Susanne Ruoff ist nicht mehr Chefin von Postauto. Foto: Postauto

Es begann mit einer ganz normalen Revision: Der schweizer ÖPNV-Dienstleister Postauto hat zwischen 2007 und 2015 zu hohe Subventionen bezogen, wie das zuständige Bundesamt für Verkehr (BAV) in der Schweiz im Rahmen einer Prüfung Anfang diesen Jahres im Februar festgestellt hatte. Das Ergebnis bzw. die Zahl war damals schon beeindruckend: 78,3 Millionen Franken! Schnell war klar, dass das Geld von Postauto zurückgezahlt werden müsse. Das war aber erst der Anfang der PostAuto-Affäre. Die Postführung seinerzeit an, volle Transparenz zu schaffen. Sie hat mit allen betroffenen Behörden umgehend das Gespräch gesucht und den Sachverhalt im Einzelfall geklärt. Die Post-internen Untersuchungen durch externe Experten sind abgeschlossen, jetzt scheint mit dem Köpferolle bei der Tochter der Post der Höhepunkt erreicht der Affäre erreicht zu sein: Die gesamte Geschäftsleitung der Postauto AG muss gehen! Anfang Juni trat die Postauto-Chefin Susanne Ruoff überraschend zurück. Kurz danach erklärte sich der Konzern gegenüber den Medien so: “Aufgrund der Erkenntnisse aus den Untersuchungsberichten fehlt die Vertrauensbasis für die weitere Zusammenarbeit mit Konzernleiterin Susanne Ruoff. Vor diesem Hintergrund hat Susanne Ruoff die Kündigung eingereicht. Sie wurde sofort freigestellt.” Nicht nur die Konzernleiterin, sondern die gesamte Geschäftsleitung von Postauto wurde entlassen. Das Fazit der Untersuchungsberichte habe ein “inakzeptables Fehlverhalten” zu Tage gefördert, erklärt die Post. Dazu sagte Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident des Post-Konzerns: “Ein langfristiger Wiederaufbau des verspielten Vertrauens ist nur mit einer neuen operativen Leitung bei Postauto wie auch beim Post Konzern möglich. Auch die Leiterin der hausinternen Revision verlässt die Post, wie Schwaller mitteilte. Noch immer mag keiner der Beteiligten glauben, was geschah. Bund, Kantone und der Steuerzahler sind hinters Licht geführt worden. Erschreckend sei, dass dabei über mehrere Jahre sämtliche Kontrollmechanismen im Post Konzern offensichtlich versagten, wie die post eingesteht. Urs Schwaller: “Ich bin erschüttert, mit welcher Energie Postauto die Buchhaltung manipulierte, systematisch Gewinne verschleierte und dadurch überhöhte Subventionen kassierte.” Dafür gebe es keine Rechtfertigung, dies sei ein inakzeptabler Vertrauensbruch, so Schwaller. Postauto betreibt in mehr als der Hälfte der Kantone der Schweiz die Ortsverkehrslinien, die von Kantonen und Gemeinden subventioniert werden. Postauto ist ein Tochterunternehmen der Schweizerischen Post, welche im vollständigen Eigentum des Bundes ist. 2016 erzielte die Postauto-Gruppe ein Umsatzvolumen von 923 Millionen Franken, davon entfielen 618 Millionen auf die Sparte “Regionaler Personenverkehr”.

Der Postauto-ZOB in Chur. Foto: PostAuto

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