Der Reisebusabsatz ist stark eingebrochen. Foto: Daimler, Montage: omnibus.news

Lange Zeit waren es nur Vermutungen, jetzt sind die Zahlen da: Die Corona-Pandemie hat beim Busabsatz wie in so vielen Ländern Europas auch in Deutschland ihre Spuren hinterlassen, wie das italienische online-Portal Sustainable Bus unter Berufung auf Zahlen von Chatrou EME Solutions berichtet. Nicht nur geschlossene Fabriken der Bushersteller, sondern auch mangelnde Nachfrage haben zu dramatischen Zahlen geführt. Während im 1. und 2. Quartal 2019 die Buswelt noch normal erschien, so hat sich das Blatt in 2020 doch sehr zum Negativen gewendet, besonders mit Blick auf die Zahlen der Reisebusse. Die von den Italiener ermittelten Zahlen im Detail:  Im 1. Quartal 2020 wurden deutschlandweit 879 Stadtbusse verkauft, ein Plus im Vergleich zu 768 in 2019. Auch das Geschäft der Überlandbusse lief gut, 266 Fahrzeuge zu 223 im Vorjahr. Weil die Saison noch nicht begonnen hatte, wurde in 2020 im 1. Quartal nur 245 Reisebusse im Vergleich zu 229 in 2019 verkauft. So weit so gut, dann kam die Corona-Pandemie und die Zahlen des 2. Quartals machen deutlich, wie sehr die Bus-Branche am Boden liegt: Wurden in 2019 im 2. Quartal noch 693 Reisebusse verkauft, so waren es in diesem Jahr nur noch 84! Einen Rückgang verzeichneten auch die Bereiche Stadt- und Überlandbus im 2. Quartal: Statt 607 wie in 2019 wurden in 2020 mit 592 weniger, aber nicht dramatisch weniger Linienbusse verkauft. Deutlich war der Rückgang bei den Überlandbussen im 2. Quartal 2020: 187 statt 259 in Q2 in 2019. Ein Blick auf die europaweiten Reisebus-Verkäufe im 2. Quartal 2020 macht die Misere deutlich: Belgien, Dänemark, Luxemburg, Polen und Portugal melden Rückgänge um 90 Prozent, da sind die -87,88 % in Deutschland schon nichts Besonderes mehr. Europaweit ist das Geschäft mit Reisebussen im 2. Quartal 2020 von 3.079 in Q1 auf 554 Fahrzeuge eingebrochen, was einem Minus von 82 Prozent entspricht! In allen Zahlen sind die Verkäufe für Juni nicht berücksichtigt, wer hier aber noch auf etwas Positives hofft, der sollte daran denken, wie sehr uns in Europa auch noch im Juni die Corona-Pandemie im Griff hatte. Trotz entsprechender Lockerungen ist das Geschäft auch für Busunternehmer verhalten, nicht alle abgemeldeten Reisebusse sind zurück auf der Straße, wie unisono zu hören ist. Grundsätzlich fänden jetzt eher Tagesfahrten statt, andere Angebote würden noch nicht gebucht werden. Auch sonst ist die Zukunft vieler Betriebe ungewiss, denn die zur Verfügung gestellten Hilfsprogramme für Reisebusunternehmen seien nicht so ganz eindeutig, wie Busunternehmer gegenüber omnibus.news erklärten, nicht alle Einzelheiten der Förderbedingungen und zur Antragsstellung seien geklärt. Die bundesweit bereitgestellten 170 Millionen Euro sind nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein, denn pauschal auf alle Busbetriebe umgelegt kämen gute 40.000 Euro pro Unternehmer zu Auszahlung. Dass das nicht reicht, ist allen Beteiligten längst deutlich geworden, ohne Linien- und Schülerverkehr kann ein Reisebusunternehmen nach dem monatelangen Zwangsaus nicht überleben. Und wenn man versucht, den einen oder anderen Reisebus zu verkaufen, dann gäbe es dafür nur noch einen Bruchteil des aktuell gültigen Gebrauchtbuspreises. Die Talfahrt geht weiter… (KBA/SustainableBus/ChatrouCMESolutions/PM/Schreiber)

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