
Wird so das Heck des E-Reisebusses von BYD für Europa aussehen? Foto: BYD

BYD fuhr bei den BEV-Bus-Neuzulassungen in 2025 in Deutschland auf den 3. Platz vor, Horst Woitschig, BYD Salesmanager Bus D/A/CH freut es. Für 2026 verspricht er noch mehr Neuzulassungen… Foto: Schreiber; Montage: omnibus.news
Nach batterieelektrischen Stadt- und Überlandbussen will BYD nun auch einen E-Reisebus in Europa anbieten. Noch 2026 soll ein entsprechendes Fahrzeug zunächst für den Markt in Großbritannien vorgestellt werden. Der erste batterieelektrische Reisebus sei speziell für den britischen Markt konzipiert und keine einfache Anpassung eines bereits in anderen Märkten angebotenen Fahrzeugs, erklärte Frank Thorpe, Geschäftsführer des Nutzfahrzeuggeschäfts von BYD UK. Auf der FIAA 2026 in Madrid deutete BYD an, dass zeitnah weitere Modelle für Europa folgen sollen.
Horst Woitschig, der den Vertrieb im D/A/CH-Raum bei BYD Europe leitet, bestätigte gegenüber omnibus.news die Pläne für einen lokal emissionsfreien Reisebus für den deutschen Markt. Als Zeitpunkt für den Start in Europa annte BYD das Jahr 2027. Das Segment habe man schon länger im Visier, erklärte das Unternehmen in Madrid. Noch bremse allerdings die fehlende Ladeinfrastruktur die Marktentwicklung. Diese komme europaweit deutlich langsamer voran als im Stadtbussegment. An mangelnder Erfahrung oder langen Entwicklungszeiten liege es nicht, betonte BYD.
Das Unternehmen verwies auf seine Erfahrungen mit batterieelektrischen Reisebussen und erinnerte an das Fahrzeug, das ab 2018 in Deutschland erprobt wurde. Damals schickte FlixBus einen BYD C9 auf die Strecke Mannheim–Frankfurt. Nach rund 13 Monaten endete der Testbetrieb im Dezember 2019 vorzeitig. Als Gründe nannte der Fernbusanbieter wiederkehrende technische Probleme, insbesondere mit der Ladeinfrastruktur. Seitdem hat sich die Batterietechnik deutlich weiterentwickelt – Fortschritte, die sich auch beim Laden batterieelektrischer Lkw zeigen.
Elektro-Reisebusse sind bislang eine Nische und vor allem im Fernlinienverkehr anzutreffen. Die Anforderungen sind hoch: Lange Tagesfahrleistungen, Autobahngeschwindigkeiten, Klimatisierung, anspruchsvolle Topografien und die Mitnahme von Gepäck verlangen eine sorgfältige Abstimmung von Batteriekapazität, Reichweite, Fahrzeuggewicht und Nutzlast. Auch bei BYD mahnt man die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur – an Betriebshöfen und entlang der Reiserouten sowie an touristischen Hotspots – an.
Entscheidend für die Verbreitung und entsprechend große Stückzahlen sei jedoch der Ausbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur an Betriebshöfen, entlang der Reiserouten und an touristischen Zielen, wie BYD erklärte. Wie groß der Abstand zum Stadtbussegment weiterhin ist, zeigen die Marktdaten. Ende 2024 waren in Europa nach Angaben der Europäischen Kommission rund 23.000 batterieelektrische Busse im Einsatz, nahezu ausschließlich im Stadtverkehr. Laut einer Auswertung des International Council on Clean Transportation (ICCT) lag der Anteil emissionsfreier Fahrzeuge an den neu zugelassenen Überland- und Reisebussen in der EU im ersten Halbjahr 2025 bei lediglich rund drei Prozent.
Die Elektrifizierung schreitet damit voran, allerdings deutlich langsamer als im Stadtbusbereich. Auch europäische Hersteller arbeiten an Lösungen für das Segment. MAN ist in der Spur und präsentierte auf der Busworld 2025 den Lion’s Coach E – erste Fahrzeuge sollen noch 2026 ausliefern. Daimler Buses nähert sich mit dem „ELCH“-Projekt dem lokal emissionsfreien Reiseverkehr. Scania und Volvo Buses sind schon einen Schritt weiter und haben – wie MAN – schon entsprechende Angebote für dieses Marktsegment und treten damit der wachsenden Konkurrenz aus China entgegen.
Wie Horst Woitschig durchblicken ließ, werde wohl ein zwölf Meter langes Fahrzeug den Anfang machen. Als Reichweite strebe BYD mindestens 600 Kilometer an. Die tatsächliche Reichweite hänge jedoch stark vom Einsatz ab; die von Ort zu Ort unterschiedlichen Parameter müssten berücksichtigt werden. Dem zwölf Meter langen batterieelektrischen Reisebus werde zeitnah ein 15 Meter langer Dreiachser folgen. Und um möglichen Förderbedingungen gerecht zu werden, werde BYD die lokal emissionsfreien Reisebusse für den europäischen Markt im ungarischen Komárom produzieren.
Die Busbranche blckt gespannt nach Großbritannien: Eine mögliche Gelegenheit für BYD, den angekündigten Elektro-Reisebus vorzustellen, wäre die Euro Bus Expo 2026. Sind findet vom 3. bis 5. November 2026 in Birmingham statt. BYD ist dort als Aussteller vertreten, wie auf der Website der Euro Bus Expo zu lesen ist. Die bisher veröffentlichte Ausstellerübersicht nennt allerdings nur die Elektrostadtbusse B11 und BD11, nicht den angekündigten E-Reisebus. Eine Premiere auf der Messe ist daher bislang nicht bestätigt…
Was bestätigt ist, ist ein Vertriebsteam. Horst Woitschig erklärte gegenüber omnibus.news, dass der Verkauf des E-Reisebusses über die neue Händlerstruktur samt Vertriebsteam erfolgen werde. Damit reagiere man auf die Unterschiede zum Linienbusgeschäft, das weitgehend über Ausschreibungen laufe, so Woitschig. Außerdem werde BYD die Aftersales-Strukturen weiterentwickeln, aktuell seien es nach Angaben Woitschigs 16 Werkstätten, die deutschlandweit als Partner für Omnibusse von BYD gewonnen werden konnten.
Bei der Ersatzteilversorgung werde BYD auf die bestehenden Strukturen aus dem Geschäft mit E-Linienbussen zurückgreifen. Dafür unterhalte man in den Niederlanden ein rund 18.000 Quadratmeter großes Ersatzteillager, von dem aus Teile europaweit verschickt werden würden, so Woitschig. Die Lieferung erfolge per Nachtkurier bis zum folgenden Morgen. Außerdem biete BYD auch einen 24-Stunden-Versand an. (BYD/omnibus.news/Sr)