Mit dem Notbremssystem Active Brake Assist 5 und dem Abbiege-Assistenten Sideguard Assist halten einzigartige Assistenzsysteme Einzug in das Chassis-Programm von Mercedes-Benz. Foto: Daimler, Montage: omnibus.news

In einem Großteil der Welt setzen sich Omnibusse aus den beiden Komponenten Chassis – auch Fahrgestell genannt – und Aufbau von spezialisierten Herstellern zusammen. Mit dem Upgrade der Omnibus-Chassis Mercedes‑Benz OC 500 für Euro-VI-Motoren präsentiert Daimler Buses nach eigenen Angaben eine technologische Spitzenleistung.

Mit dem Notbremssystem Active Brake Assist 5 und dem Abbiege-Assistenten Sideguard Assist halten einzigartige Assistenzsysteme Einzug. Eine Fülle von Maßnahmen senkt den Kraftstoffverbrauch signifikant. Fahrer profitieren von hochmodernen Bediensystemen. Schließlich stehen Aufbau­herstellern noch mehr Features zur Verfügung.

Die neue Chassis-Generation steht in den Varianten OC 500 RF (Raised Floor) und OC 500 LE (Low Entry) zur Verfügung. Im Zentrum der neuen Generation der Chassisfamilie Mercedes-Benz OC 500 steht eine neue Elektrik-/Elektronikstruktur. Sie bildet die Basis unter anderem für neue Assistenzsysteme. Mit ihnen setzen die Fahrgestelle mit Stern branchenweit Maßstäbe.

Im Jahr 2008 von Mercedes-Benz vorgestellt, erreicht der seitdem fortwährend weiterentwickelte Active Brake Assist in seiner fünften Generation erneut ein höheres Leistungsniveau. ABA 5 arbeitet erstmals mit einer Kombination aus Radar- und Kamerasystem. Das Assistenzsystem kann innerhalb der Systemgrenzen eine automatisierte Vollbremsung bis zum Stillstand auf stehende und bewegte Hindernisse ausführen. A

ls weltweit erster Notbremsassistent für Omnibusse kann ABA 5 darüber hinaus sogar eine automatisierte Vollbremsung auf sich bewegende Personen ausführen. Eine Zusatzfunktion des Active Brake Assist 5 ist der radargestützte Abstandsregel-Tempomat (ART). Er ist beim Fahrgestell OC 500 RF optional an Bord.

Er entlastet den Fahrer auf Fernstraßen und Autobahnen. Erkennt das Assistenzsystem ein langsameres Fahrzeug voraus, bremst es den Omnibus automatisch ab, bis ein vom Fahrer vorgewählter geschwindigkeitsabhängiger Abstand erreicht ist, den das System dann konstant einhält.

Mit der Zusatzfunktion Stop-and-Go, dem Anhalte-Assistenten, wird der Geschwindigkeitsbereich des ART bis zum Stillstand erweitert, sofern es mit dem vollautomatisierten Getriebe Mercedes GO 250-8 PowerShift ausgestattet ist. Steht das Fahrzeug nur kurze Zeit, fährt der Omnibus automatisch wieder an, wenn sich das vorausfahrende Fahrzeug in Bewegung setzt.

Zu den herausragenden neuen Sicherheitsausstattungen des Chassis OC 500 gehört ebenfalls der optionale Abbiege-Assistent Sideguard Assist mit Personenerkennung. Er unterstützt den Fahrer vor allem beim Abbiegen in Ortschaften und schützt wirkungsvoll schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Fahrradfahrer.

Herzstück ist sind mit zwei Nahbereichs-Radarsensoren auf der Beifahrerseite. Befindet sich ein bewegtes Objekt in der Überwachungszone, leuchtet auf der Beifahrerseite in Blickhöhe des Fahrers eine LED in Dreiecksform gelb auf. Erkennen die Sensoren eine Kollisionsgefahr, blinkt die LED-Leuchte mehrfach rot mit höherer Leuchtkraft, nach zwei Sekunden permanent rot.

