
Das bekannte OC-500-Konzept ist jetzt mit neuer 48-V-Mildhybridtechnik lieferbar. Foto: omnibus.news

Soll in Spanien entsprechende Marktanteile erobern: Der neue eInoutro von Mercedes-Benz. Foto: omnibus.news

In Madrid auf der FIAA 2026 ausgestellt: Der eCitaro von Mercedes-Benz mit neuer NMC4-Batterie. Foto: omnibus.news

Für die Marke Setra zeigt Daimler Buses einen S 515 LE hybrid, einen S 515 HD sowie für die TopClas-Baureihe einen S 531 DT. Foto: omnibus.news
Der spanische Busmarkt wächst – und mit ihm der Bedarf an neuen Fahrzeugen. Doch während die Elektrifizierung im Stadtverkehr bereits weit fortgeschritten ist, stellt der interurbane Verkehr andere Anforderungen. Daimler Buses zeigt auf der FIAA 2026 in Madrid deshalb zwei unterschiedliche Wege: den batterieelektrischen Mercedes-Benz eIntouro und das neue 48-Volt-Mildhybrid-Fahrgestell OC 500 hybrid. Überlandbusse sind in Spanien ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Verkehrs – insbesondere außerhalb der großen Metropolen.
Das gilt sowohl für regionale und kommunale Linienverkehre als auch für länger laufende Überlandverbindungen. Ein gutes aktuelles Beispiel ist Madrid: Das interurbane Busnetz der Region umfasst 487 Linien und bedient alle 179 Gemeinden der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Für die kommende Konzessionsperiode sind unter anderem höhere Taktfrequenzen, Expressverbindungen und eine umfassende Flottenerneuerung vorgesehen. In dieses Umfeld passt ein batterieelektrischer Überlandbus.
Die Nachfrage nach Busverkehr ist erheblich: Nach Angaben von IFEMA auf Basis von Daten des spanischen Statistikamtes INE erreichte der Busverkehr in Spanien 2025 mit 3,571 Milliarden Fahrgästen einen neuen Höchststand. In den ersten fünf Monaten 2026 nutzten bereits mehr als 1,535 Milliarden Fahrgäste den Bus. Der interurbane Verkehr legte dabei ebenfalls zu. Interessant ist die Struktur des Marktes. Spanien verfügt über einen großen Bestand an Fahrzeugen im interurbanen Verkehr. Gleichzeitig ist der Markt regional geprägt und stark über Konzessionen organisiert.
Die anstehende Erneuerung der Flotten bietet damit ein erhebliches Potenzial für neue Fahrzeug- und Antriebstechnologien. Eine aktuelle Zahl der Asociación Nacional de Fabricantes de Carrocerías y Buses (ASCABUS), des spanischen Verbands der Bus- und Omnibusaufbauhersteller, verdeutlicht die Größenordnung: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Spanien 2.003 Busse zugelassen. Davon entfielen 1.603 auf interurbane und 400 auf urbane Fahrzeuge. Damit machten interurbane Busse rund 80 Prozent der von ASCABUS ausgewiesenen Neuzulassungen aus.
Nach Antriebsarten waren darunter 1.451 Dieselbusse, 225 Elektrobusse, 293 Hybridbusse und 34 Fahrzeuge mit komprimiertem Erdgas (CNG). Bei den Jahreszahlen ist allerdings Vorsicht geboten, weil die Verbände unterschiedliche Abgrenzungen verwenden. ANFAC weist für 2025 insgesamt 4.400 neu zugelassene Autobusse, Reisebusse und Minibusse aus. 2024 waren es 4.392 beziehungsweise 4.369, je nach verwendeter Datenabgrenzung. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres mit den ASCABUS-Daten für das erste Halbjahr 2026 vergleichen.
Fest steht jedoch: Der spanische Busmarkt befindet sich in einer Phase der Flottenerneuerung. Der von FIAA veröffentlichte Branchenbericht spricht von einem Fahrzeugbestand von annähernd 60.000 Bussen und von einer starken Nachfrage nach neuen Fahrzeugen. Zugleich wächst insbesondere der interurbane Verkehr. Bei der Elektrifizierung zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Stadt- und Überlandverkehr. Nach dem Elektrifizierungsbericht von ANFAC lag der Anteil elektrifizierter Neuzulassungen bei interurbanen Autobussen und Reisebussen 2024 lediglich bei 0,6 Prozent.
