14042016

Wer den Modellbus von Funtastic das erste Mal sieht, der schmunzelt. Chinesen sind bekanntlich immer wieder für eine Überraschung gut, doch ein Gelenkbus, der den Nachläufer vorne und den Motorwagen hinten hat? Ein entsprechendes Vorbild gab es wirklich, wenn auch nicht für diesen Modellbus, der formal mit etwas gutem Willen an der Frontmaske Merkmale von Setra erkennen lässt… Die Firma Vetter aus Fellbach präsentierte Mitte der 70er Jahre einen Gelenkbus, der die chinesischen Modellbushersteller zu diesem Fahrzeug inspiriert haben mag. Der Nachläufer des von Vetter in drei Längen (16,6 m, 17,3 m und 18,0 m) angebotenen Gelenkbusses war im Gegensatz zu bisherigen Gelenkbusbauarten vorn. Den Motorwagen fand man erst nach dem Faltenbalg. Diese Bauart sollte, so steht es im Prospekt, besonders Einsparungen an den Reifen ermöglichen. Neben einem neuartigen Aufsattelmechanismus und einem vergleichsweise tieferen Innenboden soll die Straßenlage äußerst stabil sein, schreibt der werbliche Text. Das neue Konzept würde weder zu ungewöhnlichen Schwingungen noch zu Ausbrech-Tendenzen neigen. Die Stadt Heidelberg nutzte mehrere dieser ungewöhnlichen Gelenkbusse, die sich jedoch in der Praxis als problematisch erwiesen. So wurde der letzte bestellte Gelenkbus noch bei Vetter vor Auslieferung zum klassischen Gelenkbus umgebaut, die anderen Fahrzeuge folgten wenig später. Der Fellbacher Hersteller baute seit 1955 Gelenkbusse, Basis war oft eine Büssing-Bodengruppe. Bis 1977 entstanden die meisten Gelenkbusse von Vetter aber auf Basis von Mercedes-Benz. Als Mercedes-Benz den hauseigenen O 305 G vorstellte, brach bei Vetter die Produktion von Gelenkomnibussen ein. Anfang der 80er Jahre schrieb das Unternehmen rote Zahlen, die Omnibusproduktion musste am 31. März 1984 eingestellt werden. Der seinerzeit fünftgrößte Omnibushersteller verschwand vom Markt, das Reparaturwerk aber nicht: Noch heute fertigt Vetter Sonderfahrzeuge und bietet Reparaturen sowie Oldtimerrestaurationen.

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