Der originalgetreue Nachbau des Wiblinger Autos in der Ulmer Auslieferungshalle. Foto: Schreiber

Einsteigen bitte! Über zwei Trittstufen kamen die Fahrgäste an Bord. Foto: Schreiber

Sitzplätze für 18 Fahrgäste, zehn Stehplätze wurden dem Fahrzeug auch zugesprochen. Foto: Schreiber

1911 eine kleine Sensation: Der Fahrer mit eigener, abgeschlossener Kabine. Foto: Schreiber

Baujahr 1911 und heute originalgetreu nachgebaut im Oldtimer-Fuhrpark der Marke Setra: Das Wiblinger Auto. Auf Initiative der Wiblinger und deren Wunsch, Ulm per Bus erreichen zu können, wurde eine private Genossenschaft gegründet. Der schlossen sich nicht nur die Bürger des Ulmer Vorortes, sondern auch Geschäftsleute sowie Karl Kässbohrer an. Als Teilhaber der Verkehrsgesellschaft brachte er den Linienomnibus mit einem Wert von 18.000 Mark als Anteil ein. Sein Engagement wurde belohnt, dem ersten Bus oder besser Wiblinger Auto, das er beisteuerte, folgte nach kurzer Zeit ein weiteres Fahrzeug.

18 Wiblinger konnten mitfahren, zumindest gab es für diese Anzahl je einen Sitzplatz auf der langen Holzbank. Ob die zehn Stehplätze genutzt wurden, ist in der Chronik nicht beschrieben. Ein Saurer 4-Zylinder-Reihenmotor AM II 30 schöpfte aus 5.330 Kubikmetern eine Leistung von 22 kW, als Höchstgeschwindigkeit sind in der Kässbohrer-Chronik 45 km/h angegeben. Interessant, denn das sind 15 mehr als zugelassen!  Die Königlich Württembergische Verkehrsordnung gestattete außerorts nur 30 und innerorts 12 km/h. Wie schnell das 6 m lange und 2 m breite sowie 2,9 m hohe Wiblinger Auto seinerzeit wirklich unterwegs war, dazu schweigen die Chronisten.

Der Februar 1911 markierte für die Ulmer Busmarke einen wesentlichen Meilenstein in der Geschichte: Der Urvater aller Linienomnibusse, das Wiblinger Auto, fährt erstmals die Linie Ulm–Wiblingen. Der geschlossene Holzaufbau war seiner Zeit voraus: Anders als damals üblich saß der Fahrer bereits in einem geschlossenen Fahrerhaus, dem ersten dieser Art im deutschen Automobilbau überhaupt. Auf dem Dach war ausreichend Raum für Gepäck, und die Fahrkarte für diese knapp halbstündige Fahrt verkaufte ein Chauffeur für 30 Pfennig.

Der Bus war auf einem Lastwagenchassis errichtet und verfügte bereits über Kardanantrieb, eine neue Antriebstechnologie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts den bisher üblichen Kettenradantrieb abgelöst hatte. Er hatte ein Getriebe mit vier Vorwärtsgängen, Holzräder mit Vollgummibereifung und Karbidscheinwerfer.

Das im historischen Fuhrpark von Setra vorhandene Wiblinger Auto basiert auf einem originalen Saurer-Fahrgestell und einem originalgetreuen Nachbau des Kabinenaufbaus, denn die seinerzeit eingesetzten Fahrzeuge wurden im Krieg zerstört. (Daimler/Setra/omnibus.news/Sr)

Ein Feuerlöscher gehörte anno 1911 auch schon zur Ausstattung. Foto: Schreiber

Mangels weniger Farhezuge reichte 1911 eine einfache Hupe zum Warnen der Passanten scheinbar aus… Foto: Schreiber

Der Bus war auf einem Lastwagenchassis errichtet und verfügte bereits über Kardanantrieb. Foto: Schreiber

Die beiden gebauten Wiblinger Autos haben den 1. Weltkrieg nicht überlebt. Foto: Schreiber

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