Empresa Municipal de Transportes de Madrid kauft werde Erdgasbusse bei Mercedes-Benz. Foto: Daimler

Neben dem allgemeinen Elektrobus-Hype gibt es noch einen schnellen und kostengünstigsten Weg zu weniger Emissionen im öffentlichen Personennahverkehr mit Omnibussen, wie der Verkehrsbetrieb EMT Madrid (Empresa Municipal de Transportes de Madrid) beweist. In der spanischen Hauptstadt sind mehrere hundert Mercedes-Benz Citaro NGT mit Gasantrieb erfolgreich im Einsatz. Im kommenden Jahr wird ihre Zahl auf 672 umweltfreundliche Stadtbusse ansteigen. EMT Madrid hatte 2016 insgesamt 82 Citaro NGT und Gelenkbusse Citaro G NGT geordert. Nach guten Erfahrungen hat sich das Unternehmen in mehreren Folgeauf­trägen erneut für den Citaro mit Gasantrieb entschieden. Wenn der aktuelle Auftrag ausgeliefert ist, fahren bereits 672 Citaro mit Gasantrieb in Madrid. Bis zum kommenden Jahr will EMT Madrid seinen gesamten Busfuhrpark auf schadstoffarme Antriebe umstellen. Der Citaro NGT bildet die Basis eines umweltfreundlichen Gesamtkonzepts. Die EMT Madrid ist ein Tochterunter­nehmen der Stadt und betreibt Europas größtes Gasbus-Depot. Omnibusse spielen in der spanischen Hauptstadt eine tragende Rolle: Die Flotte von EMT Madrid umfasst rund 2.000 Busse; die Fahrzeuge legen im Jahr mehr als eine Million Kilometer zurück und befördern dabei 425 Millionen Fahrgäste bei einem Liniennetz von rund 3.800 Kilometern. Durch die Vernetzung unter­schiedlichster Verkehrsträger und engen Taktzeiten ist der ÖPNV in Madrid sehr gefragt mit steigender Nachfrage. Gleichzeitig hat der Individualverkehr speziell in der Innenstadt spürbar abgenommen. Herzstück des Mercedes-Benz Citaro NGT ist der Gasmotor Mercedes-Benz M 936 G. Mit 7,7 Liter Hubraum handelt es sich um den derzeit kompaktesten Erdgasmotor seiner Klasse. Der stehend eingebaute Reihensechszylinder wird als monovalenter Motor mit komprimiertem Erd- bzw. Biogas betrieben. Er leistet 222 kW (302 PS), erreicht ein maximales Drehmoment von 1200 Nm und unterschreitet die Abgasgrenzwerte von Euro VI zum Teil erheblich. Mit diesen Daten und seiner kraftvollen Leistungsentfaltung ist der einstufig aufgeladene Motor seinem Pendant mit Dieselantrieb völlig ebenbürtig. Vor allem die Umweltbilanz des Citaro NGT ist vorbildlich. Die CO2-Emissionen liegen im Erdgasbetrieb bis zu zehn Prozent unter denen eines Diesels. Wird Bio-Erdgas getankt, fährt ein gasbetriebener Stadtbus sogar nahezu CO2-neutral. Ein zusätzlicher Aspekt für den Einsatz der Mercedes-Benz Citaro NGT sind die um bis zu 4 dB(A) geringeren Geräuschemissionen im Vergleich zu einem Dieselbus. Das entspricht etwa einer Halbierung des subjektiv empfundenen Lärmniveaus. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften und der vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten betrachtet der Verkehrsbetrieb gasbetriebene Stadtbusse nicht etwa als Brückentechnologie zur Elektromobilität, sondern als Antriebskonzept mit langer Zukunft. Die Vorzüge der gasbetriebenen Stadtbusse werden bei einem Besuch des modernen, 2010 eröffneten Busdepots im neuen Stadtteil Sanchinarro deutlich. Der Betriebshof ist für eine Kapazität von gut 400 Bussen mit Erdgasantrieb ausgelegt. Auf neun Spuren gleichzeitig können die Busse minutenschnell mit Gas befüllt werden. Den Füllvorgang übernehmen spezielle Mitarbeiter. Neben dem Sanchinarro-Depot hat das Unternehmen drei weitere Betriebshöfe auf den Einsatz von Gasbussen angepasst.

 

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