Hinzu kommt eine Vibrations­warnung im Fahrersitz. Der Sideguard Assist warnt ebenfalls vor stationären Hindernissen in der Abbiegekurve. Der Sideguard Assist ist für alle OC 500 lieferbar. Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen senken die Entwickler den  Kraftstoffverbrauch und somit die Emissionen nochmals spürbar ab.

Herausragende Bedeutung hat dabei der optionale intelligente vorausschauende Tempomat Predictive Powertrain Control (PPC). Er integriert eine an die Topographie angepasste Fahrweise in die Schaltautomatik und ermöglicht in Verbindung mit der präzise abgestimmten Schaltstrategie spürbare Kraftstoffeinsparungen.

PPC beschleunigt das Fahrzeug vorausschauend, nutzt Rollphasen aktiv durch EcoRoll mit Neutralposition des Getriebes und passt die Gangwahl automatisch der Topographie und den Streckenereignissen an. Dazu nutzt Predictive Powertrain Control neben dem satellitengestützten Ortungssystem auch präzise 3D-Karten.

Die neueste Generation von PPC deckt mit seinem erweiterten Kartenmaterial neben Autobahnen und Fernstraßen nun auch nahezu alle Außerortsstraßen in Europa ab. PPC führt über Landstraßen, berücksichtigt Kreuzungen und Kreisverkehre und ist mit dem Abstands-Regel-Tempomaten vernetzt.

PPC vermeidet auf kurvigen Überlandfahrten unnötiges Bremsen, Beschleunigen oder Schalten und unterstützt somit den Fahrer beim verschleißarmen und kraftstoffsparenden Fahren. Bei Bedarf können alle PPC-Eingriffe jederzeit vom Fahrer über eigenen Bremseingriff oder über Betätigung des Fahrpedals überstimmt werden. Er ist weiterhin in der Verantwortung für die Fahrt des Omnibusses. Voraussetzung für PPC mit vollem Leistungsumfang ist das vollautomatisierte Schaltgetriebe Mercedes GO 250-8 PowerShift.

Auch Details senken den Kraftstoffverbrauch. Die intelligente Bordnetzsteuerung mit Batteriesensor führt zu einer Aufladung der Batterien vorzugsweise im Schub- oder Bremsbetrieb. Das Reifendruckkontrollsystem TPMS (Tire Pressure Monitoring System) zeigt den aktuellen Druck in den einzelnen Reifen an und warnt bei Abweichungen vom optimalen Druck. Dies verringert den Verschleiß der Reifen, hat positiven Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch und verhindert gefährliche Reifenschäden.

Der Generationswechsel zum Wandler-Automatikgetriebe ZF Ecolife 2 in den Fahrgestellen OC 500 LE und dem zweiachsigen OC 500 RF senkt ebenfalls den Kraftstoffverbrauch. All dies und weitere Maßnahmen führen zu einer signifikanten Minderung des Kraftstoffverbrauchs und damit der Emissionen.

Bei einem Chassis liegt auf der Hand: Der exakte Wert hängt schlussendlich ebenfalls vom individuellen Aufbau und dem Einsatz des komplett aufgebauten Omnibusses ab. Daimler Buses betrachtet Wirtschaftlichkeit ganzheitlich. Deshalb werden alle Fahrgestelle der neuen Generation serienmäßig mit der Telematik-Box „Bus Data Center“ ausgestattet.

Sie dient als Übertragungseinheit für zahlreiche Daten. Damit öffnet sich die ganze Welt von Omniplus ON, den vielfältigen digitalen Dienst­leistungen der Servicemarke Omniplus von Daimler Buses nun auch für Chassis-Omnibusse. Omniplus ON vernetzt Fahrzeug, Fahrer, Unternehmen und Service miteinander und entwickelt daraus einen Mehrwert für Busunternehmen.

Bereits kostenlose Basisdienste schaffen Transparenz zu wichtigen Daten des Fuhrparks. Revolutionär ist Omniplus Uptime: Dieser Service überwacht und überprüft permanent die Fahrzeugsysteme. Neben der Technik steht ebenfalls der Fahrer im Mittelpunkt. Das neue optionale Assistenzsystem Driver Score bewertet die persönliche Fahrweise nach zahlreiche Parametern.

