Daimler mit 4 Mrd. Euro Gewinn, die Bussparte aber mit einem dicken Minus beim Absatz. Foto: Daimler, Grafik/Montage: omnibus.news

Turbulente Zeiten bei Daimler: Erst wird die Aufspaltung des Konzerns in die Geschäftsfelder Pkw & Van sowie Truck & Bus verkündet, dann meldet die Bussparte im Corona-Krisenjahr 2020 einen Absatzrückgang von 38 Prozent. Dennoch habe der Konzern die Coronakrise „gut gemeistert“, konstatiert Daimler-Chef Ola Källenius. Trotz der Pandemie erzielte Daimler 2020 unter dem Strich einen Gewinn von vier Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 48 Prozent. Der Umsatz brach dagegen um gut ein Zehntel auf 154 Milliarden Euro ein. Einen entsprechenden Anteil daran hat die Bussparte zu verantworten: Der Absatz von Daimler Buses ging 2020 auf 20.100 Einheiten zurück, 2019 waren es noch 32.600 Einheiten. In einem herausfordernden, von der COVID-19-Pandemie geprägten Umfeld lag der Konzernabsatz mit 2,84 (2019: 3,34) Mio. Pkw und Nutzfahrzeugen um 15% unter Vorjahresniveau, so die Angaben des Konzerns zu den nun vorgelegten und auf geprüften Finanzabschlüssen offiziellen Zahlen des Jahres 2020. Der Umsatz ging um 11% auf 154,3 (2019: 172,7) Mrd. € zurück. Das EBIT des Daimler-Konzerns stieg aufgrund strenger Kostendisziplin und umfangreicher Maßnahmen zum Erhalt der Liquidität sowie einer starken Entwicklung in allen Geschäftsbereichen um 53% auf 6,6 (2019: 4,3) Mrd. €. Das bereinigte EBIT reflektiert das laufende Geschäft und betrug 8,6 (2019: 10,3) Mrd. €. Und: Wie gesagt, unter dem Strich steht ein Gewinn von vier Milliarden Euro, 1,4 Milliarden Euro werden an die Aktionäre ausgeschüttet. Wie geht es jetzt, auch mit Blick auf die Aufspaltung des Konzerns, für die Bussparte weiter? Der Geschäftsplan von Daimler decke das gesamte Jahr 2021 ab und beruhe auf der bestehenden Konzernstruktur, einschließlich Daimler Trucks & Buses, wie es seitens Daimler heißt. Die Abspaltung von Daimler Truck (inkl. der Bussparte), einschließlich wesentlicher Teile des damit verbundenen Finanzdienstleistungsgeschäfts, vor Ende des Jahres 2021 werde geprüft. Vor der Abspaltung werd Daimler Truck samt Bussparte als nicht fortgeführte Aktivität von Daimler klassifiziert. Die daraus in der zweiten Jahreshälfte zu erwartenden beträchtlichen positiven Effekte können derzeit noch nicht zuverlässig bestimmt werden. Wie sich das laufende Jahr mit Blick auf die Pandemie für die Wirtschaft entwickeln wird, hängt von zu vielen Faktoren ab. Fakt scheint aktuell nur, dass die Reisebusbranche, die dereit am Boden liegt, sich wohl nicht so schnell erholen wird, wie es nötig wäre, dass die Zahlen der Verkäufe sich insgesamt ins Positive kehren. Mit Blick auf Deutschland und die Marken Mercedes-Benz sowie Setra gibt es erste Zahlen, die vom Kraftfahrtbundesamt stammen: 3.168 Omnibusse in 2020, im Jahr 2019 waren es 3.372. Die magische Zahl von über 3.000 neu zugelassenen Omnibussen hat Daimler Buses nicht unterschritten, ganze 204 Omnibusse weniger sind mit Blick auf die Summe nicht viele Fahrzeuge, aber es ist ein Minus. Aber: Daimler Buses bleibt in Deutschland mit Abstand der Marktführer und behauptet nach wie vor den 1. Platz. Angebot und Nachfrage, aktuell ist das Angebot bei Daimler Buses an Reisebussen groß, die Nachfrage klein bzw. gar nicht vorhanden. Schnell kommen Betriebswirtschaftler nach einem Blick auf Angebots- und Nachfragefunktionen sowie den daraus resultierenden grafisch dargestellten Kurven zu dem Schluss, dass sich etwas ändern muss. Daimler Buses zog im letzten Jahr die Reißleine und ordnete für die Busproduktion in Neu-Ulm für Dezember einen Produktionsstopp an. Bis wann? Bis es wieder nennenswerte Aufträge gibt, so die Aussage seitens Daimler Buses. Aktuell ruht die Busproduktion in Neu-Ulm noch (Stand: 18.2.). Die Corona-Pandemie hat der Reisebus-Konjunktur in Europa einen Absturz beschert, der Fernbus-Boom in Deutschland scheint die besten Zeiten erreicht zu haben, Busunternehmern fehlt nicht nur das Geld für neue Omnibusse, sondern aktuell auch das Geld, um überhaupt weiter existieren zu können. Das Drama auf dem Reisebus-Markt kündigte sich mit dem Ausbreiten der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 an: “Seit März (Anm.: 2020) verzeichnen wir bei Reisebussen