
Maximilian Rohs, Public Transport Leader und Director Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland, präsentiert die E-Bus-Zahlen des Jahres 2025. Foto: PwC; Montage: omnibus.news
Das E-Bus-Radar 2026 von PricewaterhouaeCoopers (PwC) ist da! Der deutsche Ableger des weltweit führenden Netzwerkes von Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften bescheinigt auch für 2025 ein Wachstum im Segment der Elektrobusse – so war es auch schon auf omnibus.news in mehreren Meldungen im Februar und März dieses Jahres zu lesen. Deutsche Verkehrsunternehmen haben 1.397 Elektrobusse neu in Betrieb genommen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Das heißt: Bei durchschnittlich rund 2.900 Stadtbus-Neuanschaffungen pro Jahr über alle Antriebsarten hinweg fuhr fast jeder zweite neu angeschaffte Stadtbus elektrisch.
Ende 2025 waren insgesamt 4.752 Busse mit elektrischen Antrieben im Einsatz. Dies entsprach ca. 14 Prozent der gesamten Stadtbusflotte in Deutschland (rund 35.000 Fahrzeuge). Die achte Ausgabe der Analyse bilanziert wieder die Entwicklung der emissionsfreien Busflotten in Deutschland, untersucht die regionale Verbreitung, Herstellerstrukturen sowie Preise – und sie zeigt, welche Themen die nächste Transformationsphase prägen. „Dass Ende 2025 fast jeder zweite neue Stadtbus elektrisch fuhr und die Elektrifizierung der Busflotten damit eine substanzielle Marktreife erreicht hat, liegt auch an der 2024 wieder aufgenommenen Bundesförderung.
Gleichwohl bleibt die Transformation ein strukturelles Großprojekt, ein echter Kraftakt. Er erfordert weiterhin passgenaue Förderstrukturen von Bund und Ländern, wirtschaftlich tragfähige Energiekonzepte und langfristige Planungssicherheit.“, so Maximilian Rohs, Public Transport Leader und Director Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland. Technologisch dominiert weiterhin der Batterieantrieb: 4.034 der im vergangenen Jahr insgesamt eingesetzten 4.752 emissionsfreien Busse, also ca. 85 Prozent, fuhren batterieelektrisch. Hinzu kamen 628 Brennstoffzellenbusse (ca. 13 Prozent) und 90 Oberleitungsbusse (knapp zwei Prozent).
Den prozentual stärksten Zuwachs unter den emissionsfreien Antrieben verzeichneten die Brennstoffzellenantriebe: Der Bestand an Brennstoffzellenbussen stieg von 330 Fahrzeugen Ende 2024 auf 628 Fahrzeuge Ende 2025 (+90 Prozent). Bei den batterieelektrischen Fahrzeugen ist der Bestand 2025 gegenüber 2024 um 37 Prozent gestiegen – auf deutlich höherem Gesamtniveau. Ein weiteres E-Bus-Radar-Ergebnis: Elektrobusse haben sich von Pilotprojekten in einzelnen Metropolen zu einer regulären Beschaffungsoption im deutschen öffentlichen Personennahverkehr entwickelt; sie sind also nicht mehr nur auf Großstädte beschränkt.
Im Jahr 2025 waren E-Busse in 222 deutschen Städten und Regionen unterwegs (2024: 180, 2020: 90). Damit hat sich die Anzahl der Kommunen, in denen E-Busse im Einsatz sind, in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Region Hamburg war im Jahr 2025 mit 709 E-Bussen (Hochbahn und VHH) Deutschlands E-Bus-Zentrum (wie im Jahr zuvor). Auf Platz zwei folgte Berlin mit 277 Fahrzeugen. Auf Ebene der Bundesländer hat Nordrhein-Westfalen erstmals die 1.000er-Marke übertroffen. Acht der 16 Bundesländer setzten jeweils mehr als 200 emissionsfreie Busse ein. Fast die Hälfte aller E-Busse in Deutschland war 2025 in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bayern im Betrieb.
