Seit 1990 weltweit nachgestellt: Ein Foto aus Münster, das zum Fahren mit dem Linienbus animieren soll. Foto: Stadtwerke Münster

Das Fotos heute “um die Welt gehen”, ist in einem digitalen Zeitalter mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit. 1989 wurde mit einem Projekt an der Forschungseinrichtung Cern der Grundstein für das World Wide Web gelegt, soziale Netzwerke gingen Anfang 2002 online. Der Rest ist Geschichte. Bis nach Australien oder beispielsweise China, in die USA und in ganz Europa hat sich 1990 ohne das World Wide Web und soziale Medien ein Foto aus Münster verbreitet. Das wahrscheinlich bekannteste Münster-Foto der Welt ist im Jahr 1990 in Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Stadtwerken entstanden, wie die Stadtwerke Münster voller Stolz schreiben. Seinerzeit konnte niemand voraussehen oder erahnen, dass dieses Bild um den Globus gehen würde. Was war so besonders an dem Foto? Die Luftaufnahme des Prinzipalmarkts zeigt  in drei Bildern den Flächenverbrauch von 72 Personen. Gerade mal 1,2 Personen sitzen im Schnitt in einem Pkw auf unseren Straßen – die Mehrzahl der Autos hat also nur einen Fahrgast und trotzdem einen immensen Flächenbedarf, wie die Münsteraner schon damals richtig erkannten. 60 Autos ließen sie vorfahren, aufgestellt in vier Reihen, um die 72 Personen mobil zu machen. Rund 900 Quadratmeter Fläche waren “besetzt”. Der Linienbus braucht dafür gerade einmal 36 m². Und weil Münster eine Fahrradstadt ist, kamen noch Fahrräder hinzu – auch sie brauchten kaum mehr Platz. Stünden die Pkw in einer Reihe – wofür aber auf dem Prinzipalmarkt nicht genug Platz gewesen wäre, so die Hintergrundinformation der Stadtwerke – würde die Autoschlange auf eine Länge von 300 Meter kommen! Und der Linienbus? Der nimmt nur rund 12 Meter ein. Anlass für das nach wie vor beeindruckende Foto waren die Fahrradtage der Stadt Münster.   Planungs- und Presseamt der Stadt haben zusammen mit den Stadtwerken dann das Foto initiiert. Pkw, Fahrräder und Bus wurden in Position gebracht, ein Fotograf in den Turm der Lambertikirche geschickt. Die Münsteraner waren wohl nicht so begeistert, denn es kamen nicht genug Freiwillige zusammen, so dass viele Taxen kurzfristig angefragt werden mussten, um die 60 Stellplätze zu füllen. Die Stadtwerke Münster schickten damals einen ganz neuen Linienbus zum Fototermin. Nicht einmal ein Jahr alt sei der Mercedes-Benz O 405 gewesen, wie man von den Stadtwerken erfahen kann. Das Foto wurde dann von der Stadt Münster unter dem Titel „nur mal nachdenken“ auf Postern veröffentlicht. Auch der Verkehrsbetrieb nutzt das Foto für eine Werbekampagne, zusammen mit dem Slogan „Der beste Katalysator der Welt“ warben die Münsteraner für die Fahrt mit dem Linienbus. Sie entlasten die Innenstädte, auch wenn der Pkw mit dem damals hochmodernen Kat (Pflicht in Deutschland für Neuwagen war er erst 1993!) ausgerüstet war, so die Botschaft. Richtig berühmt wurde das Bild aber erst, als die sozialen Medien aufkamen und Nutzer es teilten. Egal auf welcher Seite es auftauchte, sammelte es schnell viele Likes, Shares und Favs wie man heute sagt. 2012 landete es auf einem Blog, der sich mit Parkplatzproblemen in Peking beschäftigte, in einem Artikel über den Stadtverkehr in Almeria, Spanien und in einem Bericht zum aktuellen Stand und Trends der Klimaentwicklung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, wie die Stadtwerke Münster recherchiert haben. Auch in Unterrichtsmaterialien des Bundesumweltministeriums zur Verkehrsentwicklung tauchte es auf. “Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung”, so Oskar Wilde. Wohl wahr, aber wenn mehr Menschen auf den Linienbus umsteigen würden, dann wäre es wohl ein noch größeres Lob! (StadtwerkeMünster/PM/Schreiber)

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