Wo geht die Reise hin? Die Keynote der Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten und Tristan Torx war als Inspiration an den Anfang der Bus2Bus special edition gestellt worden. Foto: MesseBerlin

Reichlich Technik hatte die Messe Berlin aufgefahren, um die Bus2Bus digital möglich zu machen. Foto: Messe Berlin

Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer richtete sich an die Busunternehmer und sagte: “Ihre Branche ist eine Zukunftsbranche.” Foto: Screenshot Messe Berlin/omnibus.news

Nach und nach wurden im letzten und in diesem Jahr alle Messen, die für die Busbranche von Relevanz sind, pandemiebedingt abgesagt. Auch die Bus2Bus 2021 als physische Messe findet in diesem April nicht statt. Stattdessen gab es heute mit der so genannten “Bus2Bus special edition” einen Versuch, das nötige Miteinander und den Austausch, von dem die Branche lebt, zumindest ansatzweise erlebar zu machen. Die Messe Berlin hatte entsprechendes technisches Equipment bereitgestellt, um so etwas wie ein Messeflair digital zu präsentieren. Zum Start begrüßte mit Martin Ecknig der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Berlin die Teilnehmer des digitalen Events und erklärte, dass das neue Format viel Potential habe und man es für die Bus2Bus 2022 beibehalten werde, zur Ausstellkung werde es dann parallel auch im Onlinebereich etwas Spannendes geben. Karl Hülsmann, Präsident des Bundes Deutscher Omnibusiunternehmer (BDO), betonte gleich zu Beginn der Bus2Bus special edition, dass die Busbranche vor Veränderungsprozessen stehe und viele in Sorge seien, die Pandemie überhaupt überstehen zu können. Man brauche deshalb eine Veränderung sowie eine Verlängerung der Hilfen. Hülsmann machte deutlich, dass viele der Busunternehmen als so genannte Mischbetriebe aktiv seien und die würden zurzeit durch alle Raster fallen. Immernoch stehe die Senkung der Mehrwertsteuer im Fernverkehr im Raum, dies würde einen Neustart begünstigen. Ein weiteres Sorgenkind für private Busunternehmer wäre das Thema der Insolvenzabsicherung.  belaste die privaten Busunternehmen zu sehr. Mit dem vom BDO bei der Politik vorgelegten Konzept zum Neustart hoffe man, bald wieder fahren zu können. Morgens um zehn Uhr startete die erste von vier Sessions, die der Namensgebung der Messe folgend dann Bus2Inspire hieß. Hier ging es darum, den digitalen Messebesucher aufzuzeigen, welche Rolle der Omnibus im Mobilitätsmix der Zukunft haben könnte. Das Grußwort sprach mit Andreas Scheuer der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Neues gab es nicht, kein Zeichen eines Starts für die seit einem Jahr stillstehenden Reisebusse. Immerhin gab er zu, dass der Omnibus auch zukünftig eine Rolle spielen werde. Auf das vom Bundesverband Deutscher Busunternehmer eingereichte Konzept für einen Restart der Reisebusbranche ging der Bundesverkehrsminister mit keinem Wort ein. Und ja, Hilfsprogramme gibt es, das erwähnte er, denn man wisse, wie extrem schwierig die aktuelle Lage für die Busbranche sei. Seine Vorliebe für automobiles Fahren machte der Bundesminister hingegen wieder einmal dann ganz deutlich und erklärte noch einmal, dass das autonome Fahren alles in Frage stellen werde. Scheuer wiederholte, was seit der Elektrobuskonferenz des VDV bereits bekannt ist: Der Bund wird den Kauf von Bussen mit Batterie-, Brennstoffzellen- oder Biomethanantrieb sowie Oberleitungsbussen mit 1,2 Milliarden Euro bis zum Jahr 2024 fördern. Doch was heißt das für die Busbranche? Um einen Platz in der Zukunft zu finden oder zu suchen, folgte die mit Spannung erwartete Keynote der Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten und Tristan Torx. Beide sind sich einig, dass die Mobilität der Zukunft ganz andere Formen – einschließlich der Fahrzeuge – haben wird. In ihren Untersuchungen für die Fahrzeugindustrie hätten sie festgestellt, dass die Jugend das Auto heute schon hinterfragen würde, so Dr. Carsten. Der Pkw hätte nach dem Krieg eine Rolle gespielt, heute sei er weder Statungsymbol noch Fortbewegungsmittel. Aktuell sei dies pandemiebedingt sicherlich nicht zutreffend, doch in Nach-Corona-Zeiten werde man dies eindeutig sehen. Und Tristan Torx erklärte auch warum: Zukünftige Mobilitätsmittel seien eindeutig mehr an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert. Mobilität werde eine geteilte  Fortbewegung werden, es gebe mittelfristig keinen Bus mehr von der Stange. Modulare Ausstattungsmerkmale werden  standardisierte Gefäße gleicher Größe ablösen. Anschließend hatten die Zukunftsforscher einen Fragenkatalog vorbereitet, der mit Einspielfilmen von Vertretern der Busindustrie beantwortet wurde. So konnten sich interessierte Busunternehmer inspirieren lassen, wohin für sie die Reise gehen könne, wenn man denn Reisebusse wieder rollen lassen werde. Es