Iveco hat den Easy Bus vorgestellt und schickt ihn nun zu ausgewählten testeinsätzen. Foto: Iveco

Der Easy Bus ist da! Ganz einfach dachte sich Iveco, mit einem altersgerechten Bus-Konzept auf Basis der Crossway-Baureihe und kompetenten Partnern aus dem Hause DB Regio und der Hochschule Fresenius an der Seite dürfte das Busfahren im Alter doch kein Problem sein! Am 16. Mai hat Iveco in Ulm ein neues Innenraum-Kozept vorgestellt, bei dem vor allem die Zustiegs- und Innenraumgestaltung speziell für ältere Menschen gestaltet wurden. Warum? Weil wir, die deutsche Gesellschaft, bekanntermaßen immer älter werden: 25 Prozent der Nutzer der Überlandbusse von DB Regio Bus sind heute schon jenseits der 55 Jahre. Und dieses Phänomen trifft nicht nur auf uns Deutsche zu, sondern gilt europaweit. Nicht zuletzt sind die Sitze alle in Fahrtrichtung angeordnet. Das wirkt sich positiv auf die Orientierung und das Wohlbefinden während der Fahrt aus. Stéphane Espinasse, Manager bei Iveco Bus Lyon: „Die enge Zusammenarbeit sowohl mit dem Forschungsteam der Hochschule Fresenius als auch mit DB Regio als führendem Nahverkehrsunternehmen in Deutschland fördert unsere Möglichkeiten in der Produktentwicklung erheblich und macht es nun möglich, auf die Anforderungen des demographischen Wandels besser einzugehen.“ Dieses Nische gilt es nun erfolgreich mit einem Buskonzept zu besetzen.

Hinschauen und nachdenken, wie fahren wir im Alter mit dem Bus, so der wissenschaftliche ansatz. Foto: Iveco

Doch wie sieht so ein altersgerechter Bus aus? Professor Dr. Christian Haas von der Hochschule Fresenius verantwortet den wissenschaftlichen Teil, der zunächst einmal die Grundlagen für bauliche Veränderungen des Fahrgastraumes erforschte. Die Erkenntnisse wurden dann in einem Crossway Low Entry von Iveco realisiert. „Alterungsprozesse gehen nicht nur mit der Veränderung von motorischen Fähigkeiten einher, sondern haben auch Einfluss auf Wahrnehmung und Informationsverarbeitung. Mobilitätsangebote – und hierzu gehört vor allem der regionale Busverkehr – müssen entsprechend angepasst werden“, erläutert Haas, Leiter des Instituts für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius, das Ergebnis. Schon beim Einstieg wird deutlich, was was altersgerecht bedeuten kann: Auch der Einstieg beim Fahrer hat eine Klapprampe, der ansonsten nur von der mittleren Tür her bekannt ist. Wer über die leichte Steigung der Rampe den Fahrgastraum erreicht hat, der nimmt einen spürbar verbreiterten Zugang wahr. Bekanntes von der mittleren Tür, wo es ein Kinderwagen oder Rollstuhl ist, gilt nun auch für den vorderen Zugang – und auch für das Einsteigen mit einem Rollator, der zweifelsohne für ältere Menschen eine bekannte Mobilitätshilfe ist. Der direkte Augenkontakt – und vielleicht ein freundliches Lächeln des Fahrers – geben älteren Fahrgästen zudem die vielleicht noch fehlende Sicherheit, mit dem Bus zu fahren. Wer mit dem Rollator unterwegs ist, der sieht findet an Bord – Dank einer auffälligen Bodenmarkierung – entsprechende Sitzplätze, die das Parken des Rollators erlauben. Und auch an andere Gehhilfen haben die Forscher gedacht, entsprechende Halter fehlen nicht.

Die Forscher haben auch Erkenntnisse über das Setzen und Aufstehen aus dem Fahrgastsitz bei älteren Fahrgästen gewonnen. Foto: Iveco

Um auch im Bus mit einem Rollator nicht anzuecken, ist die Durchgangsbreite vergrößert worden – wobei bewusst auf Sitzplätze verzichtet wurde, um eben diesen zusätzlichen Komfort ermöglichen zu können. Die jüngere Generation, die auch mit dem Easy Bus mitfährt, locken die Forscher in den hinteren Bereich, denn die Generation Smartphone weiß, dass es dort Anschlüsse gibt, um das mobile Endgerät laden zu können. Baulich wurden hier keine Änderungen vorgenommen, das bewährte LowEntry-Konzept der Crossway-Baureihe wurde 1:1 übernommen. Verändert haben die Ingenieure die Sitze, denn die Forscher haben ermittelt, dass es älteren Mitmenschen niicht einfach so möglich ist, vom Sitz aufzustehen oder sich zu setzen. Was die Niederflurtechnik über Jahre versucht hat aus dem Bus zu verbannen, erhält nun definitiv wieder Einzug: Podeste, auf denen in erhöhter Position gesessen werden kann – wie gesagt, für ältere Fahrgäste durch ein Plus. Es gibt aber auch eine neue Sitzart, die über ein höheres Sitzkissen verfügt, was zusammen mit der entsprechenden Konstruktion bzw. Technik auch wieder das Aufstehen aus dem Sitz erleichtert. Professor Haas und sein Team haben bei Tests in fahrenden Bussen ermittelt, welche Kräfte beim Anfahren, im Fahrbetrieb und beim Bremsen auf im Fahrzeug stehende Personen wirken. Außerdem haben die Forscher gemessen, wie viel Zeit Fahrgäste unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Einschränkungen zum Ein- und Aussteigen und zum Einnehmen eines Sitzplatzes brauchen. Dabei kam heraus, dass sich die Zeitdauer von älteren Personen im Vergleich zu jüngeren verdoppelt und bei in der Mobilität eingeschränkten Teilnehmern des öffentlichen Nahverkehrs sogar vervierfacht. Rechnet man das für DB Regio Bus mit seinen über 600 Millionen Fahrgästen hoch, bedeutet das bei 25 Prozent mehr über 65-Jährigen im Busverkehr eine längere Standzeit von rund 20.000 Stunden pro Jahr. Darauf reagiert der Easy Bus, ganz einfach sozusagen. Wer sich für den Easy Bus interessiert, der sollte die IAA Nutzfahrzeuge im September in Hannover besuchen, denn da wird der Easy Bus ausgestellt. Vorab geht er zu Testeinsätzen bei ausgewählten Verkehrsbetrieben. Im Rahmen dieser Probeeinsätze werden auch Fahrgastbefragungen durchgeführt, um die Alltagstauglichkeit zu erfragen. Im nächsten Jahr will Iveco Bus dann den Easy Bus in das Serienprogramm aufnehmen und verkaufen – einschließlich möglicher Veränderungen, die sich beim Testen ergeben.

Neue Sitze sollen das Aufstehen erleichtern, gezeigt wurde ein Prototyp, der zu Demonstrationszwecken aus Holz gefräst war. In der Serie wird es aber kein Holz sein… Foto: Iveco

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