Der E-Bus-Radar betrachtet auch die Kostenstruktur und die Finanzierung von E-Bussen. Beispielhafte Erkenntnisse: Ein zwölf Meter langer Solo-Batteriebus kostete 2025 in der Anschaffung durchschnittlich rund 580.000 Euro – fast doppelt so viel wie ein vergleichbarer Dieselbus (rund 310.000 Euro). Zwar sind die Preise für konventionelle Busse zuletzt deutlich gestiegen, doch der E-Bus-Preisaufschlag blieb substanziell. „Denn beim E-Bus-Betrieb kommen erhebliche Investitionen in Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und die Ertüchtigung von Betriebshöfen hinzu“, erläutert Maximilian Rohs. „Für die E-Bus-Infrastruktur sind deshalb in vielen Fällen auch mehr Flächen nötig. Gerade in urbanen Räumen ist dies eine zusätzliche wirtschaftliche Hürde.“
Der Großteil der deutschen E-Bus-Flotte wurde bis einschließlich 2025 von sechs Unternehmen hergestellt: Daimler Buses (1.853 Fahrzeuge im Einsatz), Solaris (735), MAN (723), VDL (405), Ebusco (312) und BYD (247). Das entsprach 4.275 von 4.752 Fahrzeugen, also einem Marktanteil von 90 Prozent. Um die Transformation des öffentlichen Personennahverkehrs weiter voranzutreiben, bleiben Förderprogramme wichtig, denn die Nachfrage nach finanzieller Unterstützung bleibt hoch. Die für das Frühjahr 2026 angekündigte Neuauflage der Bundesförderung dürfte den Anschaffungsaktivitäten Dynamik verleihen. Der für Ende 2030 prognostizierte Bestand an emissionsfreien Bussen wird dann zu mehr als 60 Prozent mit Bundesförderung beschafft worden sein.
Die aktuell bekannten Planungen der Flottenbetreiber sehen vor, bis 2030 rund 6.400 weitere emissionsfreie Busse zu beschaffen. Ausgehend vom heutigen Bestand könnte die Zahl der E-Busse damit auf mehr als 11.000 ansteigen. Insgesamt summieren sich die derzeit bekannten Beschaffungsplanungen über alle Antriebsarten hinweg auf rund 9.660 zusätzliche Fahrzeuge. Das Ziel der Bundesregierung – bis 2030 soll die Hälfte aller Stadtbusse in Deutschland elektrisch fahren – ist damit erreichbar. Mit Beginn des Jahres 2026 ist die zweite Referenzperiode der Clean Vehicles Directive (CVD) der Europäischen Union gestartet.
Damit steigen die Mindestquoten: Künftig müssen 65 Prozent der neu beschafften Stadtbusse „sauber“ sein, davon mindestens 32,5 Prozent emissionsfrei. Dies entspricht – bezogen auf die durchschnittlichen jährlichen Neubeschaffungen von rund 2.900 Stadtbussen über alle Antriebsarten hinweg – etwa 940 emissionsfreien Fahrzeugen pro Jahr. Die Quote für emissionsfreie Busse wurde in der ersten CVD-Periode (2021–2025) voraussichtlich erreicht. Zusätzlichen Druck erzeugt die EU-Verordnung 2024/1610 zu den CO₂-Flottengrenzwerten: Ab 2030 müssen 90 Prozent der neu zugelassenen Stadtbusse emissionsfrei sein, ab 2035 alle – das ist ein faktisches Verbrennerverbot für neue Stadtbusse.
Bushersteller müssen daher ihr Fahrzeugangebot grundlegend umstellen. Mit zunehmender Elektrifizierung der Busflotte in Deutschland rücken drei strukturelle Themen in den Vordergrund: Erstens wird der Energiebezug zu einer zentralen Stellschraube für die Wirtschaftlichkeit. Anschlussleistung, Leistungspreise und Netzintegration gewinnen an Bedeutung; stationäre Stromspeicher können Lastspitzen reduzieren und den Strombezug optimieren. Zweitens stehen zunehmend auch kleinere und mittelständische Verkehrsunternehmen in ländlichen Regionen vor der Aufgabe, auf emissionsfreie Antriebe umzustellen – mehrere Hersteller haben zuletzt Modelle für längere Umläufe und den Überlandbetrieb vorgestellt.
Drittens können stärkere Standardisierung der Fahrzeuge und strukturierte Beschaffungsmodelle dazu beitragen, Skaleneffekte zu heben und den wachsenden Preisdruck zu bewältigen. „Die nächste Phase der Antriebswende wird kein reines Wachstumsprojekt mehr sein. Es geht dann verstärkt um strukturelle Verankerung: wirtschaftlich tragfähige Energiekonzepte, effiziente Vergabeverfahren und die Ausweitung in den Regional- und Reiseverkehr.“, so Rohs. Das E-Bus-Radar 2026 steht kostenlos zum Download auf der Website von PwC zur Verfügung, zum Download bitte hier klicken (externer Link). (PwC/PM/Sr)