Anzeige



Setra ComfortClass 500 Erlkönig

In Ulm erwischt: Die Setra ComfortClass der Baureihe 500. Foto: Stefan Baldauf / SB Medien

Hersteller wollen neue Fahrzeuge bis zum Schluss geheim halten. Für erste Testfahrten werden Omnibusse mit Klebefolien und Anbauteilen getarnt. „Beim Fotografieren getarnter Omnibusse soll man aufs Glatteis geführt werden“, sagt Stefan Baldauf. Der Erlkönig-Fotograf weiß auch warum: Die Hersteller würden alles daran setzen, das Aussehen der neuen Baureihe möglichst lange geheim zu halten. Schließlich solle nichts preisgegeben werden, bis die Markteinführung stattfinde. Besondere Klebefolien, Schaumstoffpolster und Anbauteile helfen beim Tarnen und Täuschen. In nicht öffentlich zugänglichen Werkstätten verstecken die Hersteller ihre neuen Baureihen.

Setfan Baldauf muss selber auch die Kunst des Tarnens und Täuschens beherrschen, um nicht entdeckt zu werden. Foto: Schreiber

„Das Betreten der Werks- oder Testgelände ist für mich tabu“, verrät Stefan Baldauf. Der Erlkönig-Jäger kennt seine Grenzen und erlegt neue Omnibusse nur im öffentlichen Verkehrsbereich. Ob ein Berghang am Nürburgring oder ein zugefrorener See im finnischen Lappland, seit seiner Jugend steht der Erlkönig-Fotograf mit beiden Beinen auf dem Boden. Und das sogar überall: Ob mitten in Lappland am Polarkreis oder den höchsten Alpenpässen im Herzen Europas oder das Death Valley der amerikanischen Mojawe-Wüste, die Jagdreviere von Baldauf sind weltweit zu finden.

Die Einsatzgebiete fordern nicht nur das Material, sondern auch die Menschen heraus. Foto: Stefan Baldauf / SB Medien

Mit den Jahren kam die Erfahrung: Heute weiß Stefan Baldauf, wann wo gestestet wird: Jahreszeiten geben für einige Testfahrten ein Zeitfenster vor. Oft gibt es aber auch einen konkreten Tipp von einem Tankwart oder Angestellten eines Hotels. Und wenn ein Anruf kommt, dann wird kurz recherchiert, bevor der Koffer gepackt wird.

Dass er viele seiner Kollegen von November bis März in Skandinavien trifft, liegt am arktischen Klima im hohen Norden: Im Winter ist das Eis auf den Gewässern einen halben Meter dick, ausreichend, um einen Omnibus zu tragen. Einheimische bereiten den Testern den Grund vor, den sie brauchen: Von der spiegelglatten Kreisbahn bis zu verschiedenen Steigungen mit unterschiedlichen Reibwerten, für die Hersteller gibt es hier für die Wintererprobung ideale Voraussetzungen.

In den Wintermonaten trifft man sich zum Testen in … ? Foto: Stefan Baldauf / SB Medien

Bei minus 20 Grad sei die trockene Kälte beim Warten das, was ihn am meisten störe, verrät Stefan Baldauf. Langeweile kommt aber dennoch nicht auf, weil der Elkönig-Fotograf dann immer auf dem Smartphone recherchiert. Neben Omnibussen gehören vor allem zukünftige Pkw und Lkw sowie Motorräder zu den begehrten Motiven. „Um das zu erkennen, was man da gerade fotografiert hat, muss man bei allen Marken und Baureihen auf dem Stand der Dinge sein“, so Baldauf. Das war beim ersten Omnibusse-Erlkönig, den Stefan Baldauf abgelichtet hat, zum Glück ganz einfach: Der gut getarnte Neoplan Cityliner war mit einer Kennzeichen-Halterung ausgestattet, auf der Neoplan aufgedruckt war.

Manchmal würden die Hersteller die neuen Fahrzeuge gezielt am Sitz eines Wettbewerbers anmelden, um zu täuschen. Stefan Baldauf kennt mittlerweile viele Tricks und hat auch seine eigenen entwickelt: Der Omnibus mit auffälliger Folienbeklebung an Front und Heck wird erst überholt, um dann in sicherer Entfernung einen unauffälligen Platz zum Parken zu finden. Ein am Straßenrand geparkter Pkw fällt in der Einsamkeit Lapplands sofort auf. Doch bis die Tester seinen Pkw entdecken, hat der Profi die Fotos im Kasten. Die Arbeit hat sich gelohnt: „Mehrere hundert Euro für ein gutes Foto sind durchaus möglich “, verrät einer, der es wissen muss.

Rüdiger Schreiber

Anm.: Der Artikel ist eine überarbeitete und erweiterte Fassung meines Artikels aus der Fachzeitschrift BUSFahrer 01-2015 (C)Textmaterial: Omnibus.News / Rüdiger Schreiber; (C) Bildmaterial: Stefan Baldauf/SB/Medien

Kontakt zu Stefan Baldauf gibt es hier.

Info-Kasten: Psychedelischen Muster & Beulen

Das Muster der Tarnfolie besteht aus unregelmäßigen, geometrischen schwarzen Formen auf weißem Grund. Dieses Muster hat sich als besonders gute Tarnung erwiesen, selbst moderne Bildbearbeitungsprogramme können keine Schatten und damit Konturen mehr errechnen, was früher bei einfarbig getarnten Fahrzeugen durchaus möglich war. Neben Folie verwenden die Experten auch Anbauteile und Schaumstoffpolster, um wichtige Konturen zu kaschieren oder mit Beulen eine ganz andere Form der Karosserie vorzutäuschen. Bevor die Erlkönige die Werkstatt verlassen, werden in einem ersten Schritt alle nicht für die Funktion benötigten Anbauteile genauso wie die Marken- und Typenbezeichnungen wieder entfernt. Danach werden typische Charakterelemente durch bündiges Ausgleichen mit Kunststoffplatten verfremdet, Fensterlinien unkenntlich gemacht und Scheinwerfer überklebt. Ganz zum Schluss wird der Omnibus großflächig mit einer in Fahrzeugfarbe lackierten Folie bezogen. Damit die Verkehrsicherheit gewahrt bleibt, müssen vereinzelt zusätzliche Teile wie zum Beispiel Heckleuchten oder Blinker durch gängige Teile aus dem Zubehörhandel ersetzt werden. RS

Teilen auf: