Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Susanne Menge (Aufsichtsratvorsitzende der VWG und MdB),
Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies, Michael Emschermann (Geschäftsführer der VWG) und Joao Paulo Rosado Caeiro (CeatanoBus) bei der Vorstellung des H2 City Gold von Caetano. Foto: Schreiber

Die VWG Oldenburg hat vier H2 City Gold bei Caetano bestellt – anders als der Vorführbus mit konventionellen Spiegeln und als Zweitürer. Foto: Schreiber

Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies ist studierter Elektrotechniker und ließ sich die Technik des Caetano-Busses im Detail erklären. Foto: Schreiber


Die Stadt Oldenburg und die für den Nahverkehr zuständige Verkehr und Wasser GmbH (VWG) hatten vor fünf Jahren mit der kompletten Umstellung auf umweltfreundliche Bioerdgas­busse ein Zeichen gesetzt. Deutschlandweit fuhren über 100 Linienbusse CO2-neutral. Mit der Umstellung spart die Stadt Oldenburg seitdem rund 9.500 Tonnen CO2 jährlich ein.

Jetzt meldet die VWG die ersten Wasserstoffbusse in Niedersachsen, die im nächsten Jahr in den regulären Linienbetrieb Einzug halten werden: Vier H2 City Gold hat die VWG bei Caetano bestellt. Am 20. November 2021 gab es für geladene Gäste eine erste Vorschau, ein Vorführbus des portugiesischen Herstellers machte Station in Oldenburg.

Neben Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies waren dazu Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sowie Susanne Menge, Aufsichtsratvorsitzende der VWG und MdB und natürlich der Geschäftsführer der VWG, Michael Emschermann vor Ort, um den Hersteller sowie Bus, der sich nach einer europaweiten Ausschreibung gegen den Wettbewerb durchgesetzt hatte, bei einer Probefahrt kennenzulernen.

Buses4Future, ein StartUp aus Oldenburg, hatte sich mit dem hauseigenen H2-Bus nicht an der Ausschreibung beteiligt, wie Michael Emschermann auf Nachfrage von omnibus.news bestätigte. Mit dem Kauf der ersten vier H2-Busse für Oldenburg wollen VWG und Stadt nach dem Einsatz von Biogasbussen nun den nächsten Schritt gehen.

Oldenburg ist damit die erste Stadt Niedersachsens, die die Wasserstoff-Technik in den ihren Fuhrpark holt. „Oldenburg trägt einmal mehr dazu bei, dass die Welt ein Stück weit verbessert wird“, sagte Michael Emschermann anlässlich der Vortstellung. Es sei wichtig, in zukunftsfähige Technik zu investieren, so der VWG-Geschäftsführer.

Auch das Land Niedersachsen betonte die Wichtigkeit einer klimaschonenden und zugleich reichweitenstarken Mobilität. „Wasserstoff ist als Energieträger und Rohstoff ein zentraler Bestandteil der Energiewende“, davon ist Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies überzeugt.

Niedersachsen wird nach Angaben des Ministers das Wasserstoff-Bundesland Nr. 1 werden. Sauberer Wasserstoff sei ein wesentlicher Baustein für den Weg in ein klimaneutrales Energiesystem, so Lies in Oldenburg. Für Niedersachsen böten sich große Chancen, da es über beste Voraussetzungen verfüge, zum zentralen Standort der deutschen Wasserstoffwirtschaft zu werden.

Das zeigten nicht zuletzt die zahlreichen Projekte und Initiativen zu Wasserstoff, die es bereits heute im Land gibt. Das Engagement werde in einem Netzwerk gebündelt, um noch mehr Potentiale generieren zu können. Das Niedersächsische Wasserstoff-Netzwerk (NWN) wurde Mitte Juli 2020 vom Umweltministerium mit dem Ziel gegründet, vorhandene Projekte und Initiativen in Niedersachsen zu stärken.

“Wer die Energiewende konsequent zu Ende denkt, kommt an dem Thema Wasserstoff nicht vorbei“, erklärte Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies bei der Probefahrt um den Oldenburg Wallring, dem Herzen der Innenstadt. Um die gesetzten Klimaschutzziele 2030 zu erreichen, gilt es daher, Wasserstoff systematisch in das Energiesystem einzuführen.

Und das sei nach Ansicht von Olaf Lies nicht auf den städtischen Linienbus beschränkt, gerade der Überlandbus sei mit Blick auf die nötige Reichweite in seinen Augen ein Fahrzeug, das zukünftig von Wasserstoff angetrieben werden sollte. Hier seien nun die Bushersteller in der Pflicht zu liefern, wie der Minister gegenüber omnibus.news deutlich machte.Dem stimmte Michael Emschermann zu, wenn es um die Reichweite gehe, sei ein rein batterieelektrischer Antrieb für Oldenburg keine Lösung, denn die Häfte der über 100 Linienbusse habe tägliche Umläufe von über 300 Kilometern.