Das Assistenzsystem gibt dem Fahrer aktuelle Rückmeldungen zu seiner individuellen Fahrweise. Die entsprechenden Daten kann der Fahrer während der Fahrt oder im Anschluss im Display abrufen. Bei deutlichen Abweichungen von der Idealfahrweise erhält der Fahrer praxisnahe Hinweise zur Optimierung seiner Tätigkeit.

Mercedes Benz Omnibusse sind traditionell sehr fahrerorientiert. Dies spiegelt sich ebenfalls bei den umfangreich aufgewerteten Chassis wider. Das beginnt bereits beim Motorstart, denn ein optional erhältlicher Multifunktionsschlüssel ersetzt den herkömmlichen Zündschlüssel. Zur Ausstattung des Cockpits gehört ein Multi­funktionslenkrad. Ebenso ist stets ein Regen-Licht-Sensor verbaut.

Neu ist ebenfalls die übersichtliche Instrumentenanlage einschließlich Zentraldisplay. Sie stammt – ebenso wie das Multifunktionslenkrad – von einem namhaften Markenkollegen, dem Mercedes-Benz Tourismo. Bestandteil der Armaturentafel ist der Knauf der serienmäßigen elektronischen Feststellbremse.

Sie vereint einfaches Handling und hohe Sicherheit. Der Fahrer aktiviert die Feststellbremse manuell durch Ziehen des Hebels oder durch das Drücken der Taste „P“. Er löst die Feststellbremse entweder durch einen Tritt auf das Fahrpedal oder durch erneutes Drücken der Taste „P“.

Optional ist eine Hold-Funktion integriert. Sie wird im Stillstand durch verstärktes Treten des Bremspedals aktiviert. Die Bremse löst erst, wenn der Fahrer das Fahrpedal erneut betätigt. Beim Anfahren am Berg unterstützt das System den Fahrer durch die serienmäßige integrierte Anfahrhilfe. Schließlich wird die Feststellbremse automatisch aktiviert, wenn der Omnibus steht und der Fahrer die Zündung ausschaltet. Somit ist der Omnibus gegen unbeabsichtigtes Wegrollen gesichert.

Aufbaufreundlichkeit spielt bei Fahrgestellen eine große Rolle. Mechanisch und in ihren Aggregaten ist die neue Chassisgeneration weitgehend unverändert geblieben. Neu ist eine zusätzliche Schnittstelle zwischen Chassis und Aufbau über CAN‑Datenbus. Sie ermöglicht zusätzliche Funktionen und Hinweise.

Dazu gehört zum Beispiel eine Anfahrsperre bei geöffneter Tür, Hinweise auf geöffnete Klappen in der Instrumententafel oder eine Warnung wegen der geöffneten Tür der Fahrerkabinentür bei einem Linienbus auf dem Low-Entry-Chassis. Die neue Fahrgestell-Generation deckt mit ihren Varianten nahezu alle Einsätze ab.

Mercedes-Benz OC 500 RF: Zwei- und Dreiachs-Chassis für Hochbodenbusse mit den Motoren Mercedes-Benz OM 936 und OM 470, einer Leistungsspanne von 220 kW (299 PS) bis 335 kW (456 PS) und Getriebevarianten vom manuellen Schaltgetriebe Mercedes GO-190 über das vollautomatisiertes Schaltgetriebe Mercedes GO 250-8 PowerShift bis zum Wandler-Automatikgetriebe ZF Ecolife 2.

OC 500 LE: Zweiachs-Chassis für Low-Entry-Busse, Motor Mercedes-Benz OM 936, Leistung 220 kW (299 PS) oder 260 kW (354 PS), Wandler-Automatikgetriebe ZF Ecolife 2. Alle Ausführungen des OC 500 sind als Links- und Rechtslenker verfügbar, sämtliche Motoren entsprechen der aktuellen Abgasstufe Euro VI E. (DaimlerBuses/Mercedes-Benz/PM/Sr)

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