
Ebusco sucht aktuelle einen Käufer für die Bussparte. Foto: Ebusco
Jein, nicht Ebusco in Gänze, sondern lediglich das Busgeschäfts steht zum Verkauf. Als Entwickler wollen die Niederländer u.a. weiter Elektrobuskonzepte auf die Räder stellen. Zuletzt waren es immer wieder Meldungen über Kapitalspritzen, Überbrückungskredite und frisches Kapital von Aktionären, womit Ebusco für Aufsehen sorgte. 2010 von Peter Bijvelds gegründet, wurde 2012 mit dem Ebusco 1.0 ein erster Elektrobus präsentiert, als die Branche die lokal emissionsfreie Antriebsart noch belächelte.
Ebusco erhielt als erstes europäisches Unternehmen zudem die Typzulassung für einen Elektrobus und revolutionierte den Markt mit dem Ebusco 3.0 mit Leichtbaukonzept. Durch Verbundwerkstoffe sollten Reichweiten von 700 km erreicht werden, so die Behauptung von Ebusco. 2021 gingen die Niederländer an die Börse in Amsterdam und erreichten dort eine Bewertung von 1,4 Milliarden Euro. Trotz vieler technischer Innovationen musste sich das Unternehmen Anfang 2026 finanziell restrukturieren und wandelte sich vom Original Equipment Manufacturer zum Original Equipment Developer mit ausgelagerter Produktion.
Damit wollte man die Lieferfähigkeit sichern, um mittelfristig dauerhaft wieder liquide zu werden. Nun ist Ebusco bereit, die Kontrolle am operativen Kerngeschäft abzugeben. Der Weg ist vorgezeichnet, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist: Ebusco arbeite mit mehreren Auftragsfertigern in Asien zusammen, die nun ausschließlich die Busmontage übernehmen würden. Ebusco selbst führe in den Werken in Deurne (NL) und Cléon (F) nur die Auslieferungsinspektion und den Kundendienst durch.
So sei man deutlich schlanker und effizienter geworden, wie es in dem Geschäftsbericht heißt. Die Zahl der Mitarbeiter wurde vor dem Hintergrund der Restrukturierung bzw. Neuausrichtung reduziert, von 522 Mitarbeitern Ende 2024 ging die Anzahl auf 282 Mitarbeiter Ende 2025 zurück. Ähnlich sieht es mit den Aufträgen aus, viele Verkehrsbetriebe haben die Optionen oder Bestellungen wegen der anhaltenden Probleme und verspäteten Lieferungen storniert: Der Auftragsbestand schrumpfte im Jahresvergleich 24/25 deutlich von 581 auf 245 Fahrzeuge.
Dafür sieht es aber mit Blick auf die Finanzen dann wieder relativ gut aus: 2025 stieg der Umsatz von 11 auf 76,6 Millionen Euro. Und der operative Verlust (EBITDA) sank von 132,6 auf nur noch 56,4 Millionen Euro. Das reicht aber scheinbar nicht zum Überleben für eine erfolgreiche Bussparte, aktuell würden schon entsprechende Verkaufsgespräche geführt werden, wie dem aktuellen Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Ebusco warnt im Geschäftsbericht, dass diese Gesamtlage auf „das Vorliegen einer wesentlichen Unsicherheit hindeutet, die erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit von Ebusco aufkommen lässt“.
Der Verkauf der Bussparte ist eine existenzsichernde Maßnahme für Ebusco, um sich dann – nach eigenen Angaben – auf das lukrative Geschäft, das immer mehr Fahrt aufnehme, mit Energiespeicherlösungen zu konzentrieren. Im Geschäftsabericht heißt es dazu, dass die Sparte „sich die ersten Verträge für sein Energiespeichersystem (ESS) (gesichert habe)“. Und auch der Bereich der mobilen Energiecontainern sei ein Segment, das viel Potenzial habe. Ob und wie der Markenname Ebusco für die Elektrobusse erhalten bleibt, ist aktuell nicht geklärt. (Ebusco/PM/Sr)