Bei den urbanen Bussen waren es dagegen 45,8 Prozent. Das erklärt, warum der batterieelektrische Überlandbus noch eine andere Herausforderung darstellt als der Elektro-Stadtbus. Reichweite, Fahrprofile, Topografie, Umläufe und die verfügbare Ladeinfrastruktur spielen eine wesentlich größere Rolle. Gleichzeitig beginnt sich auch dieser Markt zu verändern. Im November 2025 wurde in Madrid der erste 100 Prozent elektrische Bus für einen interurbanen Langstreckenverkehr in Spanien vorgestellt. Das Fahrzeug des Grupo Ruiz fährt auf der Linie Madrid–Tarancón, bietet 58 Fahrgastplätze und verfügt über eine angegebene Tagesreichweite von 365 Kilometern.
Genau hier setzt Daimler Buses auf der FIAA 2026 an. Mit dem Mercedes-Benz eIntouro präsentiert das Unternehmen seinen ersten batterieelektrischen Überlandbus. Damit wird die Elektromobilität über den klassischen Stadtbusbereich hinaus auf Regional-, Überland-, Schul- und Shuttleverkehre ausgeweitet. Der eIntouro ist damit mehr als eine weitere Variante des bekannten eCitaro: Daimler Buses adressiert mit dem Fahrzeug einen Markt, in dem bislang vor allem Dieselbusse dominieren. Gleichzeitig zeigt Daimler Buses, dass die Elektrifizierung des Überlandverkehrs nicht überall kurzfristig die einzige Lösung sein muss.
Mit dem Mercedes-Benz OC 500 hybrid erweitert Daimler Buses sein Fahrgestellangebot um eine 48-Volt-Mildhybridlösung für Überland-, Regional- und Schülerverkehre. Das System unterstützt den Verbrennungsmotor insbesondere beim Anfahren und während der ersten Beschleunigungsphase. Beim Verzögern und Bremsen wird Energie zurückgewonnen und anschließend wieder zur Unterstützung des Antriebs genutzt. Eine externe Ladeinfrastruktur ist nicht erforderlich. Das Programm umfasst den OC 500 LE 1930 hybrid mit Low-Entry-Konzept und den hochflurigen OC 500 RF 1936 hybrid.
Auf der FIAA 2026 zeigt Daimler Buses den OC 500 RF 1936 hybrid. Damit stehen auf dem Daimler-Stand zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze nebeneinander: eIntouro: Batterie, elektrische Energie und lokale Emissionsfreiheit und OC 500 hybrid: Verbrennungsmotor mit elektrischer Unterstützung, Rekuperation und ohne zusätzliche Ladeinfrastruktur. Für Betreiber ist das eine relevante Unterscheidung. Nicht jede Linie verfügt über dieselben Umlaufbedingungen, dieselbe Infrastruktur oder dieselben Möglichkeiten für Ladepausen.
Der spanische Markt zeigt deshalb derzeit eine Kombination aus Flottenerneuerung, zunehmender Elektrifizierung und weiterhin hoher Nachfrage nach konventionellen beziehungsweise hybriden Fahrzeugen. Interessant ist auch der Produktionsstandort der Fahrgestelle. Die komplette OC-500-Baureihe wird im spanischen Sámano bei Castro Urdiales gefertigt. Das Werk ist innerhalb von Daimler Buses das europäische Kompetenzzentrum für die Fahrgestellproduktion. Für die Marke Setra zeigt Daimler Buses in Madrid einen S 515 LE hybrid, einen S 515 HD sowie den Doppelstockbus S 531 DT aus der TopClass.
Der Auftritt von Daimler Buses auf der FIAA 2026 ist deshalb bemerkenswert breit angelegt. Neben Fahrzeugen und Antrieben geht es um Digitalisierung, Sicherheit, Wartung und Infrastruktur. Mit OMNIplus, OMNIplus ON und OMNIplus Charge bietet Daimler Buses Dienstleistungen rund um Wartung und Aftersales, digitale Flottenlösungen sowie Lade- und Infrastrukturkonzepte an. Der Bus wird damit zunehmend nicht mehr als isoliertes Fahrzeug betrachtet, sondern als Bestandteil eines Gesamtsystems aus Fahrzeug, Energie, Infrastruktur, Software und Service.
Gerade der spanische Markt macht diesen Wandel sichtbar. Der Stadtverkehr befindet sich bereits mitten in der Elektrifizierung, während der interurbane Verkehr vor einer deutlich komplexeren Transformation steht. Die FIAA 2026 zeigt deshalb sehr anschaulich, dass es für die nächste Generation des Überlandbusses nicht den einen Antrieb gibt. Daimler Buses stellt dafür in Madrid zwei Antworten nebeneinander: den batterieelektrischen eIntouro für die nächste Stufe der Elektrifizierung – und den OC 500 hybrid als pragmatische Lösung für Verkehre, bei denen heute noch andere Rahmenbedingungen gelten.(ASCABUS/Daimler Buses/FIAA/IFEMA/PM/Sr)