Der letzte Starliner von Neoplan wurde mit einer Roten Laterne in die Produktionshalle gefahren. Foto: Screenshot MPC

Die “Rote Laterne” kennen in Deutschland vor allem Freunde der Eisenbahn als das Zugschlusssignal. Einst eine Lampe mit Petroleum und rot gefärbter Scheibe das optische Zeichen für das Ende eines Zuges hat es sich im Laufe der Zeit nicht den letzten, sondern eher einen der vorderen Plätze in der Liste der deutschen Redewendungen erarbeitet. Auch Sportler kennen spätestens mit der Tour de France die Redewendung, denn mit der “Lanterne Rouge” wird inoffiziell der Letztplatzierte der Tour de France ausgezeichnet…

Aber auch die Buswelt kennt Dank eines Filmes der MPC Filmproduktion GbR von Tino Peisker und Torsten Schad aus Plauen die “Rote Laterne”. Plauen? Genau, Plauen ist in der Welt der Omnibusse mit Neoplan und MAN verbunden. Vor dem Hintergrund der Schließung des Standortes begleitete MPC die Produktion des letzten hier gefertigten Neoplan Starliner von der Anlieferung der Rohkarosserie bis zur ersten Testfahrt.

Und im dem gut dreiminütigen Beitrag taucht dann die “Rote Laterne” auf. Ganz passend am Heck des letzten Neoplan Starliner platziert, als dieser mit der Rohkarossererie in die Werkhalle geschoben wird. Augen auf, nach 67 Sekunden ist die “Rote Laterne” zu sehen. Der Film ist ein Zeitdokument, das das Ende einer bewegenden Ära dokumentiert. Auf der Website der Filmemacher ist zu lesen: “Wir produzieren Filme, die wirken…” – und wie möchte man Ihnen zurufen, wenn man das Video gesehen hat…

Neoplan hat den Starliner von 1996 an und dann MAN später mit der 2. Generation bis 2015 gebaut. Das erste Baumuster wurde bis 2004 im Stuttgarter Werk von Neoplan gebaut, nachdem dann 2004 auf der IAA die zweiter Generation vorgestellt wurde, begann 2005 in Stuttgart die erste Auslieferung. Der Starliner 2 wurde zunächst noch in Plauen und Stuttgart und dann bis zur Schließung des Werks in Pilsting und anschließend wieder in Plauen produziert.

Mit der Verschiebung der Produktion unter dem Dach der MAN wurden der Cityliner und Skyliner in die Türkei verlegt, wo der Tourliner bereits gefertigt wurde. Und der Starliner wurde im Rahmen der Verlagerung gleich ganz gestrichen. Ende einer Ära. Über 20 Jahren wurden in Plauen Reisebusse der Marke Neoplan hergestellt. Eigentlich sollte dann 2014 noch eine neue Montagehalle gebaut werden, doch die wurde nicht mehr realisiert.

2015 endete die Busfertigung, zu der Produktionsverlagerung würde es keine Alternative geben, wie der damalige MAN-Nutzfahrzeug-Chef Anders Nielsen erklärte, denn das Produktionsnetzwerk müsse effizienter gestaltet werden. Der Standort im Vogtland wurde damals aber nicht geschlossen, in dem Werk entstand „Bus Modification Center“, wo ab Mai 2015 Linien- und Reisebusse der Marken MAN und Neoplan mit speziellen Kundenwünschen ausgestattet wurden.

Das Marktvolumen für Busse in Europa sei auf einem historischen Tiefstand, schrieb MAN seinerzeit. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in wichtigen Zielmärkten sowie der geringen Nachfrage nach Bussen im Luxussegment, ließe sich eine Aufrechterhaltung der Produktion in Plauen nicht mehr wirtschaftlich realisieren. Den 420 Mitarbeitern wurden neue Arbeitsplätze im Volkswagen-Konzern (zu dem MAN als Marke gehört) angeboten, nur gut 100 Mitarbeiter sollten seinerzeit im „Bus Modification Center“ weiter beschäftigt werden.

Im März 2021 war dann auch das Geschichte, MAN hatte sich im Rahmen des Stellenabbaus mit dem Sonderfahrzeugbauer Binz über einen Verkauf der MAN-Betriebsstätte Plauen geeinigt. Binz wird die Liegenschaften und Fertigungsanlagen sowie alle Mitarbeiter übernehmen. Rund 120 Mitarbeiter waren laut MAN Betriebsrat vom Verkauf betroffen. Der Verkauf wurde zum 1. April 2021 wirksam, kein Schwerz! Mit der endgültigen Schließung des MAN Standortes in Sachsen endete eine über 100jährige Busgeschichte in Plauen mit den Marken VOMAG, Ikarus, Neoplan und MAN. (MAN/MPC/Neoplan/omnibusnews/Sr)

 

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