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Rietze Volkswagen Gericht

Christian und Lothar Rietze streiten vor Gericht mit der Volkswagen AG. Foto: Rietze

Die Geschichte kommt einem irgendwie bekannt vor: Wir befinden uns im Jahre 2017 n.Chr. Die ganze Modellautowelt ist von profitgierigen Fahrzeugherstellern besetzt… Die ganze Modellautowelt? Nein! Ein von unbeugsamen Franken bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Volkswagen-Konzern Widerstand zu leisten. Heute kämpft Christian Rietze mit Unterstützung von Lothar Rietze in Hamburg vor Gericht gegen einen mächtigen Gegner. Und das zieht die Medien an: Der Norddeutsche Rundfunk begleitet den Junior heute in Hamburg und wird im Abendprogramm einen TV-Beitrag senden. Dann steht auch fest, welchen Urteilsspruch es gegeben hat. Seit Jahren liegt die Firma Rietze Automodelle GmbH & Co KG mit der Volkswagen AG im Streit. Es geht um Lizenzgebühren, die nach Ansicht der unbeugsamen Franken gar nicht erhoben werden dürften. Mit 70 Mitarbeitern und damit auch entsprechenden Existenzen fertigt das Altdorfer Unternehemen seit über drei Jahrzehnten Modellfahrzeuge. Zunächst in Nürnberg, dann vor den Toren der Spielzeugmetropole. „In Altdorf ist „alles made in Germany“, von der Konstruktion über die Produktion bis zur Verpackung“, so Christian Rietze. Mit Lizenzgebühren von fünf bis 15 Prozent und zahllosen Auflagen (z.B. Geheimhaltung bei der Produktion in nicht einsehbaren und mit elektronischen Türschlössern gesicherten Räumen) entzögen die Autokonzerne der Firma die Geschäftsgrundlage, so der Seniorchef. Nicht nur er ist verärgert, dass die großen Automobilkonzerne auch den potentiellen Nachwachs um das Taschengeld bringen. Neben den gut situierten Sammlern gibt es auch viele jugendliche Käufer, die nach Ansicht des Franken so Teile ihres Taschengeldes für die Autokonzerne opfern müssten – ohne dass das gerechtfertigt sei. Gerne erinnert sich Lothar Rietze an die Anfänge: „Da waren die Automobilhersteller noch froh, dass wir ihre Fahrzeuge gemacht haben.“, so Rietze. Modellautos dürfen ohne Lizenz produziert werden, das werde aber von den Konzernen schlicht ignoriert, regt sich der Franke auf. Schon vor Jahren hat ein anderer Modellfahrzeughersteller für die Branche einen wegweisenden Rechtsstreit vor dem Europäischen Gerichtshof und dem Bundesgerichtshof gewonnen. Damals hatte Opel den Unternehmer verklagt. Der Konzern wollte verhindern, dass das Markenzeichen, der markante Blitz, auf den Modellfahrzeugen zu sehen ist. Für Rietze sei es aber das klassische Recht seiner Branche, Vorbilder nachzumachen, um sie ins Kinderzimmer zu bringen. Der Unternehmer aus dem unbeugsamen Dorf in Franken gilt in der Branche in diesem Zusammenhang durchaus als ausgesprochen streitlustig. Aber auch das habe ein Ende: Wenn die Existenz des Unternehmens dadurch gefährdet werde, könne sich ein Familienbetrieb das irgendwann nicht mehr leisten, resümiert Lothar Rietze. Recht haben und Recht bekommen seien zwei unterschiedliche Dinge. Lothar Rietze hat die Hoffnung fast schon aufgegeben, mit Modellfahrzeugen als Familienbetrieb überleben zu können. Sohn Christian stellt das Unternehmen daher schon neu auf: Mit Produktionsdienstleistungen, die die Kompetenz der Franken zeigen: Formenbau, Spritzguss, Lackiererei und Montage sowie die Vielfalt von Tampon-, Sieb- und Digitaldruck. Das Know-how aus der Herstellung von Modellfahrzeugen bieten die Franken jetzt Kunden aus anderen Branchen an. Und das kommt nach Angaben von Lothar und Christian Rietze gut an.

 

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