Noch ein Konzept, ab 2023 möglicherweise schon Realität: Der Upbus. Foto: Upbus/RWTH

Der Upbus kombiniert die Vorzüge der Seilbahn mit denen des autonom fahrenden Elektrobusses. Foto: Upbus/RWTH

Ganz schön abgehoben: Erst schwebt die Gondel über die Straße und den Verkehr hinweg, bevor sie dann ganz autonom zum Ziel fährt. Geht nicht? Doch, ein Startup aus Aachen hat urbane Mobilität neu gedacht und will den Seilbahnbus auf die Straße bzw. in die Luft bringen. Ein modulares Kopplungssystem aus der Raumfahrt sollte das möglich machen, was bisher undenkbar schien. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Verbindung zwischen einem Seilbahnsystem und bodengestützten Systemen wie Bussen, bei denen die Fahrgäste aussteigen müssen, können die Fahrgäste beim Upbus genannten Konzept in der Kabine bleiben. Über die mechanische Kopplung lassen sich Wärme und Strom übertragen, so können auch eine Klimaanlage und Bildschirme in der Gondel betrieben oder der Datenaustausch sichergestellt werden. An den Stationen sollen außerdem eine Sensoren auf Radarbasis zum Einsatz kommen, um den millimetergenauen Kopplungsprozess zwischen dem fahrenden Gestell und und dem Seilbahngehänge koordinieren zu können. Aktuell wird diskutiert, ob der Bus autonom fahren solle bzw. könne oder vielleicht auch über eine Art Kabelzugleitung gezogen werde.Fest steht nur, dass der fahrbare Untersatz von einem Elektroautomobilhersteller geplant und zugeliefert werden solle. Weil die Auslegung eines Fahrmoduls für die Zulassung im Straßenverkehr eine gewisse Expertise benötige, sei man auch einen externen Partner angewiesen, so die Erklärung für diese Entscheidung. Im Inneren des Fahrmoduls befinden sich die Batterien sowie die Elektromotoren mit all den Komponenten, die für den Antrieb des Vehikels im Fahrzeugmodus erforderlich sind. Die Fahrgastzelle besteht aus einer Primär- und einer Sekundärstruktur. Die Primärstruktur setzt sich aus einem Dach- und einem Bodenrahmen sowie aus vier schrägen Trägern zusammen, die den Dachrahmen mit dem Bodenrahmen verbinden. Durch die Schräglage der Träger wird der Kraftfluss im Seilbahnbetrieb auf eine möglichst günstige Art und Weise vom Gehänge auf die Tragstruktur übertragen. Die Sekundärstruktur dient zur Befestigung der Verkleidungselemente der Fahrgastzelle einschließlich Verglasung. Die kreativen Köpfe dieses Konzeptes kommen aus Aachen: Anfang vergangenen Jahres wurde das Forschungsprojekt an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) von den Elektrotechniker- und Maschinenbauer-Doktoranden Tobias Meinert, Eduard Heidebrecht, Mauricio Chaves und David Bierbüsse ins Leben gerufen. Im November diesen Jahres soll der erste Prototyp vorgestellt werden. Der Test erfolge in Kooperation mit einem großen Seilbahnhersteller, wie die Aachener erklären. 2023 könnte dann auf der Bundesgartenschau in Mannheim der Upbus schon Realität sein. Bis 2023 soll die Technologie soweit sein, dass nicht nur Güter, sondern auch Menschen transportiert bzw. befördert werden können. Konkrete Verhandlungen zur Realisierung haben die Wissenschaftler aber noch nicht geführt. Derzeit sind sie noch mit der stark fortschreitenden Elektrifizierung und Automatisierung von Straßenfahrzeugen bzw. der recherche beschäftigt. Durch die Entwicklung und Verbesserung von Technologien in den Bereichen Steuerung, Sensorik und Elektromobilität sind in letzter Zeit autonome Elektrofahrzeuge wie Kleinbusse als weiteres Mobilitätskonzept entstanden. Und Seilbahnen können mit kurzen Bauzeiten ohne Verkehrsbehinderung, geringen Investitions- und Betriebskosten, einem minimalen Platz- und geringen Energiebedarf sowie einer enorme Flexibilität bei der Wegeführung realisiert werden. In den letzten Jahren wurden schon vermehrt Seilbahnen-Projekte umgesetzt, bisher allerdings lediglich als Insellösungen. Zur Mission der Upbus-Projektes sagt Tobias Meinert, Wissenschaftler der RWTH Aachen und einer der Gründer von Upbus: “Zahlreiche Städte und Metropolregionen auf dem Globus stehen durch die Nutzung von Pkw verkehrs- und umwelttechnisch vor dem Kollaps. Heutzutage leben schon 54 % der Weltbevölkerung in Städten. Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird sich der Anteil 2050 bereits auf 66 % erhöhen. Mit steigender Einwohnerzahl wird die ohnehin schon lange Zeit im Stau sich noch weiter erhöhen. Die volkswirtschaftlichen Verluste belaufen sich dadurch alleine in Deutschland auf 9 Milliarden Euro jährlich.” Was zunächst wie ein abwegiges Konzept für den Stadtverkehr der Zukunft klingen mag, wird von einigen deutschen Kommunen aber schon ernsthaft diskutiert: Bonn befindet sich mitten in der Planungsphase für eine Seilbahn, in Berlin und München gibt es Überlegungen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fördert das Projekt seither und unterstützt solange, bis der erste funktionstüchtige Prototyp fertiggestellt ist. Bis zur Marktreife braucht das Startup dann Risikokapital, was von Investoren kommen soll. (Upbus/RWTH/DLR/PM/Schreiber)

Urbane Mobilität neu gedacht: Der Upbus. Foto: Upbus/RWTH

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