praktisch keinen Auftragseingang mehr”, sagte Michael Klein, Leiter der Daimler-Bus-Produktion, im November 2020 gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung. War die Produktion sonst bis zum Jahresende komplett belegt, stehe nun Kurzarbeit an. Aber nur in Neu-Ulm, denn dort entstehen – neben dem Werk in der Türkei – die Reisebusse der Marke Setra des Konzerns. In Mannheim, wo die Linienbusse produziert werden, sei die Auslastung derzeit noch weitgehend stabil, wie Till Oberwörder, der den Geschäftsbereich Busse bei Daimler verantwortet, im November letzten JAhres in der Rhein-Neckar-Zeitung erklärte. Nach Angaben der Zeitung soll er damals die Mitarbeiter auf schwierige Zeiten eingestimmt haben. “Wir beobachten aber eine Abschwächung der Auftragslage,” so wurde Oberwörder zitiert.Im Zusammenhang mit der Aufspaltung des Konzern wurde vereinzelt auch gleich schon von einer Abspaltung gesprochen. Doch Daimler-Chef Ola Källenius erklärte in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass der Automobilkonzern durch eine geplante Minderheitsbeteiligung „eine schützende Hand über Daimler Trucks halten“ werde. Und weiter: „Falls draußen im Markt etwas passiert, was nicht im Sinne von Daimler Trucks wäre, dann sind wir da“, sagte Källenius. Was heißt das nun genau für die Bussparte? Zunächst müsse auch sie als Teil der Nutzfahrzeugsparte die Kostenstruktur auf Vordermann bringen, wie  Daimler-Trucks-Chef Martin Daum in der Süddeutschen Zeitung erklärte: „Was die Kostenstruktur angeht, hat Europa Nachholbedarf. Daran arbeiten wir schon seit einiger Zeit“, sagte Daum. Durch die Herauslösung der Lkw- und Bussparte aus dem Konzern sieht Daum für die künftig unter Mercedes-Benz firmierende Autosparte keine größere Gefahr einer Übernahme. „Wenn es eine hypothetische Gefahr gäbe, dann ist die jetzt erst einmal deutlich geringer geworden“, sagte Daum in der Süddeutschen Zeitung. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere positive Dynamik beibehalten können, wenn die Marktbedingungen so bleiben. Wir wollen die Umsetzung unserer strategischen Pläne beschleunigen und unsere finanzielle Robustheit weiter verbessern. Die beabsichtigte Aufteilung unserer Industriegeschäfte soll das ganze Potenzial freisetzen – (…) von Daimler Truck als weltweit größtem und technologisch führendem Lkw- und Bushersteller“, sagte Källenius. Spannend, denn auch Till Oberwörder, Leiter Daimler Buses, bestätigt, dass für Daimler Buses 2020 ein wahrhaftes Ausnahmejahr gewesen sei und wie zu erwarten, habe das Pandemiegeschehen das abgelaufene Geschäftsjahr wesentlich beeinflusst. Fast täglich galt es, neuen Rahmenbedingungen und Herausforderungen auf den Busmärkten und in den Werken gerecht zu werden und dabei die langfristige strategische Ausrichtung im Hinblick auf technologisch hochwertige und nachhaltige Produkte und Mobilitätslösungen nicht aus den Augen zu verlieren. Was sind für Daimlers Bussparte die zukünftigen Handlungsfelder, Trends und Perspektiven für den Bus-Bereich? Die Truck-Sparte ist in Sachen Wasserstoff aktiv, nicht nur das Jont-Venture mit Volvo ist diesbezüglich ein Statement. Till Oberwörder wird sich in Kürze erklären, man darf gespannt sein, welche Auswirkungen die Zahlen auf die einzelnen Bereiche der Bussparte im vergangenen Jahr hatten und wie deren Zahlen (Mercedes-Benz versus Setra, Linie versus Reise) jeweils aussehen. Till Oberwörder hatte auf dem hauseigenen IAA-Ersatzevent im September letzten Jahres vor aller Öffentlichkeit “einige ziemlich aufregende Neuigkeiten” versprochen. Kommt jetzt vielleicht schon – mit Blick auf das Joint-Venture der sprichwörtliche große Knall(er) für den Reisebus? Ziel der Kooperation mit Volvo ist die serienreife Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Brennstoffzellensystemen. Der Fokus liege dabei auf dem Einsatz in schweren Lkw, zusätzlich sollen die Systeme aber auch für andere Anwendungen angeboten werden. Spannend! Um mit der “schützenden Hand über Daimler Trucks” dürfte Daimler Buses seinen führenden Anspruch trotz der rückläufigen Zahlen im Corona-Krisenjahr weiter ausbauen und interessante technische Neuheiten sowie Omnibusse präsentieren. (DaimlerBuses/FAZ/RNZ/SZ/PM/Sr)

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