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Der Bristol Lodekka mit FLF-Aufbau von Eastern Coach Works. Foto: Schreiber

Ein Blick ins Innere verrät den neuen Einsatzzweck. Der rote Doppeldecker setzt optisch ein Zeichen auf dem Parkplatz eines Großmarktes. Foto: Schreiber

Ein Bristol Lodekka als Fahrradwerkstatt? Der erste britische Doppeldecker mit Niederflurboden im Unterdeck macht es möglich. in Mann, ein Bus: Wer Rolf Joschko und seinen Bus besucht, der weiß sofort, dass sich zwei gefunden haben. Nicht nur ein, sondern gleich zwei kernige Typen, wie der Volksmund sagen würde. Die ideale Ergänzung. Die von Bristol Commercial Vehicles in den Jahren von 1949 bis 1968 produzierte Lodekka-Baureihe macht ihrem Namen alle Ehre: Mit einem niederflurigen Boden im Untergeschoss und der vergleichsweise niedrigen Gesamthöhe von nur 4.200 Millimetern, einem Minus von 180 bis 200 Millimetern, löste er sich von alten Traditionen. Brückendurchfahrten waren mit dem Lodekka kein Problem mehr. Zudem konnte das untere Deck jetzt komplett genutzt werden, ein abgesenktes Fahrgestell sowie eine neue Hinterachskonstruktion – eine umgekehrte Portalachse – machten es möglich. Dass das Konzept erfolgreich war, belegen weit über 5.200 gebaute Lodekka-Omnibusse. Neue Wege ging auch Rolf Joschko, der vor den Toren Oldenburgs mit einem roten Doppeldecker ein Zeichen gesetzt hat. Das war nötig, denn seine Fahrradwerkstatt in einer Scheune eines Bauernhofes musste aufgegeben werden, weil das Gebäude verkauft wurde. Um sich vor der Pensionierung nicht noch mit einer Immobilie zu binden, entschied er sich für etwas Bewegliches.

Das niederflurige Unterdeck ist ideal für die Arbeiten an den Fahrrädern. Foto: Schreiber

Alles an Bord: Das Ersatzteillager im Bus. Foto: Schreiber

„Die Idee, einen Omnibus zu nutzen, entstand in geselliger Runde“, so der gelernte Fahrradmechaniker. Was zunächst ein Spaß war, entpuppte sich bei der Recherche als geniale Idee. Ein Doppeldecker fällt auf, gerade auch dann, wenn er aus Großbritannien kommt und rot ist. Beim Export nach Deutschland stand von Anfang an fest, dass der Doppeldecker als rollendes Werbefahrzeug vermarktet werden soll. Das führte dazu, dass die Höhe noch einmal reduziert wurde, nur noch 4.000 Millimeter und damit zulassungsfähig ist der Bristol Lodekka, der einst für den Bremer Flughafen auf Touristikmessen im Einsatz war. Der Doppeldecker wurde vor dem Export seinerzeit noch restauriert – ganz stilecht mit den Stoffen und Lederbezügen des Aufbauherstellers Eastern Coach Works. Nicht ganz passend ist der Lautsprecher, das sei aber ein Zugeständnis an den vorherigen Einsatz, sagt der Besitzer. Der 1967 für die Eastern Counties Omnibus Company gebaute Bus ist ein FLF. Rolf Joschko kennt alle Details: „FLF steht für Flatfloor, Long und Forward entrance, also ebener Boden, lang und Einstieg vorn“, berichtet er. Ideal, um hier die Fahrradwerkstatt unterzubringen. Werkzeuge sind in Schubläden abgelegt, kleine Ersatzteile lagern in Körben. Und ein Gestänge, um die Fahrräder zur Bearbeitung aufzuhängen, passt auch ins Unterdeck. Verwundert ist Rolf Joschko aber über den Antrieb: Man nutzte seltsamerweise kaum einen der hauseigenen Bristol-Motoren, sondern verbaute überwiegend Fünf- und Sechszylinder von Gardner. „Der hier hat sechs in Reihe liegende Zylinder und schöpft aus einem Hubraum von 9.600 Kubikzentimetern eine Leistung von 99 kW beziehungsweise 135 PS“, weiß Joschko. Offen für Neues ist der Fahrradmechaniker immer: Das Lager im Oberdeck wird kurzerhand ausgeräumt, wenn dort ein Kindergeburtstag gefeiert werden soll. Auch das war eine spontane Idee. Diese hatte eine Kundin, die eigentlich nur ein Kinderfahrrad kaufen wollte. Joschko sagte zu, Geschenk und Geburtstagsfeier waren ein großer Erfolg. Rüdiger Schreiber

Rolf Joschko nutzt einen Bristol Lodekka als Fahrradwerkstatt. Foto: Schreiber

 

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