Brekina kündigt die Auslieferung des Fleischer S5 für Februar 2022 an. Foto: Brekina, Böhnke; Montage: omnibus.news

Nach fast 2 Jahren “Messe loser”-Zeit, nahm Brekina wieder an einer Messe teil. Auf der Modell-Hobby-Spiel in Leipzig hatte Brekina den Besuchern auch etwas Besonderes mitgebracht: In einer Vitrine gab mit dem Büssing D2U im Serienzustand und als Überraschung den Fleischer S5 eine kleine Vorschau auf 2022. In einer Neuheiten E-Mail zum Fleischer S5, der jetzt in zwei Bedrucksvarianten (blau/grau und rot/elfenbein) beim Fachhandel bestellt werden kann, informiert Mathias Frank mit Hintergrundwissen zum Hersteller des großen Vorbildes .

Die Geschichte der Fritz Fleischer KG Gera ist überaus spannend und außergewöhnlich: Die Firma wurde zwar bereits 1927 gegründet, richtig spannend wurde die Historie aber erst nach dem 2. Weltkrieg. Die Firma wurde 1945 durch einen Bombenangriff und folgende Gasexplosionen stark getroffen. Obwohl alle Gebäude zerstört, einige Arbeiter getötet und Fritz Fleischer schwer verwundet wurde, wagte er bereits 1945 den Neuanfang und reparierte im Auftrag der Roten Armee fortan PKW und Anhänger, die er zumeist mit neuen Aufbauten versah. Heraus kamen als Einzelstücke PKW, Campingwagen und Kleinbusse. Damit war aber 1953 Schluss, Fritz Fleischer wurde aus nichtigen Gründen verhaftet und sein Vermögen beschlagnahmt. Er wurde ein Opfer der Schikane Selbstständiger. Im selben Jahr kam er wieder fei und erhielt sein Vermögen zurück. Auf fähige Leute konnte man eben doch nicht verzichten.

Fritz Fleischer suchte und fand daraufhin seine Nische mit der Produktion von Reisebussen. Auf Vorkrieg-Rahmen schneiderte er zeitgenössische Aufbauten. Zusammen mit seinem Konstrukteur Martin Seipolt entwickelte er nebenher einen selbsttragenden Reisebus und konnte 1958 die beiden Typen S1 und S2 vorstellen, deren Serienfertigung bereits 1959 begann. Allerdings gefährdet durch die neueste Anweisung des RGW (Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe), dass im kompletten Ostblock Busse nur noch in Ungarn gefertigt werden durften. Da aber der Bedarf an Bussen in der DDR durch die Fertigung in Ungarn nicht gedeckt werden konnte (es fehlten pro Jahr 700 Busse), deklarierten die DDR-Behörden Fritz Fleischers Buswerk als Reparaturwerk. Dies bedeutete, dass jeder Businteressent ein Fahrgestell abliefern musste, auf dem der neue Bus dann aufgebaut wurde. Da längst nicht alle angelieferten Chassis verwendet wurden, trickste man so die sozialistischen Nachbarstaaten und deren Beschlüsse aus.

Bis 1972 konnte Fritz Fleischer so seine Selbstständigkeit erhalten. Bis dahin galten seine Busse als hochmoderne Reisewagen, die sogar mit Fernseher, Schlafsesseln und Toilette geordert werden konnten. Seine stabile Leichtbauweise war äußerst fortschrittlich. Fritz Fleischer gelang der Spagat zwischen Selbstständigkeit und der Nähe zu den offiziellen Stellen in der DDR immer sehr gut. Sein Buswerk war beispielsweise der erste Betrieb der DDR, der Alu-Profile importieren durfte. 1973 schied er aus dem dann volkseigenen Betrieb aus. Ohne sein Mitwirken blieb der Busbau auf dem Stand von 1972, der VEB Karosseriebau Gera konzentrierte sich nun hauptsächlich auf die Zulieferung der Autoindustrie. Bis zur Wende 1989 wurden insgesamt fast 1000 Fleischer-Busse gefertigt.

Nach der Wende zeigen die Fleischer-Werke eines der dunkelsten Kapitel der Treuhand: Sie wurden sang- und klanglos in kürzester Zeit abgewickelt. Fritz Fleischer blieb dieser Anblick erspart. Er verstarb im September 1989 mit 86 Jahren. Das Team um Mathias Frank fand nach eigenen Angaben die Fleischer-Busse so interessant, dass man sich entschied, einen als Modell in 1/87 zu bringen. Die Auswahl fiel auf den langen S5, das mit 300 Exemplaren am meisten gebaute Vorbild. Die ersten Muster hat Mathias Frank als Foto in seiner E-Mail mitgeschickt, die Auslieferung ist im Februar 2022 geplant.

Gleich mit den beiden Serienmodellen gibt es auch schon ein erstes Sondermodell: Der Fachhändler Modell-Car Zenker wirbt mit Fotos schon für einen S5 des VEB Kraftverkehr Dresden. Das Sondermodell habe, so informiert der Fachhändler, eine tomatenrot/hellbeige Farbgebung und die Wagennummer sowie das Kennzeichen und das Logo VEB Kraftverkehr Dresden. Die detaillierte Miniatur ist auf 300 Exemplare limitiert und kann jetzt vorbestellt werden, die Auslieferung soll ab Februar 2022 erfolgen. (Brekina/ModellCarZenker/PM/Sr)

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