
Der litauische Hersteller Altas Auto meldet den 10.000sten Bus! Das Jubiläumsfahrzeug ist ein vollelektrischer Mercedes-Benz eSprinter Ecoline, der für einen Kunden in Norwegen gebaut wurde. Foto: AltasAuto
Der litauische Hersteller Altas Auto meldet den 10.000sten Bus! Das Jubiläumsfahrzeug ist ein vollelektrischer Mercedes-Benz eSprinter Ecoline, der für einen Kunden in Norwegen gebaut wurde. Damit ist ein wichtiger Meilenstein im Vorfeld des 25-jährigen Firmenjubiläums – das für 2027 ansteht – erreicht. Fast ein Vierteljahrhundert nach der Fertigung des ersten Fahrzeugs (ein dieselbetriebener Mercedes-Benz-Minibus für einen Kunden in Litauen) blickt man in eine spannende Zukunft …
Altas Auto erweiterte sein Geschäft mit elektrischen Mini- und Midibussen und setzt dabei auf eigene Entwicklung, etablierte Fahrzeugplattformen und internationale Kooperationen. Mit dem Novus City V7 ist das Unternehmen in das Segment kompakter Elektro-Stadtbusse vorgestoßen. Gleichzeitig bleibt der Umbau von Mercedes-Benz- und MAN-Fahrzeugen ein wichtiges Standbein. Auch die Deutsche Bahn setzt auf Busse des litauischen Unternehmens.
Altas Auto wurde 2002 von Edvardas Radzevičius und Edmund Lisovski gegründet. Der Unternehmenssitz befindet sich in Litauen, nahe der Hauptstadt Vilnius. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Mini- und Midibusse für den Stadt-, Überland- und Reiseverkehr sowie Spezialfahrzeuge. Die Fahrzeuge werden in zahlreichen europäischen Märkten eingesetzt, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Skandinavien.
Im Januar 2025 übernahm Ignas Pranskevičius die Geschäftsführung von Gründer Radzevičius. Mit dem Führungswechsel verbindet Altas Auto die weitere Internationalisierung und den Ausbau des Produktportfolios. Für 2025 hatte das Unternehmen einen Umsatzanstieg von mehr als 35 Prozent und die Auslieferung von rund 800 Fahrzeugen angekündigt. Ein Schwerpunkt der Produktentwicklung ist die elektrische Novus-Baureihe.
Auf der Busworld 2025 präsentierte Altas Auto die zweite Generation seiner elektrischen Minibusse. Bei den Modellen Cityline und Ecoline wurde die Batteriekapazität von 115 auf 126 kWh erhöht. Dazu kommen leistungsstärkere Elektromotoren mit 160 kW im Cityline und 165 kW im Ecoline. Für die Batterien nennt das Unternehmen eine Garantie von acht Jahren. Die Fahrzeuge verfügen über eine europäische Gesamtfahrzeug-Typgenehmigung und erfüllen nach Herstellerangaben die einschlägigen europäischen Sicherheits- und Cybersecurity-Anforderungen.
Die Novus-Fahrzeuge richten sich an Betreiber, die kompakte Fahrzeuge für Stadtverkehre, Zubringerlinien und Shuttleaufgaben benötigen. Die Basis bilden unterschiedliche Fahrzeugkonzepte, die je nach Ausführung auf die Anforderungen des jeweiligen Einsatzes zugeschnitten sind. Mit dem Novus City V7 hat Altas Auto sein Angebot auf elektrische Midibusse erweitert. Das rund 7,5 Meter lange Fahrzeug entstand in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Bushersteller Zhongtong.
Während Zhongtong die Fahrzeugplattform und zentrale Komponenten wie Fahrwerk, elektrischen Antrieb und Batterien beisteuert, übernimmt Altas Auto die Anpassung an europäische Marktanforderungen. Bei der 2025 vorgestellten Weiterentwicklung stieg die Batteriekapazität von 140 auf 165 kWh. Die Batterien stammen von CATL; für sie nennt Altas Auto eine Garantie von zehn Jahren. Das Modell wurde für europäische Stadtverkehre entwickelt.
Die Zusammenarbeit mit Zhongtong ist für Altas Auto strategisch bedeutsam: Sie ermöglicht den Einstieg in ein größeres Fahrzeugsegment, ohne sämtliche Komponenten und die komplette elektrische Plattform selbst entwickeln zu müssen. Zugleich kann Altas seine Erfahrung mit europäischen Kundenanforderungen und der Integration von Bustechnik einbringen. Neben der eigenen Novus-Familie baut Altas Auto weiterhin Busse auf Basis etablierter Transporterplattformen.
Dazu gehören verschiedene Ausführungen des Mercedes-Benz Sprinter, etwa Cityline, Multiline und Ecoline. Für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität sind Varianten mit elektrischer Hebeplattform erhältlich. Die 19+1-sitzigen Ausführungen können nach Herstellerangaben bis zu vier Rollstuhlfahrer aufnehmen. Auch der MAN TGE gehört zum Portfolio. Den MAN TGE Coach zeigte Altas Auto auf der Busworld 2025 am Stand von MAN.
Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an elektrischen Bussen auf Basis des Mercedes-Benz eSprinter, die für den Stadt- und Überlandverkehr vorgesehen sind. Ein wichtiger Erfolg im deutschen Markt ist der Rahmenvertrag mit der Deutschen Bahn, den Altas Auto Anfang 2025 bekanntgab. Die Vereinbarung läuft bis 2028 und umfasst vier Fahrzeugmodelle: den dieselbetriebenen Mercedes-Benz Cityline sowie die elektrischen Modelle Novus City V7, Novus City N8 und Novus Cityline LW.
Damit deckt das Angebot unterschiedliche Anforderungen vom wendigen Minibus bis zum größeren elektrischen Stadtbus ab. Die Zusammenarbeit unterstreicht, dass Altas Auto nicht ausschließlich auf private Shuttle- und Reisebusbetreiber zielt, sondern auch für größere Verkehrsunternehmen als Lieferant infrage kommt. Neben dem Fahrzeugangebot spielen dabei die Einhaltung europäischer Vorschriften, die Ersatzteilversorgung und der Kundendienst eine wichtige Rolle.
Altas Auto steht für eine Entwicklung, die den europäischen Busmarkt zunehmend prägt: Neben den großen Vollsortimentern etablieren sich spezialisierte Hersteller, die sich auf bestimmte Fahrzeuggrößen und Einsatzbereiche konzentrieren. Das litauische Unternehmen verbindet den Umbau etablierter Transporter mit eigenen elektrischen Fahrzeugkonzepten und einer Kooperation mit einem chinesischen Bushersteller.
Der nächste Wachstumsschritt dürfte vor allem davon abhängen, ob Altas Auto seine elektrische Produktpalette erfolgreich in größeren Stückzahlen vermarkten und gleichzeitig Service, Ersatzteilversorgung und Produktionskapazitäten ausbauen kann. Für Betreiber kleinerer und mittlerer Busse ist das Unternehmen damit ein Anbieter, den es gerade im elektrischen Stadt- und Regionalverkehr zu beobachten gilt. (Altas Auto/omnibus.news/Sr)