
Anja Karliczek, Vorsitzende des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestages und RDA-Präsident Benedikt Esser. Foto: RDA
Hohe Investitionskosten, fehlende Ladeinfrastruktur und europäische CO₂-Vorgaben stellen die Bustouristik vor Herausforderungen. Der RDA Internationaler Bustouristik Verband setzt auf Technologieoffenheit und erneuerbare Kraftstoffe wie HVO100. Der Verband hat seine Forderung nach einer technologieneutralen Antriebswende für Reisebusse bekräftigt. Nachdem RDA-Präsident Benedikt Esser Anfang Oktober als Sachverständiger im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages Stellung bezogen hatte, konkretisierte der Verband seine Position auf seiner Jahrestagung.
Hintergrund sind die europäischen CO₂-Flottengrenzwerte, die für neu zugelassene Reisebusse bis 2030 eine durchschnittliche Emissionsminderung von rund 43 Prozent und bis 2040 von 90 Prozent vorsehen. Dieselbusse werden damit zwar nicht grundsätzlich verboten, nach Einschätzung des RDA lassen sich die Vorgaben unter den derzeitigen Rahmenbedingungen jedoch praktisch nur mit Elektroreisebussen erfüllen. Der Verband unterstützt die Klimaschutzziele, sieht den Elektroreisebus aber noch nicht als passend für das Einsatzprofil der Bustouristik. Ein Elektrobus koste nahezu doppelt so viel wie ein vergleichbarer Dieselbus.
Zudem seien die Restwerte aktuell unklar und die Ladeinfrastruktur unzureichend. Nach Angaben des RDA bieten in Deutschland bislang nur sieben Standorte Megawatt-Lademöglichkeiten. Rund 350 weitere seien geplant. Auch an Hotels und Ausflugszielen fehlten geeignete Ladepunkte. Zudem reichten die verfügbaren Reichweiten vielfach nicht aus, um typische Busreisen innerhalb der geltenden Lenk- und Ruhezeiten abzudecken. „Wir brauchen eine europaweite Ladeinfrastruktur, nicht nur an Autobahnen, sondern auch in den touristischen Kapillaren unserer Destinationen, ausgelegt auf die Kapazität unserer Saisonspitzen.“
Esser bringt es dann auf den Punkt: „Davon ist nichts zu sehen“, erklärte der RDA-Präsident. Für die bestehende Busflotte sieht der Verband im erneuerbaren Kraftstoff HVO100 eine kurzfristig verfügbare Möglichkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Der aus Abfall- und Reststoffen hergestellte Kraftstoff könne die Emissionen nach RDA-Angaben um rund 89 Prozent senken, ohne dass neue Fahrzeuge oder zusätzliche Ladepunkte erforderlich seien. Beim Deutschen Reisesicherungsfonds setzt sich der RDA für Entgelte ein, die sich stärker am tatsächlichen Insolvenz- und Rückholrisiko orientieren.
Bei Busreisen bleibt das Fahrzeug während der gesamten Reise bei der Gruppe und kann die Gäste im Insolvenzfall zurückbringen, ohne dass zusätzliche Transportmittel organisiert werden müssen. „Das Repatriierungsrisiko einer Busreise in den Harz ist viel niedriger zu bewerten als das einer Flugfernreise“, so Esser. Zudem fordert der Verband, kleinere Reiseveranstalter bei Meldepflichten und Nachweisen zu entlasten. Handlungsbedarf sieht der RDA auch bei der Entsorgung von Bordtoiletten. Entsprechende Stationen seien an Autobahnrastanlagen bislang nur vereinzelt vorhanden.
Der Verband schlägt vor, sie beim Ausbau des Lkw-Ladenetzes von Beginn an mitzuplanen. „Die Toilette im Reisebus muss funktionieren, dafür benötigen wir mehr Entsorgungsstellen an Autobahnen und Fernstraßen“, betonte Esser. Die Bustouristik ist nach Angaben des RDA auch wirtschaftlich bedeutend: Busreisende geben jährlich rund 5,9 Milliarden Euro für ihre Reisen und an den Reisezielen aus. Mehr als die Hälfte der Gäste ist 70 Jahre oder älter. Für viele von ihnen ist der Reisebus ein wichtiger Zugang zu Urlaub, Kultur und gesellschaftlicher Begegnung.
Die öffentliche Anhörung des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestages zur Bustouristik sowie die eingereichten Stellungnahmen sind auf der Website des Bundestages dokumentiert: Bitte hier https://www.bundestag.de/ausschuesse/a20_tourismus/anhoerungen/1210038-1210038 klicken. (RDA/PM/Sr)