Die Hamburger Behörde für Verkehr und Mobilitätswende hat ein neues Digitalisierungsprojekt zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs im Nordosten der Stadt vorgestellt. Foto: Hochbahn

Der ÖPNV ist ein bedeutendes Rückgrat der Mobilitätswende in Hamburg. Ziel ist es, das Angebot, die Pünktlichkeit und den Komfort für die Fahrgäste weiter nachhaltig zu erhöhen. Das Projekt „BiDiMoVe“ (steht für “Bidirektional, Multimodal, Vernetzt”) setzt genau dort an: Auf einem Teilabschnitt der Metrobus-Linie M26 in Rahlstedt wird eine neuartige Kommunikationstechnik in die dort verkehrenden Busse eingesetzt.

Ebenso werden neun Lichtsignalanlagen entlang der Strecke zwischen dem Bahnhof Rahlstedt und „Am Luisenhof“ in Farmsen mit der modernen Technologie ausgerüstet. Die Systeme in den Bussen und an den Ampeln können so miteinander kommunizieren und sorgen auf diese Weise für eine bus-optimierte Ampelschaltung, eine erhöhte Pünktlichkeit sowie mehr Fahrplantreue. Die Busfahrer:innen erhalten Empfehlungen zu den optimal zu fahrenden Geschwindigkeiten.

Damit wird im Sinne der Mobilitätswende und des angestrebten Hamburg-Takts eine bedarfsgerechte Priorisierung des öffentlichen Nahverkehrs auf einer wichtigen Tangentialverbindung im nordöstlichen Busnetz der äußeren Stadt erprobt.

Darüber hinaus ermöglicht es das System, dem Busfahrer bzw. der Busfahrerin Warnsignale beim Abbiegen direkt ins Cockpit zu geben, um auf parallel verkehrende Rad- und Rollerfahrende reagieren zu können. Das System zahlt also auch auf die Erhöhung der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmenden ein, es ist Teil der Hamburger ITS-Strategie. Dabei wird eine spezielle Wärmebildkamera an Kreuzungen, an denen der Bus den Radverkehr kreuzt, eingesetzt.

Diese Kamera erkennt Radfahrende aufgrund deren Infrarotstrahlung als Differenz zur Umgebungstemperatur und sendet dem System direkt Informationen über Fahrtrichtung und Geschwindigkeit des Radfahrenden. Im Bus werden diese Informationen mit den Fahrdaten des Busses verknüpft und ausgewertet. Sobald eine Kollision zwischen Bus und Radfahrenden droht, wird eine Warnmeldung in der A-Säule des Busses und in dem Kombiinstrument angezeigt.

Die Kosten für das im Oktober 2018 gestartete Forschungsprojekt, das noch bis zum 30. September läuft, belaufen sich auf insgesamt 4,7 Mio. Euro, das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) fördert die Maßnahme im Rahmen der Förderrichtlinie „Automatisierung und Vernetzung im Straßenverkehr“ mit 3,7 Mio. Euro. Neben der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM), dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und der Hamburger Hochbahn zählen NXP Semiconductors Germany GmbH, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Institut für Automation und Kommunikation aus Magdeburg, die GEVAS software GmbH, die Hamburg Verkehrsanlagen GmbH, die Escrypt GmbH, die Schlothauer & Wauer Ingenieurgesellschaft für Straßenverkehr mbH sowie die ITS mobility GmbH zu den Projektbeteiligten.

Der neue Ansatz ermöglicht erstmals eine Multi-Kriterien-Optimierung von Lichtsignalanlagen-Schaltungen und ließe sich später auch auf andere Anwendungsfälle, wie zum Beispiel der Bevorrechtigung von Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr oder der Polizei, übertragen. Derzeit sind neun Lichtsignalanlagen zwischen Bahnhof Rahlstedt und Am Luisenhof in Farmsen bereits mit BiDiMoVe ausgerüstet.

Vernetztes Fahren auf Grundlage Intelligenter Verkehrssysteme soll sichere, saubere, effiziente und somit zukunftsfähige Mobilitätsangebote ermöglichen. Dabei steht beim Projekt BiDiMoVe „Bidirektional“ dafür, dass Signale in beide Richtungen (von der Ampel an den Bus und umgekehrt) erfolgen. „Multimodal“ meint die Verkettung mehrerer Verkehrsmittel im Umweltverbund und „vernetzt“ die Verbindung von Fahrzeugen und Infrastruktur im beschriebenen Verkehrssystem.

Durch den Einsatz einer modernen Public Key Infrastructure (PKI) und der Nutzung anonymisierter Zertifikate kommt der IT-Sicherheit des Systems bei der Umsetzung eine entscheidende Bedeutung zu. Hierbei werden digitale Zertifikate für die Kommunikation zwischen den Linienbussen und den Ampeln bereitgestellt. Die Kommunikation erfolgt außerdem über ITS-G5, um Verkehrsabläufe sicherer und effizienter zu machen.

Die Metro-Buslinie 26 verkehrt zwischen Bahnhof Rahlstedt und der U-Bahnstation Alsterdorf bzw. U-Kellinghusenstraße und verbindet auf einer tangentialen Strecke die Stadtteile Rahlstedt, Farmsen-Berne, Bramfeld, Steilshoop, Ohlsdorf, Barmbek-Nord, Winterhude und Eppendorf miteinander. Pro Werktag sind auf der Linie über 11.500 Menschen unterwegs. Damit ist die eine wichtige Verbindungsachse in der äußeren Stadt. Die Linie ist Bestandteil des Ausbauziels B des Busoptimierungsprogramms. Im Rahmen des Busoptimierungsprogramms wird die gesamte Metro-Buslinie 26 optimiert. Wesentliche Elemente sind dabei der barrierefreie Umbau der Haltestellen und die Ausstattung der vorhandenen Lichtsignalanlagen (LSA) mit Busbevorrechtigung. So sollen weitere infrastrukturelle und verkehrstechnische Verbesserungen erreicht werden (BfVuM/Hochbahn/PM/Sr)

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