folgte als zweiter Teil die Preisverleihung des Internationalen Busplaner Nachhaltigkeitspreises des Huss-Verlages, der in 12 Kategorien vergeben wurde. Etwas zu lang, etwas zu werblich durch die vielen Imagefilme der ausgezeichneten Hersteller in den einzelnen Kategorien. Zum fünften Mal hat die Fachzeitschrift die Auszeichnungen vergeben, in Zeiten einer Pandemie mit der einen oder andere Live-Schalte zu den Siegern. Viele Preisträger waren aber auch vor Ort, diese standen dann auch als Gesprächspartner im weiteren Verlauf der Veranstaltung in den entsprechenden Sessions zur Verfügung. Zur Jury gehörten Claus Bünnagel, Chefredakteur Busplaner sowie ebenfalls aus dem Huss-Verlag Robert Domina, der Ressortleiter Test + Technik. Christian Gschwendtner, Geschäftsführer AGK, Andreas Hager, Geschäftsführer e-troFit GmbH, Andreas Haller, Gründer und Vorstand Quantron AG sowie Jörn Schwarze, Mitglied des Vorstands bei der KVB, zähkten auch zur Jury in diesem Jahr. Es wurden, passend zum Gedanken der Nachhaltigkeit, der Elektrobus Solaris Urbino 15 LE electric, der Iveco Bus Crossway LE Natural Power (CNG), der Hybridbus der CM Fluids AG CMF Bus sowie der elektrische MAN Minibus eTGE Kombi ausgezeichnet. Ferner noch der neue Volvo Doppeldecker 9700 DD und der Überlandbus Lion’s Intercity von MAN. Und weil das Thema Wasserstoff zur Nachhaltigkeit dazugehört, wurde der Wasserstoffbus der Proton Motor Fuel Cell mit Brennstoffzellen-Range-Extender HyRange ausgezeichnet. Es folgte mit der  Bus2Explore der dritte Teil und mehrere Diskussionsrunden zu aktuellen Themen, beispielsweise unter der Überschrift “Tech-Boost”, bei der es um technische Entwicklungen der nächsten Jahre ging. Immer wieder wurde dabei deutlich, dass die Digitalisierung auch die Busbranche erreicht hat. Die Pandemie habe dabei viele Prozesse beschleunigt, virtuelle Kataloge sind in der Buswelt angekommen, Ticktes gibt es schon lange online und entsprechende Informationen für Fahrgäste gibt es auch rein digital. Hersteller machten deutlich, dass das Thema Elektromobilität sich schnell entwickle und auch Reisebusse zukünftig mit alternativen Antriebskonzepten vorfahren würden. Im Reisebusbereich kündigte beispielsweise MAN schon an, dass auch der Innenraum sich verändern werde, ganz im Sinne der Zukunftsforscher. Verkehrsbetriebe richten sich mit unterschiedlichen Gefäßgrößen auch den Wandel städtischer Mobilität ein, um geteilte Mobilität bieten zu können, seien Kooperationen ein großes Thema. Es bleibt spannend, nicht nur mit Blick auf elektrische Antriebe. Die Branche ist im Wandel, neben Existenzsorgen, was das Reisebusgeschäft betrifft, stehen noch zum Teil unbeantwortete Fragen über die Ausgestaltung der Zukunft im Raum. Rund 900 Teilnehmer aus 19 verschiedenen Ländern nahmen an der Veranstaltung online teil, wie die Messe Berlin am Ende mitgeteilt hat.Großes technische Probleme gab es nicht, eine Live-Schalte nach Italien konnte nicht realisiert werden. Das Streamen der Beiträge, die auch nach der Messe noch für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung stehen, lief reibungslos. Auch die Möglichkeit, online Fragen zu stellen, klappte einwandfrei – nur wurde dies wegen der Fülle nicht sehr stark genutzt. Im Fokus der gut sechsstündigen Veranstaltung stand der Omnibus – mehr denn je als nachhaltige Verkehrslösung. Und als unverzichtbarer Bestandteil der Mobilitätskette, wie der Bundesverkehrsminister deutlich machte. Es wird ihn weiter geben, nur eben neu gedacht. In den drei unterschiedlichen Formaten kamen insgesamt über 30 Experten der Branche zu Wort und teilten dafür ihre Visionen mit. Die Bus2Bus im nächsten Jahr soll vom 27. bis 28. April 2022 stattfinden. Und Beteiligten hoffen, dass der Rückblick dann auch ein solcher ist, der auf ein Jahr des Stillstandes gerichtet ist und die Omnibusse wieder rollen. Die nächste Bus2Bus will den nötigen Neustart der Bus- und Zulieferindustrie dabei dann tatkräftig unterstützen und alle Beteiligten wieder zusammenbringen. Das neue Hallenensemble im nördlichen Teil des Berliner Messegeländes mit dem Hub27 wird 2022 Austragungsort der Bus2Bus. (MesseBerlin/Schreiber/omnibus.news/Sr)

Wo geht die Reise hin? Die Keynote von Tristan Torx und Dr. Stefan Carsten sorgte für die nötige Inspiration. Foto: Screenshot MesseBerlin/omnibus.news

Der Zukunftsforscher Dr. Carsten hat festgestellt, dass der Pkw bei der Jugend keine große Bedeutung mehr hat. Foto: Screenshot MesseBerlin/omnibus.news

Nicht nur während der Expertengespräche hatten die Zuschauer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Größtenteils wurde das aber nicht genutzt, denn die Flut an Informationen über sechs war durchaus üppig. Foto: Screenshot MesseBerlin/omnibus.news

 

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