Technik auf dem Fahrzeugdach untergebracht wird, wird der Fahrgastraum ähnlich viel Platz bieten wie bei den Dieselbussen. Die 2-Türer werden über 37 Sitzplätze verfügen und als Niederflur-Busse barrierearm sein. Auch die Anwohner an der Strecke der Linie 29 dürften sich freuen. Denn die Wasserstoffbusse werden nahezu lautlos unterwegs sein. Die für den Betrieb der Wasserstoffbusse notwenige Tankstelle wird auf dem Gelände der MVA errichtet. Auch eine kleine Abstellhalle für die Busse ist dort vorgesehen. “Wir können jetzt in die Umsetzungsphase gehen und werden zeitnah mit den zuständigen Behörden in die Detailplanung und die Genehmigungsverfahren einsteigen”, zeigt Kai-Uwe Steinbrecher den weiteren Weg auf. Die gesamte Anlage inklusive Wegen, Abstellhalle, Tanks und Tankvorrichtung beanspruche mit rund 6.600 Quadratmeter etwas weniger Fläche als ein Fußballfeld. Die Tankstelle werde mit einem Druck von 350 bar arbeiten. Für Pkws seien zum Vergleich 700 bar notwendig. Beim Tanken zeigt sich für Steinbrecher ein weiterer wichtiger Vorteil der Brennstoffzellentechnik: “Ein Ladevorgang wird nur knapp zehn Minuten dauern. Das ist viel schneller als bei batterie-elektrischen Bussen.” Die Tanks der Anlage werden für 1.000 Kilogramm Wasserstoff ausgelegt und zunächst mit Tanklastwagen versorgt. Perspektivisch können sich Uekmann und Steinbrecher auch eine Wasserstofferzeugung aus dem Strom der Müllverbrennung vorstellen. (moBiel/PM/Schreiber)

 

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