FAW aus China zeigt Interesse an Iveco aus Italien. Foto: Iveco, FAW, Montage: omnibus.news

Während es bei Daimler im Rahmen der Aufteilung des Konzerns in die Pkw- und Nutzfahrzeugesparte ein deutliches Nein zum Verkauf der Bussparte gab, sieht dies bei Iveco ganz anders aus: Der italienische Nutzfahrzeugkonzern Industrial Vehicles Corporation (Iveco) ist Teil von CNH Industrial und bestätigt sowohl die Auf- bzw. Abspaltung des Konzerns in die Lkw- und Bussparte einschließlich der FTP-Motoren, die als das margenschwächere Geschäft des Konzerns an die Börse gebracht werden sollen, als auch Gespräche mit Chinesen. Wiederholt hatte die Nachrichtenagentur Reuters das Thema kommuniziert. Interesse aus dem Reich der Mitte hat die China FAW Group, ein staatlicher Kraftfahrzeug- und Motorenhersteller, schon im letzten Jahr bekundet. Mehr als nur Interesse, denn mittlerweile hätten nach Angaben von Reuters die Chinesen einen zweiten Anlauf unternommen, um die im Herbst letzten Jahres abgebrochenen Gespräche nun fortzuführen. FAW habe ein höheres Angebot für den vollständigen Kauf des Lkw- und Busherstellers und für eine Minderheitsbeteiligung am Motorenproduzenten FPT auf den Tisch gelegt, so die Aussage der Nachrichtenagentur, die sich auf Insdierwissen beruft. So geheim scheinen die Verkaufsverhandlungen aber gar nicht zu sein, denn ein Sprecher von CNH bestätigte die Gespräche mit FAW und auch die italienische Poltik ist alarmiert. Noch gebe es aber keine abschließende Vereinbarung über Umfang und Art einer “Kooperation”, wie es seitens CNH ganz diplomatisch heißt. Und aktuell ruhten die Gespräche, denn keiner der Beteiligten wollte aus coronabedingten Schwächen einen Vorteil ziehen. Aber: Die Italiener scheinen weiter zu pokern, denn das Blatt in der Hand erlaubt es: Über die Tochter Heuliez Bus ist Iveco beispielsweise im Elektrobusgeschäft gut vertreten, hunderte elektrisch angetriebene Linienbusse wurden allein von Paris bestellt. Und auch Iveco Bus selbst ist mit dem Crossway im Überlandbus-Segment sehr gut aufgestellt, hinzu kommen mit den CNG-Antrieben noch weitere Aktivitäten im Busmarkt, die sich durchaus positiv auswirken und Begehrlichkeiten wecken. Und es gibt über die Lkw-Sparte mit der Magirus GmbH bei CNH noch einen weltweit geschätzten Lieferanten von unterschiedlichen Feuerwehrfahrzeugen – insgesamt also ein richtig wertvolles Portfolio. Nicht zuletzt dürfte CNH mit dem Einstieg beim US-​amerikanischen E-Lkw-Startup Nikola punkten. Der E-Truck wird im Ulmer Werk von Iveco gefertigt. Das alles hat seinen Preis, keine Frage. Im September hatte FAW etwas mehr als drei Milliarden Euro für Iveco geboten. CNH hatte die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen. Insidern zufolge habe nach Angaben von Reuters auch das chinesische Industriekonglomerat Shandong Heavy Industry ein Angebot für Iveco von mindestens 3,5 Milliarden Euro abgegeben. Und FAW solle diese Summe jetzt übertrumpft haben. FAW hat keinen Hehl daraus gemacht, zu expandieren. Nicht nur in China, sondern in der ganzen Welt. Und ein Standort in Europa wäre mit Blick auf die Akzeptanz in diesem Markt sicher nicht verkehrt, auch wenn dieser vergleichsweise klein ist. Doch das, was Iveco im Angebot hat, kann ja auch gewinnbringend im Reich der Mitte verkauft werden. Ein Blick auf den Börsenchart zeigt, dass die Kurve seit einiger Zeit steigt, es scheinen mehr als nur Übernahmephantasien zu sein, wenn eine Aktie kräftig zulegt, oder? Mittlerweile ist die Politik auf dem Plan, auch wenn die Verhandlungen derzeit ruhen sollen: Wenn der Fahrzeughersteller CNH beschließt, die Iveco-Sparte an den chinesischen Hersteller FAW zu verkaufen, müsste dies von der italienischen Regierung genehmigt werden, wie es aus Rom heißt. Und Italiens Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti macht schon jetzt deutlich, dass er den möglichen Verkauf ganz genau untersuchen werde, wenn er denn zustande kommen sollte. Im Falle einer Übernahme kann Rom ein Veto einlegen oder auch Bedingungen diktieren, denn Iveco sei national bedeutsam und eine der Schlüsselindustrien in Italien, so der italienische Wirtschaftsminister. Es gehe immerhin um über 17.000 Arbeitsplätze. Und mit Iveco Defence Vehicles würden dann nämlich  Militärfahrzeuge nach China verkauft werden. Auch wenn Iveco Europas kleinster Nutzfahrzeughersteller ist, das, was die Italiener bieten, ist für Chinesen richtig interessant. Nach drohenden Worten aus Rom schweigen sich mittlerweile CNH und FAW aus, der Verkauf von Iveco als eine der Alternative zur geplanten Abspaltung, die ursprünglich Anfang 2021 abgeschlossen werden sollte, bleibt Gesprächsthema. Exor, CNH Industrials größte Aktionär, ist die Holdinggesellschaft der italienischen Agnelli-Familie. Die wiederum ließ erklären, dass sie nach Abschluss des Abspaltungsprozesses ein bedeutender Anteilseigner an beiden Unternehmen sein würde. Nachfragen zu dem, was denn als Abspaltungsprozesse verstanden werden könne und welche Unternehmen genau gemeint seien, lehnte man kommentarlos ab. (CNH/Exor/FAW/Iveco/Reuters/PM/Sr)

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