Das Projekt EcoBus hat beim ÖPNV im ländlichen Raum neue Impulse gesetzt. Foto: Ecobus

Nach einer ersten zweimonatigen Pilotphase im Raum Bad Gandersheim und Kalefeld während der Gandersheimer Domfestspiele im Sommer 2018 fuhren im vergangenen halben Jahr bis zu zehn EcoBusse rund um Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Osterode am Harz. Dieser durch Fördermittel aus Niedersachsen und der EU finanziell unterstützte Pilotbetrieb endet nun planmäßig am 28. Februar 2019. Mit dem System EcoBus erforschten Wissenschaftler am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) flexible Mobilität. Ihre Grundlagen-forschung haben sie gemeinsam mit den Aufgabenträgern für den ÖPNV, dem Regionalverband Großraum Braunschweig sowie dem Zweckverband Verkehrs­verbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), in diesen zwei Pilotversuchen erprobt, um die theoretischen Vorhersagen in der Praxis zu überprüfen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Pilotprojekte. Die Nachfrage war größer als erwartet, und wir haben sehr viel über Kunden- und Fahrerverhalten in Bedarfsverkehren dieser Art gelernt. Die Fahrgastzahlen haben sich innerhalb weniger Wochen vervielfacht, und im Harz sind mehr als 10% der Einwohner registrierte EcoBus-Nutzer. Damit wurde eine respektable Marktdurchdringung in Rekordzeit erreicht. Unsere theoretischen Vorhersagen wurden zudem bestätigt, was uns in eine gute Startposition für die geplanten Weiterentwicklungen bringt“, sagt der Leiter des EcoBus-Projekts, Prof. Dr. Stephan Herminghaus, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. „Der EcoBus wird gut genutzt und findet die Zustimmung der Fahrgäste. Die erforderliche Buchung von Fahrten mittels App oder telefonisch wird von den Fahrgästen angenommen“, stellt Fritz Rössig vom Regionalverband Großraum Braunschweig fest. „Allerdings bietet das System gegenwärtig noch keine verkehrlich und wirtschaftlich hinreichende Verknüpfung mit dem bestehenden Bus- und Bahnverkehr. Hier gilt es dran zu arbeiten, um zukünftig verlässliche Wegeketten zu ermöglichen, Parallelverkehre zu vermeiden und eine gute Erschließungswirkung zu gewährleisten“ so Rössig weiter. „Für uns steht neben der technischen Anwendbarkeit auch die wirtschaftliche Dauerhaftigkeit des Forschungsprojektes EcoBus im Interesse. Hierzu warten wir noch die entsprechenden Ergebnisse der begleitenden Evaluation ab, um sie mit den zuständigen Fachleuten abschließend zu bewerten. Am Ende muss stehen, welche bezahlbaren, klimafreundlichen Nahverkehrsangebote uns in der ländlichen Region tatsächlich weiterbringen“, so Christel Wemheuer, Vorsitzende der ZVSN-Verbandsversammlung und Erste Kreisrätin im Landkreis Göttingen. „Das Projekt EcoBus, so viel steht fest, ist ein großartiger Erfolg und hat verdeutlicht, dass der Öffentliche Personennahverkehr vor allem im ländlichen Raum neuer Impulse bedarf. Natürlich haben wir nun auch Erwartungen geweckt, zunächst müssen wir aber erst einmal die Auswertungen abwarten und dann gemeinsam mit allen Akteuren überlegen, ob und wie ein solches Angebot langfristig und nachhaltig etabliert werden könnte“, sagt der Landrat des Landkreises Goslar, Thomas Brych. „Die Integration aller zukunftsfähigen Verkehrsträger – dazu zählen in der Fläche neben Bahn und Bus auch bereits vorhandene Strukturen wie beispielsweise die Taxen – steht ebenso im Mittelpunkt unserer zukünftigen Betrachtungen wie die Weiterentwicklung neuer Angebotsformen. Der öffentliche Nahverkehr der Zukunft wird viele Säulen als Fundament brauchen. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes EcoBus sind hilfreich für die Erarbeitung zukünftiger Konzepte, zu denen auch die bessere Verknüpfung von Stadt- und Umlandmobilität zählt“, so Uljana Klein, Dezernentin für Kreisentwicklung beim Landkreis Northeim. „Aus betrieblicher Sicht konnten wir ein neues Angebotskonzept in kürzester Zeit stabil ‚auf die Straße‘ bringen“, ergänzt Geschäftsführer Dr. Arne Schneemann vom EcoBus-Betreiber Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB), „Die Schlüssel für den Erfolg: begeisterte Mitarbeiter und eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Taxiunternehmen!“

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