Die von der VWG bestellten H2-Busse wurden auf der Busworld, der führenden Messe der Busindustrie, vor zwei Jahren gestellt. Mit an Bord ist die Brennstoffzellentechnik von Toyota, die bei den Japaner schon erfolgreich im Pkw Mirai zum Einsatz kommt. Beide Unternehmen arbeiten seit vier Jahren zusammen.

Die Brennstoffzellen sind auf dem Dach des Linienbusses verbaut, dort befinden sich auch die fünf Wasserstofftanks, die insgesamt 37,5 Kilogramm Wasserstoff aufnehmen können. Das reicht nach Herstellerangaben für eine Reichweite von etwa 350 bis 400 Kilometern. Das Auftanken erfolge in weniger als neun Minuten mit bis zu 350 bar.

Der Zuspruch zum Caetano H2 City Gold sei europaweit groß, wie João Caeiro, Sales and Business Development bei m portugiesischen Bushertseller, im Gespräch mit omnibus.news erklärt. Den H2.City Gold gibt es in zwei Längen: 10,7 und 12 Meter und ab 2023 auch als 18m langen Gelenkbus, so Caeiro.

Bei den bestellten Fahrzeugen handelt es sich um zweitürige Solofahrzeuge, die über 33 Sitzplätze, 39 Stehplätze sowie zwei  Rollstuhlplätze verfügen. Und sie werden mit konvenbtionellen Spiegeln ausgerüstet sein, das Vorführfahrzeug war ein Dreitürer mit einem Spiegelersatzsystem. Ab Anfang 2022 wird hierfür auch die Werkstatt auf dem Betriebshof an der Felix-Wankel-Straße in Oldenburg umgebaut, sodass alle nötigen Reparaturen und Wartungen direkt vor Ort stattfinden können.

Minister und Geschäftsführer sind sich einig, dass die Zukunft vor allem dem grünem Wasserstoff gehöre. Der grüne Wasserstoff wird aus erneuerbaren Energien hergestellt. Diesem Energieträger fällt – gerade für die Industrie – eine entscheidende Rolle beim Ausstieg aus der Welt fossiler Brennstoffe zu. Für Lies steht fest: „Der Norden ist bestens gerüstet – schon jetzt gibt es zahlreiche Beispiele in Niedersachsen, mit denen gezeigt wird, dass die Technologie funktioniert. Niedersachsen hat beste Voraussetzungen, um zentraler Standort für die deutsche Wasserstoffwirtschaft zu werden. Die gilt es zu nutzen.“

“Wo, wenn nicht hier in Niedersachsen sollten wir anfangen, Schritt für Schritt in eine Welt hineinzuwachsen, in der aus diesem Wind wertvoller und vielseitig einsetzbarer Wasserstoff wird“, betonte der Minister. Gefördert wird die Anschaffung der vier H2-Busse zu 80 Prozent aus Mitteln des Landes Niedersachsen sowie der Europäischen Union.

Bis 2035 will die Stadt Oldenburg klimaneutral werden, wie der Oberbürgermeister Jürgen Krogmann im Rahmen der Fahrzeugvorstellung erklärte. Die neuen H2-Busse seien ein wichtiger und notwendiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen, so der Oberbürgermeister.

„Auch in Zukunft wollen wir unseren Vorsprung als umweltfreundlichste Busflotte weiter ausbauen und setzen daher bereits jetzt auf die „grüne“ Energie der Zukunft: Wasserstoff! Neben Umweltaspekten spricht auch der Zeitaufwand beim Tanken für Wasserstoff. Anders als bei batterieelektrischen Fahrzeugen dauert das Befüllen des Tanks nur wenige Minuten. Des Weiteren sind die Fahrzeuge auf wesentlich größere Reichweiten ausgelegt. Nun sind wir gespannt, wie sich die Wasserstoffbusse im Stadtverkehr verhalten“, freut sich Michael Emschermann, Geschäftsführer VWG.

Susanne Menge, Aufsichtsratsvorsitzende der VWG, ergänzt: “Die VWG ist schon immer als Vorreiterin in Sachen klimaschonender Mobilität und umweltfreundliche Antriebssysteme unterwegs. Hier ist stets eine moderne Flotte auf den Straßen Oldenburgs unterwegs und die Erfolge zeigen sich auch abermals im deutschlandweit durchgeführten ÖPNV-Kundenbarometer, in dem die VWG bei den Aktivitäten zum Umweltschutz auch in 2021 einen Spitzenplatz einnehmen konnte.“ (Caetano/VWG/LandNiedersachsen/omnibusnews/Sr)

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