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WM Bus 1974 Mercedes Benz O 302

Ein Nachbau: Der WM-Bus von 1974 wurde trotz intensiver Suche nicht mehr gefunden. Foto: Daimler

WM Bus 1974 BR Deutschland

Das Original konnte trotz intensiver Suche nicht mehr gefunden werden. Foto: Daimler

Die Fußball-Europameisterschaft läuft, omnibus.news fragt, ob unsere 11 in Frankreich auch echte Alleskönner sein werden? Gleichzeitig wird heute der Mercedes-Benz O 302 als erster, gezielt werblich eingesetzter Mannschaftsbus in den Mittelpunkt einer Meldung gerückt. Einer für alle – dieses Motto beschreibt den Mercedes-Benz O 302 am besten. Stadtlinienbus, Überlandwagen, Reisebus – dieser Omnibus mit Stern war ein echter Alleskönner. Er war damit der letzte seiner Art, bevor die Spezialisierung der Omnibusse begann. Der O 302 löste bei seiner Präsentation im Mai des Jahres Jahr 1965 den beliebten O 321 H ab – der Sprung hätte kaum größer sein können. Die Vorgabe für den neuen O 302 war enorm: Mit mehr als 20.000 Exemplaren in 13 Jahren war der O 321 H ein echter Welterfolg. Aber: „Es dürfte kein Zweifel daran bestehen, daß der O 302 wieder eine Spitzenstellung im Omnibusbau der Welt einnehmen wird“, so die damalige Daimler-Benz AG in einer Mitteilung an Kunden. Während der Vorgänger mit vielen Rundungen und kleinen Fenstern optisch den fünfziger Jahren verhaftet ist und zum Ende seiner Karriere ein wenig aus der Mode kam, so prägte den O 302 der klare automobile Bauhausstil der Sechziger. Zwar wölben sich Dach und Rücken, doch dies änderte wenig an der Grundform dieses Quaders mit steil stehender Stirn und üppiger Verglasung, mit schlanken Fenstersäulen, langen Seitenfenstern, großer Heckscheibe. Typischer Luxus der sechziger Jahre waren die Chromrahmen an allen Fenstereinfassungen. Der O 302 entsprang der Zeit des Wirtschaftswunders – man ist wieder wer, will sehen und gesehen werden. Vielfalt zählte zu den besonderen Merkmalen des drei Meter hohen Hochbodenwagens: vier Radstände ergeben Längen von 9,6 bis 11,9 Meter (die größte Variante wurde 1967 nachgereicht). Ausstattungen und Bestuhlungen gab es reichlich, die Spanne umfasste funktionelle Stadtbusse, vielseitige Überlandwagen und gehobene Reisewagen, Schlagtüren vorne und hinten für den Reisebus, Schlagtüren oder zweiflügelige Außenfalttüren für den Überlandwagen, doppeltbreite Drehschiebetüren für Stadtlinienbusse, auf Wunsch Außenschwingtüren – der O 302 schöpfte alle Möglichkeiten aus. Im Herbst seiner Karriere erlebt der O 302 einen echten Höhepunkt: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland fahren alle Teams in einem O 302 vor, lackiert in den jeweiligen Landesfarben. Heute, mehr als 40 Jahre später, ist die Suche nach einem dieser WM-Busse erfolglos beendet. Spuren führten nach Afghanistan, in ehemalige GUS-Staaten sowie bis nach Indonesien – der O 302 ist war echter Weltenbürger und auch hochbetagt noch sehr beliebt. Leider wurde einer der WM-Busse von 1974 nicht mehr gefunden, im Mercedes-Benz-Museum steht deshalb heute ein Nachbau. Der vielseitige Mercedes-Benz O 302 feierte zahlreiche Erfolge, auch als Fahrgestell: Bekannte Karossiers wie Ernst Auwärter, Drögmöller oder Vetter setzten schmucke Aufbauten auf den O 302. Das machte sich in den Stückzahlen bemerkbar: Daimler-Benz baute in elf Jahren mehr als 32.000 Fahrzeuge. Sie teilen sich auf in Fahrgestelle (etwas mehr als 50 Prozent der Fertigung) und Komplettbusse. Das bedeutet Weltrekord, Respekt! Zwar erreichte der Nachfolger O 303 noch einmal höhere Gesamtstückzahlen, dies jedoch in längerer Zeit. Der Mercedes-Benz O 302, das hieß nicht nur einer für alle – in seiner erfolgreichen Laufbahn waren genauso alle für einen.

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