Die kreativen Köpfe von Modyn und VDL, die für das Design des neuen VDL Citea verantwortlich sind: Reinoud de Jong, Concept Designer; Bram Veendrick, Design Manager VDL Bus & Coach; Marleen Offringa, Concept & CMF Designer. Bas Kleingeld, Surfacing & Visualisation Specialist und Rik de Reuver, Head of Product Design. Foto: Schreiber

Bram Veendrick, Design Manager bei VDL, ist stolz auf das Ergebnis. Foto: Schreiber

Vieles wurde beim neu gedacht, wie das grüne Lichtband über der Tür zeigt. Foto: VDL/Modyn/Schreiber

Gutes Design ist wenig Design, hier bleibt VDL beim neuen Citea der hauseigenen Philosophie treu. Einfach und gut, eine runde Sache möchte man mit Blick auf den optischen Auftritt der neuen Baureihe sagen. omnibus.news hat mit Rik de Reuver einen der kreativen Köpfe des Designs in seinem Atelier in Geldermalsen getroffen.

Eine reduzierte und klare Formensprache, VDL verzichtet bewusst auf Spektakuläres. Der neue Citea fährt vor und gefällt. Heute und auch morgen noch. Wie gut das Design des Teams von Modyn und der hauseigenen Kreativen von VDL unter der Leitung von Bram Veendrick ist, zeigen schon direkt nach der Vorstellung erste Auszeichnungen.

Die wichtigste Anerkennung dürfte die der Jury des weltweit renommiertesten Designwettbewerbs Red Dot sein, hier wurde die neue Citea-Generation in der Kategorie „Produktdesign” ausgezeichnet. Die Jury lobte die „hohe Gestaltungsqualität und das herausragende Design“. Und auch die Auszeichnung mit dem IF Design Award spricht für das Können.

Im elektromobilen Zeitalter darf es etwas Eigenständiges sein, die Zeiten des Standard-Linienbusses im markenübergreifenden Einheitsauftritt sind vorbei – endgültig! Auch wenn es mitunter nur eine kleine Sache ist, wie die eines rechten Winkels oder einer klassischen Ecke bzw. Kante, die neu gedacht wird. Stellt man diesen Übergang mit einer Phase dar, wirkt das.

Die Seitengrafik zeichnet als Grundidee die Kontourlinie eines Linienbusses gekonnt nach, zusammen mit den Anphasungen wird dieses gestalterische Element konsequent in der ganzen Gestaltung umgesetzt. Endlich keine Sicken mehr, die in schwarz gehaltene Seitenwand erhält oben und unten Farbtupfer, ganz keck läuft das Dach in die Frontmaske über, optisch erinnert dieses Stilelement an einen Spiegelarm.

Dessen Zeiten sind aber auch vorbei, Kamera und Monitor haben beim Elektrobus längst Einzug gehalten. Weil aber immer noch Reifen für das Fahren benötigt werden, sind die Radhäuser optisch hervorgehoben und zeichnen diesen Bereich noch einmal kräftig nach. Aber auch sie fügen sich in die Seitengrafik ein. Beim neuen Citea haben alle Linien ihre Bezüge zueinander, denn Radien und Winkel im Spiel miteinander sind mit Bedacht gewählt.

Linien der Front- und Seitengrafik, auch die des Hecks spielen in diesem Konzert mit und werden für das Auge zu einem Ganzen vollendet. Das funktioniert auch noch in Jahren. Es muss nichts Spektakuläres sein. Aber ohne ein Alleinstellungsmerkmal geht es nicht, dessen ist man sich auch bei VDL bewusst: Es ist nicht Wortmarke VDL die sich – wie aus der Form geschnitten – hervorgehoben an Front und Heck findet.

Es ist das imaginäre Spiegelärmchen, das aus der Dachlinie über die nicht vorhandene A-Säule fortgeführt wird und die optische Anbindung an die T-förmige Frontmaske suggeriert. Die A-Säule ist weiter hinten platziert, so ergibt sich für den Fahrer eine besser (Aus-)Sicht. Nicht revolutionär, sondern im wahrsten Sinne ganz einfach praktisch. VDL ist in der Welt der Omnibusse und insbesondere in der der Elektrobusse kein Newcomer.

Die Niederländer müssen nicht mit ausgefallenen Formen auf ihre Fahrzeuge aufmerksam machen, denn über 1.000 VDL-Elektrobusse sprechen für sich. Weniger ist eben manchmal doch mehr. Das, was bei VDL und der neuen Citea-Baureihe als das Revolutionäre zu bezeichnen ist, findet unter dem Blech statt – wobei, der neue Elektrobus wird aus Verbundwerkstoffen gefertigt.

Das bescherte dem Team der Designer zusätzlichen Freiraum: „Bei der Entwicklung der neuen Citea-Generation konnten wir bei Null anfangen,“ erinnert sich Rik des Reuver. Und das im wahrsten Sinne, der Ausgangspunkt war das ideale Layout eines Linienbusses, ohne Rücksicht auf Vorgaben, die der Antrieb technisch bedingt machen muss.

Hier waren sich Designer und Hersteller nach Aussagen von Bram Veendrick, der hauseigene Design Manager bei VDL, schnell einig, dass das eine optimale Sitzeinteilung und einen bestmöglichen Fahrgastfluss bei optimaler Gewichtsverteilung bedeute. In dieser Phase habe man beschlossen, die Batterien serienmäßig im Boden zu integrieren – mit dem Ziel, den Schwerpunkt zu senken und die Gewichtverteilung und Anordnung aller notwendigen Komponenten zu optimieren.

Und weil es keinen Motorturm im Heck mehr gibt, das neue elektrische Antriebssystem ein kompaktes sei, haben Designer und Hersteller einen Raum realisiert, der zum Verweilen einlädt. Das Ein- und Aussteigen in den Fahrgastraum wurde wissenschaftlich analysiert und es wurden neue Lösungen für uralte Probleme wie Fahrgastfluss, Zugänglichkeit und schnelleres Ein- und Aussteigen entwickelt, wie Bram Veendrick erklärt.

Weil der Innenraum ohne störenden Motorturm auskommt, denn der New Citea ist von keinem Diesel-Fahrzeug abgeleitet, sondern komplett neu gedacht, verwundert das klar strukturierte, helle und wertige Innere als Ergebnis nicht. Das Fehlen des Motorturms und neue gedachte Radkästen bedeuten bis zu 44 Sitze und damit acht Sitze mehr.

Wenn das Mehr auch eine Funktion hat, dann ist es gutes Design. VDL hat mit der nächsten Generation des Citea eine neue Ära eingeläutet. Nicht nur mit Batterien im Boden, auch mit Verbundwerkstoffen und einem Design, das dem Fahrgast suggeriert, mit dem New Citea eine wertige Dienstleistung zu bekommen. Was soll man da noch sagen? Mooi werk! (VDL/Modyn/omnibus.news/Rüdiger Schreiber)

Für den Fahrgastraum hat VDL neu gedacht, viele Ideen sind schon umgesetzt, weitere sollen folgen. Foto: VDL/Modyn/Schreiber

Neu: Fahrerkabine samt Armaturentafel, die den Gesetzen der Ergonomie folgt. Foto: VDL/Modyn/Schreiber

Als „clean“ bezeichnen Designer das Raumkonzept. Foto: VDL/Modyn/Schreiber

 

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