Gruppenbild mit NBfL: Alle Maßstäbe, alle Materialien – aber immer im traditionellen Rot. Foto: Schreiber

Boris Johnson und Martyn Weaver mit dem ersten Prototypen des NBfL. Foto: Corgi

Bye, bye, Boris-Bus: In London ist er schon wieder Geschichte, im kleinen Maßstab ist der New Bus for London mehr denn je gefragt. Von Anfang an war der New Bus for London für Transport for London (TfL) etwas Besonderes. Nicht nur, weil Boris Johnson als Bürgermeister damit erfolgreich Wahlkampf machte. Auch weil die Londoner damit eine Wende einläuteten: Vor über sechs Jahren erklärten sie, das weltweit führende „grüne“ Nahverkehrsunternehmen werden zu wollen. Hybridbusse waren damals die Hoffnungsträger, allen voran der neue Doppeldecker. Heute sieht die Welt ganz anders aus: Dem neuen Bürgermeister Sadiq Khan sind die Designer-Hybridbusse zu teuer, er sieht die Zukunft in der Elektromobilität. Die hat bereits begonnen, ein roter Doppeldecker fährt schon rein elektrisch durch London. Spannend ist die Geschichte der Modellbusse des New Bus for London: Angefangen hat alles mit einer Lizenz für Corgi. Der britische Modellfahrzeughersteller erwarb die exklusiven Rechte, den patentierten neuen Doppeldecker im kleinen Maßstab nachbilden zu dürfen. 76-fach verkleinert kam der Modellbus zwar nicht wie geplant parallel zur Indienststellung der ersten sechs Doppeldecker im März 2012 in den Handel, sondern mit einem halben Jahr Verspätung.

Das Sammlermodell von Corgi. Foto: Schreiber

Corgi bietet zwei Modelle der Sammlerminiatur an. Foto: Schreiber

Das sei der Produktion in China geschuldet, wie Martyn Weaver sagte, der das Modellbus-Projekt bei Corgi seinerzeit betreute. Not amused war der Brite, als plötzlich ein 45-fach verkleinerter New Bus for London unbekannter Herkunft auftauchte. Blinkend, mit Musik und ganz selbstständig dreht er seine Runden. Auch wenn es ein Spielzeug ist, die Formensprache ist gut getroffen. Der ohne Lizenz gefertigte neue Modellbus kam zu den olympischen Spielen in London in den Handel und hatte passend eine Bandenwerbung mit „London 2012 Olympic Games“. Außerdem schmücken stilisierte Sportler und Olympische Ringe den roten Plastikbus.

Die Kopie aus China in zwei Baugrößen. Foto: Schreiber

Mittlerweile gibt es vier andere Bedruckungen, denn Corgi hat es nicht geschafft, die exklusiven Rechte geltend zu machen. Weil neben dem durchaus teuren, detaillierten Modellbus auch eine preiswerte Miniatur gefragt ist, hat Corgi noch eine 74-fach verkleinerte Variante für Touristen aufgelegt. Diese verzichtet auf viele Details bei den Gravuren der Karosserie oder auch bei der ansonsten sehr aufwändigen Bedruckung. Und selbst beim nachgebildeten Innenraum geht es sichtbar sparsamer zu: Es gibt keine Haltestangen oder Trennwände mehr. Zwanzig verschiedene Bedruckungen hat Corgi für Sammler bisher aufgelegt, als Souvenir gibt es bislang drei. Um den Kaufreiz bei Sammlern zu erhöhen, ist teilweise das Zielschild einer Auflage mit gleich zwei unterschiedlichen Liniennummern und Orten aufgedruckt. Alles ganz vorbildgerecht, genauso wie die dritte Tür, die Tür des Hecks: Sie gibt es geöffnet und geschlossen.

Touristen- und SammlerModell von Corgi. Foto: Schreiber

Beim Sammlermodell gibt es beide Versionen, für die Touristen nur die mit geöffnetem Heck. Wer sich für den kleinen New Bus for London interessiert, der kommt um ein weiteres Spielzeug nicht herum: Im Maßstab 1/60 gibt es den Doppeldecker, der mit einem Rückzugsmotor ausgestattet ist, auch noch. Wie bei dem anderen Spielzeug-Bus ist der Hersteller hier nicht bekannt. Während die Bandenwerbung noch dem Vorbild entspricht, muss man bei den Proportionen Abstriche machen. Anders sieht es bei dem neuesten Boris Bus aus: Tiny aus Hong Kong hat ihn in 100-fach perfekt verkleinert. Der neue Doppeldecker wurde von der britischen Tourismuszentrale auf eine Weltreise geschickt und erhielt bei Tiny genau diese Lackierung und Bandenwerbung.

Tiny aus Hong Kong hat in 100-facher Verkleinerung ein gelungenes Modell aufgelegt. Foto: Schreiber

148 Modelle von Oxford können hintereinander aufgestellt werden, um den großen NBfL in der Länge nachzubilden. Foto: Schreiber

Noch kleiner ist nur der Modellbus von Oxford Diecast: 148 Modelle könnte man hintereinander aufstellen, dann wäre das große Vorbild erreicht. Auch dieser Boris Bus erhält viel Zuspruch, denn selbst in diesem kleinen Maßstab ist die Bedruckung gestochen scharf. Genau hinsehen muss man beim Bastelbogen im Maßstab 1/70, den Arriva als einer der Betreiber eines New Bus for London auf seiner Website anbietet. Die Laschen zum Kleben der Karosserie müssen exakt ausgeschnitten werden, sonst passen die Bauteile nicht. Ganz entspannt kann sich Boris Johnson zum Abschied seines roten Doppeldeckers zurücklehnen: Im Shop von Transport for London gibt es den New Bus for London nun als Kissen. Nicht einfach ein Kissen mit einem Aufdruck, sondern der Form des Vorbildes nachempfunden. Das ist in der Welt der Modellbusse auch etwas Besonderes. Rüdiger Schreiber

Den NBfL gibt auch sogar als Kissen… Foto: TfL

Der Bastelbogen mit geschlossener Tür. Foto: Schreiber

Das Modell von Corgi für die Touristen verzichtet auf viele Details. Foto: Schreiber

Eindeutig ein NBfL, aber eher ein Spielzeug. Foto: Schreiber

Blinkt und fährt: Die große Variante des NBfL aus China. Foto: Schreiber

Corgi und Tiny – beide voller Stolz für das britische Empire. Foto: Schreiber

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