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Doppeldecker gehören zu Berlion. Die Linie 100 der BVG ist nicht nur bei Touristen beliebt… Foto: Schreiber

Die BVG hat die Nachfolger der großen Gelben im Visier. Weder Scania, noch VDL werden scheinbar mit ihren zweiachsigen Doppeldeckern das Rennen machen. Warum nicht? Die sind nach Angaben der BVG zu klein! Gelbe Riesen gehören zu Berlin, wie man bei der BVG meint. Über 400 Doppeldecker nennt die BVG ihr Eigen. Doch die Dreiachser vom Typ Neoman A 39 sind im harten Berliner Alltag rasch in die Jahre gekommen. Ein Nachfolger muss her. Dafür kaufte die BVG zwei Unikate: VDL hat aus der Citea-Baureihe eigens für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen Linienbus-Doppeldecker entwickelt. Der Doppeldecker folgte als Unikat einer Großbestellung, denn die Berliner hatten sich nach einer zweijährigen Probephase im Sommer 2014 für die Bestellung von 236 Citea LLE entschieden. Die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Dr. Sigrid Evelyn Nikutta präsentierte zudem auch noch einen neuen Doppeldecker von Scania. Scania hat den Doppeldecker-Prototypen aus der Citywide-Baureihe entwickelt. Warum die BVG kleine Busse erprobte, ist klar: Der Verkehrsbetrieb hofft auf „kleinere“ Kaufpreise und geringere Betriebskosten. Die großen Dreiachser, die leer mehr als 17 Tonnen wiegen, verbrauchen auf hundert Kilometer bis zu 60 Liter Diesel. Auch hier will die BVG sparen. Mit den neuen Doppeldeckern testete die BVG auch zahlreiche technische Innovationen, wie beispielsweise eine Anzeige im Unterdeck, die über die Anzahl noch freier Sitzplätze im Oberdeck informiert. „Die jüngste Doppeldeckergeneration ist zwar erst etwas mehr als zehn Jahre alt, aber man muss sich vor Augen führen, welche langen Strecken auch diese Busse zurücklegen – in der Regel pro Bus mehr als 70.000 Kilometer pro Jahr“, sagt Nikutta gegenüber der Berliner Zeitung. „Derzeit sind wir in einer intensiven Diskussion, wie die neuen Berliner Doppeldecker aussehen sollen.“ Fakt ist: „Wir werden wieder große Doppeldecker beschaffen“, sagt eNikutta. „Sie passen auch besser zur wachsenden Stadt.“ Berlin wächst, auch die Zahl der BVG-Fahrgäste nimmt zu – da käme es schlecht an wenn das Unternehmen kleinere Busse beschaffen würde. Der Senat machte deutlich, dass dies schlecht zum Trend passen würde. Und der Berliner Fahrgastverband IGEB warnte: Kleinere Busse könnten „keinesfalls“ ein Ersatz für die heutigen großen Doppeldecker sein. Der Anteil der großen Busse solle sich nicht verändern, so Nikutta. „Unser Grundsatzentscheidung ist, dass rund ein Drittel unserer Busflotte aus Doppeldeckerbussen besteht. Dabei wird es vorerst bleiben.“ Bis allerdings die ersten neuen Fahrzeuge im Einsatz sind, werden noch Jahre vergehen. „Wir gehen davon aus, dass die ersten neuen Doppeldecker 2021 oder 2022 durch Berlin fahren werden“, sagte Nikutta. Und weiter: „Damit die jetzigen Fahrzeuge solange durchhalten, müssen sie nun nach und nach in die Werkstatt. Um sie auf Vordermann zu bringen und für weitere Einsatzjahre fit zu machen, stellen wir jetzt 22 Millionen Euro bereit.“ Der Berliner Senat will die Kapazitäten bei den Bussen und Bahnen um 20 Prozent ausbauen lassen, wie die Berliner Zeitung auch unlängst meldete. Damit wollen Politik und Verkehrsbetriebe auf die steigende Einwohnerzahl der Stadt und die jetzt schon oft überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel reagieren. Wie ernst die Lage ist, erkennt man daran, dass die Aussage vom Stadtentwicklungs- und Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) bei der Vorstellung eines Zwischenberichts zum Stadtentwicklungsplan Verkehr stammt. Der Senator betonte, dass im neuen Verkehrsvertrag mit der BVG festgeschrieben werden müsse, dass es 20 Prozent mehr Fahrzeuge für U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen geben werde – oder dass größere Fahrzeuge mehr Passagiere aufnehmen könnten.Hier kommen dann auch die neuen Doppeldecker ins Spiel, die die BVG anschaffen will. Geisel, der im Dezember aus dem Amt scheiden wird, betonte aber auch, dass der Autoverkehr in Berlin seine Berechtigung habe. Auch hier müssten die Kapazitäten den Anforderungen angepasst werden. „Die alleinige Konzentration auf den öffentlichen Nahverkehr geht nicht.“ Geisels Nachfolger als Verkehrssenator soll von den Grünen kommen, die sich in den Koalitionsverhandlungen vor allem auf Radfahrer und Nutzer von Bussen und Bahnen konzentrierten. Und Omnibushersteller wie Alexander Dennis haben den Blick auf Berlin gerichtet: Hier stehen bekanntlich über 400 Doppeldecker vor der Ablösung. Der Enviro 500 bietet eine größere Kapazität als die bisherigen Standardbusse und zweiachsigen Doppeldecker. Auch nicht zu unterschätzen: Der Enviro 500 verursacht nicht mehr Emissionen. Den Doppeldecker gibt es als Zweiachser mit klassischem Diesel- und als Hybridantrieb, ein Hybridantrieb ist auch bei dem Dreiachser möglich sein. Alexander Dennis hat sogar einen Elektro-Doppeldecker in Vorbereitung, ab 2020 soll er lieferbar sein. Der stünde Berlin gut, denn der Berliner Senat hat dem Verkehrsbetrieb vorgeschrieben, in naher Zuzkunft nur noch emissionsfreie Omnibusse zu kaufen. Doch vorher wird neu verhandelt: Der derzeitige Vertrag mit der BVG läuft bis 2020. Danach soll es einen neuen Vertrag bis 2035 geben.

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