
Brekina hat jetzt einen Dodge B200 von 1975 als typischen „School Bus“ ausgeliefert. Foto: Brekina, Schreiber; Montage: omnibus.news
Brekina hat mit der September-Auslieferung ein ausgesprochen interessantes Stück amerikanischer Nutzfahrzeuggeschichte ins Programm genommen: Unter der Artikelnummer 18310 gibt es jetzt einen Dodge B200 von 1975 als typischen „School Bus“. Und damit landet nicht einfach nur ein weiterer US-Van im Maßstab 1:87 bei den Sammlern, sondern ein Fahrzeug, hinter dem eine durchaus spannende Geschichte steckt. Der B200 gehört zur ersten Generation der großen Dodge B-Series Vans, die ab 1970 gebaut wurden. Die Baureihe umfasste B100, B200 und B300 – wobei der B200 für die 3/4-Tonnen-Klasse stand. Dodge bot die Vans als Cargo- und Passenger-Vans an.
Und genau hier wird es interessant: Aus der Van-Basis entstanden bei zahlreichen Karosseriebauern ganz unterschiedliche Spezialfahrzeuge – vom Camper über den Krankenwagen bis hin zum Schul- oder Shuttlebus. Das bedeutet zugleich: Ein „Dodge B200 School Bus“ muss keineswegs ein komplett von Dodge gebauter Bus sein. In vielen Fällen lieferte Dodge die technische Basis, während ein spezialisierter Aufbauhersteller daraus das eigentliche Nutzfahrzeug machte. Beim Brekina-Modell fällt sofort das deutlich erhöhte Dach auf. Zusammen mit dem Busaufbau wird aus dem ursprünglichen B200-Van ein typischer kleiner Shuttle- oder School Bus. Solche Fahrzeuge waren vor allem dort interessant, wo kein großer amerikanischer Schulbus benötigt wurde.
Vanbasierte Busse konnten auf kurzen Strecken, für kleinere Schülergruppen oder als Shuttlefahrzeuge eingesetzt werden. Für den B200 standen 1975 unter anderem zwei klassische Chrysler-V8 zur Verfügung: der 318 cui beziehungsweise 5,2 Liter große V8 sowie der 360 cui beziehungsweise 5,9 Liter große V8. Beides sind bekannte LA-V8-Motoren, die zu den typischen amerikanischen Triebwerken ihrer Zeit gehören. Je nach Motorisierung und Ausführung werden für den B200 des Modelljahres 1975 Leistungen von etwa 140 bis 180 hp genannt. Das entspricht ungefähr 142 bis 183 deutschen PS. Für einen kompakten Van klingt das heute durchaus beachtlich – allerdings musste der Motor dabei auch einen entsprechend schweren Aufbau bewegen.
Denn sparsam war diese Kombination ganz sicher nicht. Der B200 entstand mitten in der amerikanischen V8- und Ölkrisen-Ära. Ein 5,2- oder gar 5,9-Liter-V8 unter der kurzen Motorhaube eines schweren Busses war deshalb ein ziemlich deutlicher Ausdruck jener amerikanischen Fahrzeugwelt, in der Hubraum noch reichlich vorhanden war. Technisch blieb der B200 ganz klassisch amerikanisch: Motor vorne, Hinterradantrieb und – abhängig von der Ausstattung – Automatik- oder Schaltgetriebe. Die erste Generation der B-Series ist dabei schon auf den ersten Blick zu erkennen: kurze, stark abfallende Motorhaube, kantige Karosserie und die typische Formensprache der frühen 1970er-Jahre.
1974 hatte Dodge unter anderem den Kühlergrill überarbeitet. Für 1975 kamen weitere Änderungen und Optionen hinzu, darunter eine einteilige Hecktür und verschiedene Innenausbauvarianten. Doch für die Geschichte des Brekina-Modells ist etwas anderes viel interessanter: Wer hat eigentlich den Busaufbau gebaut? Genau hier beginnt die Spurensuche. Ein B200 School Bus ist eher die kleinere, vanbasierte Variante eines amerikanischen Schulbusses. Und gerade deshalb ist das Fahrzeugmodell von Brekina so interessant. Während große amerikanische School Buses von Herstellern wie Blue Bird, Wayne oder Carpenter vergleichsweise bekannt sind, verschwinden die kleineren Van-basierten Fahrzeuge deutlich schneller aus dem Blickfeld.
Beim Brekina-Modell lässt sich der Aufbau derzeit allerdings nicht zweifelsfrei einem bestimmten Hersteller zuordnen. Kandidaten gibt es einige: Carpenter, Wayne, Blue Bird, Miller-Meteor, Superior oder auch Thomas Built Buses kommen grundsätzlich in Betracht. Die Frage lautet deshalb: Welcher Aufbauhersteller steckt tatsächlich hinter dem Vorbild? Dafür lohnt sich der Blick auf zeitgenössische Dodge-Prospekte, Kataloge der Busaufbauer und natürlich auf alte Fotos. Und manchmal führt die Suche auf Umwegen zum Ziel. Denn Brekina hat nicht nur den School Bus im Programm. Ebenfalls neu ist ein Dodge B200 Ambulance von 1975, unter anderem als Las-Cruces-Ausführung.
Und genau hier wird es spannend: Betrachtet man Bus und Ambulanz nebeneinander, fallen Gemeinsamkeiten bei Dachform, Aufbau und Fenstergeometrie auf. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass bestimmte Karosseriebauer ihre Spezialaufbauten auf derselben Van-Basis entwickelten und dabei ähnliche oder sogar verwandte Aufbaukonzepte verwendeten. Damit rücken Namen wie Superior, Wayne und Miller-Meteor wieder stärker in den Fokus. Sie waren nicht nur im Busbau aktiv, sondern auch im Bau von Ambulanzfahrzeugen. Gerade Miller-Meteor ist ein besonders interessanter Name, wenn es um amerikanische Spezialfahrzeuge dieser Zeit geht.
Die technische Basis war dabei häufig ein Dodge B200 beziehungsweise B300, auf den ein entsprechend angepasstes Aufbaukonzept gesetzt wurde. Ein erhöhtes Dach aus GFK war dabei eine naheliegende Lösung, um aus dem ursprünglichen Van einen geräumigeren Bus oder ein Spezialfahrzeug zu machen. Damit ist die Geschichte des kleinen Brekina-Dodge allerdings noch nicht zu Ende. Im Gegenteil: Jetzt wird es für den Modell- und Omnibusfreund erst richtig interessant. Denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: Was ist das für ein Dodge? Sondern: Wer hat ihn zum Bus gemacht? Vielleicht liefertn alte (Dodge-)Prospekt die Antwort. Vielleicht ein längst vergessenes Herstellerprospekt von Wayne, Superior oder Miller-Meteor.
Oder vielleicht steckt der entscheidende Hinweis sogar in einem alten Foto. Würde es noch das legendäre Brekina-Autoheft geben, dann stünde vielleicht hier die entscheidende Information, die aus der Spurensuche einen Treffer macht. Die Anfrage an Brekina mit der Bitte um Angabe des Aufbauherstellers läuft jedenfalls …! (Brekina/omnibus.news/Sr)