Erster Auftrag für den italienischen Citymood 12e-Elektrobus: AVTO ordert vier Busse. Foto: IIA

Am Standort Flumeri baute zuletzt Iveco bzw. Irisbus viele Omnibusse. Foto: Iveco, Schreiber

Azienda Trasporti Veneto Orientale (ATVO) hat vier Exemplare des 12-m-Elektrobusses des Typs Citymood 12e bei der Industria Italiana Autobus (IIA) gekauft. Es sei der erste Elektrobus aus Italien für Italien, wie man seitens der IIA betont. Lange Zeit war es ruhig um die IIA, doch dann macht der Zusammenschluss der letzten italienischen Buskompetenz aber wieder mit der Bestellung neuer Linienbusse, die die ATAC aus Rom bei der IIA platzierte, auf sich aufmerksam.

Mit dem ersten eigenen Elektrobus könnte das auch in Italien boomende Geschäft mit Elektrobussen der IIA zu weiteren Verkaufserfolgen helfen. Und auch ein Überlandbus aus heimischer Produktion könnte wieder darstellbar sein, wie es aus Italien heißt. Doch weil vermehrt chinesische Elektrobusse in Italien zugelassen wurden, hat sich die IIA eines eigenen Elektrobusses auf Basis der Citymood-Baureihe angenommen.

Politisch gewollt dürfte der Citymood 12e als erste Elektrobus aus heimischer Fertigung für Zuspruch in Italien sorgen. Am Rande der Premiere im November 2021 machten die Verantwortlichen der IIA deutlich, dass der batterieelektrische Linienbus aber nicht zwingend die Lösung sein müsse, aktuell arbeite man auch schon an einer H2-Version des Citymood 12e. Die Italiener machten keinen Hehl daraus, dass so ein Fahrzeug technisch problemlos darstellbar sei.

Es könne aber nur Realtität werden, wenn die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden würden. Sprich: Es müsse landesweit eine Ladeinfrastruktur vorhanden sein. Der ökologische Wandel der Mobilität hat auch in Italien die Städte erreicht, Überland ist es auch dort noch kein Thema. Aber dafür die Vernetzung oder neudeutsch Konnektivität. Der Citymood 12e kann auf Wunsch entsprechend begleitet werden, die IIA setzt dafür auf eine Serviceplattform namens MooVE.

Die neue Citymood e-Baureihe ist nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei der Klimaanlage und den Nebenaggregaten emissionsfrei, der Innenraum sei zudem 100 % recycelbar, wie man seitens der IIA verspricht. Und noch etwas ist neu: Zum ersten Mal nennt ein Elektrobushersteller schon bei der Premiere einen Preis: Ab 400.000 Euro sei der Citymood 12e erhältlich, der Preis variiere je nach Ausstattung und Wünschen des Kunden.

Rund 300 bis 350 Kilometer, je nach Einsatzbedingungen, betrage die Reichweite, wie IIA erklärt. Bislang wurden zwei Elektrobusse hergestellt, dies seien aber keine Prototypen mehr, sondern bereits schon Kundenfahrzeuge. Angetrieben wird der Citymood 12e von einem Siemens-Elektromotor mit 160 kW Dauer- und 230 kW Spitzenleistung, die benötigte Energie liefern NMC-Batterien von Akasol mit einer Kapazität von bis zu 495 kWh.

Es geht wieder aufwärts bei der IIA, für dieses Jahr liegen schon Aufträge für rund 300 konventionelle Linienbusse mit Diesel- oder Erdgasnatrieb vor. Der Auftrag der AVTO ist der erste unterzeichnete Auftrag für den neuen Citymood 12e. Konkrete Zahlen zu dem Elektrobus und dessen Verkäufen machte die IIA nicht, viele Gespräche seien noch nicht abgeschlossen, insgesamt sei man aber auf viel positive Rückmeldungen gestoßen, die sehr wahrscheinlich auch als Auftrag beendet werden würden.

