
Ebusco kämpft um die Zukunft: Weniger Busse, bessere Zahlen – aber kaum noch Liquidität! Foto: Ebusco, Montage: omnibus.news
Ebusco kämpft um die Zukunft: Weniger Busse, bessere Zahlen – aber kaum noch Liquidität! Der niederländische Elektrobusbauer Ebusco steht weiter unter erheblichem finanziellen Druck. Zwar zeigen die eingeleitete Neuausrichtung und das Sparprogramm erste Wirkung, gleichzeitig ist die Liquiditätslage angespannt. Das Unternehmen warnt selbst vor einer wesentlichen Unsicherheit hinsichtlich der Fortführung des Geschäftsbetriebs. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Ebusco lediglich 17 Elektrobusse aus. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 47 Fahrzeuge.
Auch der Umsatz ging zurück: Nach 28,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025 erzielte das Unternehmen nun 22,0 Millionen Euro. Auf der Ergebnisseite gibt es dagegen positive Signale. Das Bruttoergebnis verbesserte sich binnen Jahresfrist deutlich: Aus einem Minus von 6,2 Millionen Euro wurde ein Plus von 6,1 Millionen Euro. Auch die Verluste konnten reduziert werden. Der EBITDA-Verlust sank von 36,2 auf 17,9 Millionen Euro, der Nettoverlust von 46,1 auf 24,9 Millionen Euro. Das Sparprogramm greift. Die operativen Aufwendungen wurden um knapp 20 Prozent auf 27,6 Millionen Euro reduziert.
Auch beim Personal hat Ebusco weiter gekürzt: Die Zahl der Vollzeitstellen sank von 282 Ende 2025 auf 248 Ende Juni. Doch die Verbesserungen auf der Kostenseite können die angespannte Finanzlage bislang nicht auffangen. Die liquiden Mittel schrumpften von 7,4 Millionen Euro zum Jahresende 2025 auf lediglich 2,1 Millionen Euro zum 30. Juni 2026. Gleichzeitig rutschte das Eigenkapital tief ins Minus. Es lag Ende Juni bei minus 14,8 Millionen Euro, nachdem zum Jahresende noch ein positives Eigenkapital von 3,3 Millionen Euro ausgewiesen worden war.
Etwas besser sieht die Lage beim Auftragseingang aus. Zum 30. Juni weist Ebusco 103 feste Bestellungen aus. Bereinigt um die jüngste Stornierung des Verkehrsbetriebs Potsdam (ViP) verbleiben allerdings 80 feste Aufträge. Hinzu kommen 118 Elektrobusse aus optionalen Abrufaufträgen, die noch in feste Bestellungen umgewandelt werden könnten. Für Ebusco wird damit die kurzfristige Finanzierung zur entscheidenden Frage. Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben Gespräche mit einem seiner Aktionäre über eine kurzfristige Liquiditätslösung.
Darüber hinaus ist eine Kreditfazilität von rund 30 Millionen Euro mit einem asiatischen Partner geplant. Scheitert die Beschaffung frischen Kapitals über diese beiden Wege, könnte es für Ebusco eng werden. Das Unternehmen warnt selbst davor, dass dann erhebliche Schwierigkeiten drohen könnten, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Die Fortführung des Geschäftsbetriebs sei mit einer wesentlichen Unsicherheit behaftet. Parallel sucht Ebusco nach einer längerfristigen Lösung. Nach Unternehmensangaben laufen Gespräche mit mehreren Partnern, die Interesse an einer strategischen Transaktion signalisiert haben.
Im Gespräch sind sowohl der Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung am Busgeschäft als auch die Gründung eines Joint Ventures. Die Gespräche seien inzwischen vorangeschritten, befänden sich allerdings weiterhin in einem unverbindlichen Stadium. Damit bleibt die Lage bei Ebusco ambivalent: Operativ zeigen die Sanierungsmaßnahmen erste Erfolge, finanziell ist die Situation jedoch weiterhin prekär. Entscheidend dürfte nun sein, ob es dem Elektrobusbauer gelingt, kurzfristig neues Kapital zu mobilisieren und gleichzeitig eine strategische Perspektive für das Busgeschäft zu finden.(Ebusco/omnibus.news/Sr)