Vėjo projektai und Altas Auto machen gemeinsame Sache. Foto: Altas Auto

Das macht Sinn: Altas Auto, bekannt für wertige Kleinbusse mit batterieelektrischem Antrieb und Vėjo projektai mit dem 12m Elektrobus namens Dancer schließen sich zu einer Allianz zusammen. Die Bündelung des technischen Know-hows und die Vertretung der Interessen des nachhaltigen Verkehrs auf nationaler Ebene sind die Hauptziele der Allianz, wie die beiden Hersteller jetzt mitteilen. Die beiden litauischen E-Bushersteller wollen durch den Zusammenschluss dann zukünftig auch gemeinsam auf den EU-Märkten auftreten und ihre Produkte über nur einen Vertriebskanal verkaufen.

“Der Markt für Elektrobushersteller in Europa steckt noch in den Kinderschuhen, und es besteht ein erheblicher Mangel an gemeinsamen Erkenntnissen und Informationen unter nationalen und städtischen Entscheidungsträgern über die Möglichkeiten und Vorteile der neuen Generation des elektrischen Stadtverkehrs. Gemeinsam mit Dancer stehen wir an der Spitze der technischen Innovation in diesem Bereich und werden einen aktiven Dialog mit Entscheidungsträgern führen, um das Wachstum in diesem Bereich zu beschleunigen”, wird Edvardas Radzevičius, Direktor von Altas Auto, in der Pressemitteilung zitiert.

Und auch Alvydas Naujėkas, CEO von UAB “Vėjo projektai” und verantwortlich für den großen Elektrobus sieht das gemeinsame miteinander positiv: “Wir sind relativ klein im Vergleich zu den großen Konzernen in der Automobilindustrie, so dass wir nur mit vereinten Kräften wettbewerbsfähig sein können. Wir glauben, dass die EU-weite politische Priorität, die Mobilisierung von Finanzmitteln für die Entwicklung von elektrischen Verkehrssystemen und die wachsende Nachfrage nach Elektrobussen es den litauischen Herstellern ermöglichen werden, sich erfolgreich auf den europäischen Märkten zu etablieren.”

Aktuell konzentrieren sich die beiden litauischen Elektrobushersteller auf unterschiedliche Busklassen. Durch die Zusammenlegung ihrer Vertriebskräfte werden die Unternehmen ihren Kunden ein komplettes Portfolio und eine breitere Palette von Fahrzeugen anbieten, darunter auch Busse der Klassen M2 und M3 für den Stadt- und Überlandverkehr.

Die Vereinbarung zwischen Vėjo projektai und Altas Auto eröffnet ferner auch Möglichkeiten zur Entwicklung neuer technischer Lösungen für Elektrofahrzeuge, zur Verfolgung einer gemeinsamen Vertriebsstrategie, zu gemeinsamen Vertriebs- und Fahrzeugservicevertretern in europäischen Ländern und zur gemeinsamen Teilnahme an öffentlichen Beschaffungen durch staatliche oder kommunale Verkehrsbetriebe.

Der Sektor der Elektrobusse wächst in den europäischen Ländern schnell. Von den mehr als 5.000 großen Elektrobussen, die derzeit in Europa zugelassen sind, wurden in den letzten zwei Jahren mehr als 3.700 neu zugelassen. Und noch ist kein Ende des Elektrobusbooms in Sicht.

Doch das Wachstum beschleunigt sich weiter: Allein im letzten Jahr wurden 22 % mehr Elektrobusse zugelassen als 2019, und in den europäischen Ländern sind immer noch fast 600.000 dieselbetriebene Busse im öffentlichen Nahverkehr unterwegs, die in den nächsten Jahrzehnten durch lokal emissionsfreie Busse ersetzt werden sollen – im Einklang mit dem Green Deal der EU zur Verringerung der Umweltverschmutzung im Verkehr.

UAB Vėjo ist nach eigenen Angaben das erste und derzeit einzige Unternehmen in Litauen, das den Status eines weltweit zugelassenen Fahrzeugherstellers erworben hat. Von seinen deutschen Zulieferern bezieht das Unternehmen die wichtigsten Teile des Fahrgestells: Achsen, Bordnetzumrichter, Servolenkungsmodule, Luftkompressoren, Fahrersitze und einige Details der Innenausstattung. Darüber hinaus arbeitet Vėjo projektai mit deutschen Zulieferern an der Ausrüstung für Elektrobus-Ladestationen, die sie auch für die Dancer-Busse entwerfen und installieren, um eine superschnelle Batterieladung zu gewährleisten – nach Herstellerangaben dauert dies nur 8 Minuten.

Vėjo projektai kauft mehr als die Hälfte der für die Herstellung der Dancer-Busse benötigten Komponenten in Litauen ein, den Rest bei Lieferanten in Europa. Deutschland ist als ein Land mit einer sehr starken Tradition in der Automobilindustrie bekannt, so dass das Unternehmen bei der Entwicklung seines Elektrobusses mit Herstellern aus diesem Land zusammenarbeitete.

Für Elektrobushersteller wie Vėjo projektai ist Deutschland einer der relevanten Märkte, auf denen das Unternehmen nicht nur Partnerschaften mit Komponentenherstellern anstrebt, sondern auch Endprodukte liefern will. Alvydas Naujėkas, der Geschäftsführer des Unternehmens, sieht, dass viele der öffentlichen Verkehrsbetriebe in Deutschland aufgrund der COVID-19-Pandemie unter starken Fahrgastströmen und finanziellen Einbußen zu leiden haben: “Deshalb haben wir ein umfassendes Dancer-Mobility-Angebot entwickelt, das den öffentlichen Verkehrsbetrieben die Möglichkeit bietet, die Fahrzeuge zu sehr attraktiven finanziellen Konditionen zu erwerben.”

Nicht nur die Antriebstechnik ist neu, auch der Betrieb einschließlich der beschaffung muss neu gedacht werden. Mit den Optionen der Litauer können Unternehmen den Betrieb von Elektrobussen aufnehmen und dabei ein flexibles Zahlungsmodell nutzen, das auf der tatsächlichen Nutzung des Busses basiert, je nach Fahrstrecke, wie Naujėkas erklärt.

Naujėkas weist darauf hin, dass die Verkehrsbranche in Litauen schnell wächst. Es ist bekannt, dass Litauen im Bereich der Hochschulbildung EU-weit führend ist, und das Land verfügt über einen sehr vielfältigen Talentpool: 41.500 Ingenieurspezialisten, über 31.500 IT-Spezialisten und mehr als 40.000 Studenten in diesen beiden Fachrichtungen zusammen. Schließlich erhalten litauische Unternehmen, die Innovationen schaffen und umsetzen und die Grundsätze der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in ihrer täglichen Arbeit anwenden, besondere Unterstüzung und im globalen Markt mehr Aufmerksamkeit. (AltasAuto/Vėjo projektai/PM/Sr)

 

 

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