Mittelfristig sollen von der IIA jährlich wieder gut 700 Einheiten gefertigt werden. Die Italiener planen den Umsatz in den nächsten Jahren zu verdoppeln. Dies ist notwendig, um die Schwelle zu erreichen, die die Fertigung nach Angaben der IIA erst profitabel macht. Politisch gewollt und unterstützt sollen die rund 400 Arbeiter am Standort Flumeri durch lokale Zulieferbetriebe begleitet werden, um langfristig das wiederzubeleben, was einst der Stolz der Italiener war: Ein ganzes Portfolio italienischer Omnibusse.

Hinter der Industria Italiana Autobus steht u.a. der türkische Bushersteller Karsan, der seinerzeit von BredaMenarinibus die Rechte an der Citymood-Baureihe übernommen hat diese  in der Türkei weiter baut. Auch mehrere neue Linienbusse der Citymood-Baureihe für die ATAC in Roma wurden von Karsan im türkischen Bursa gebaut und dann unter dem Dach der IIA in Italien für den Einsatz in Rom endausgebaut.

Noch ist die IIA nicht wieder zurück zu alten Tugenden, als man unter dem Namen Menarinibus viele Klassiker für italienische Straßen baute. Menarinibus wurde von Breda übernommen, ab 2015 teilten sich der chinesische Nutzfahrzeughersteller King Long mit 80 % und mit Finmeccanica bzw. Leonardo ein italienischer Luft-, Raumfahrt und Rüstungskonzern den Besitz.

Seit 2019 gehört die Marke Menarinibus unter das Dach der Industria Italiana Autobus, welche wiederum von Leonardo mit 20% und Karsan mit 29,9% gehalten wird. Weitere 29,95 % hält die staatliche Investmentfirma Invitalia, der Rest verteilt sich über weitere (Klein-)Anleger. Alle haben ein Ziel: Omnibusse sollen wieder in Eigenregie vor Ort gebaut werden. Während man sich vom Namen Breda trennte, wird die Marke Padane im Rahmen des neu geplanten Überlandbus wieder bespielt.

Der Standort Flumeri hat eine lange geschichte: Das Buswerk von Iveco bzw. später Irisbus in Valle Ufita nahm Ende der 70er Jahre die Produktion auf, der Iveco-Chronik ist zu entnehmen, dass der erste Omnibus hier im März 1978 vom Band lief. Mit der Fabrik in einer strukturschwachen Region sollten seinerzeit dort viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Im Juli 2011 wurde die Produktion von Omnibussen an diesem Standort eingestellt, über die Jahre sei die Auftragslage immer rückläufig gewesen.

Drei Jahre später sollte der Standort mit politischer Unterstützung wieder zum Leben erweckt werden, aber es blieb viele Jahre nur bei Ankündigungen. 2019 dann schwebte wieder einmal das Damoklesschwert der Schließungl über den Fabrikhallen im Valle dell’Ufita in der Provinz Avellino. Die Regionalregierung brachte sich mit einem Millionenbetrag ein,  Aufträge (u.a. von der ATAC aus Rom) sollten die Produktion von Omnibusse wieder ermöglichen.

Die Buswerke in Valle Ufita und Bologna konnten von BredaMenarinibus nie wie zu ihrer Blütezeit ausgelastet werden, der Citymood und die damals immer noch erhältlichen Vorgängermodelle Avancity Plus und Vivacity Plus verkauften sich nur schleppend gegen die Konkurrenz aus Europa und Fernost. Karsan hat sich finanziell und mit der Fertigung der von italienischen Städten bestellten Citymood-Fahrzeugen den Grundstein für den Fortbestand der IIA gelegt. Nun ist es spannend, wie wird der erste Elektrobus Italiens in der Heimat angenommen? (IIA/Karsan/Leonardo/PM/omnibus.news/Sr)

Die von der Stadt Rom bestellten 12 Meter langen Linienbusse wurden von Karsan im türkischen Werk in Bursa hergestellt und bei der IIA in Flumeri für den Einsatz ausgerüstet. Foto: Raggi

Der bislang nur rein virtuell existierende Überlandbus der IIA soll nun gebaut werden. Grafik: IIA

 

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