quipmake hat den ersten New Bus for London auf einen batterieelektrischen Antrieb umgerüstet. Foto: EBXmedia

Dem NBfL könnte mit der Umrüstung auf einen BEV-Antrieb ein zweites Leben beschert werden. Foto: Equipmake

The Boris-Bus is back! Der Elektrifizierungsspezialist Equipmake hat den ersten New Bus for London auf einen batterieelektrischen Antrieb umgerüstet. Es scheint, als erlebe nicht nur der Namensgeber, sondern auch der von Wrightbus eigens für London gefertigte Doppeldecker ein Comeback!

Der Boris-Bus erhielt den Spitznamen, weil Boris Johnson im Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters von London den Bürgern der britischen Metropole die Neuauflage des legendären roten Doppeldeckers versprach. Sein Vorgänger hatte die rollende Ikone abgeschafft und Gelenkbusse aus Deutschland eingeführt!

Boris Johnson ging seinerzeit davon aus, dass bis 2020 insgesamt 2.000 NBfL-Fahrzeuge im Auftrag von Transport for London auf der Straße im Einsatz wären. Nach 800 Einheiten wurde aber schon das Aus besiegelt. Die einst mit 1.000 vertraglich festgelegte Zahl wurde nicht erreicht, der irische Hersteller Wrightbus kündigte daraufhin an, die Produktion des NBfL einstellen zu wollen.

600 NBfL, die ersten Hybrid-Doppeldecker Londons, wurden seinerzeit für 354.000 Britische Pfund gekauft. Dann wurde nachverhandelt, Wrightbus bot die nächsten 200 Fahrzeuge im Jahr 2014 zum Stückpreis von 325.000 Britischen Pfund, also ganz grob ein Rabatt von zehn Prozent pro Bus, an.

Seit Mai 2016 werden die Geschicke der Hauptstadt von Shadiq Khan gelenkt. Der erste muslimische Bürgermeister Londons gilt als weniger streitsüchtig als der ehemalige, Ken Livingston und er gehört weniger zum etablierten politischen Establishment als Boris Johnson.

Alle drei verbindet das Thema Bus: So wie seinerzeit Boris Johnson die von Ken Livington eingeführten Gelenkbusse aus der Metropole mit seinem Amtseintritt entfernte, so macht es jetzt Shadiq Khan mit dem von Boris Johnson eingeführten neuen Doppeldecker für London.

Dem amtierenden Bürgermeister London sind die von der Bevölkerung liebevoll genannten Boris Busse ein Dorn im Auge, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind. Und sie sind in seinen Augen viel zu teuer. Khan will einen emissionsfreien ÖPNV, da passt ein Designerbus mit Hybridantrieb nicht mehr ins Bild.

Jetzt kommt Equipmake auf den Plan: Auf der Euro Bus Expo, die vom 1. bis 3. November 2022 im NEC in Birmingham stattfand, wurde der erste elektrifizierte New Routemaster vorgestellt. Equipmake hat den Hybridantrieb komplett durch den hochmodernen Zero Emission Drivetrain (ZED) ersetzt, der zu 95 % aus Komponenten aus britischer Produktion besteht.

Die elektrische Version des NBfL wurde bereits in London von Metroline getestet und wird in den nächsten sechs Monaten weiter erprobt werden. Das Programm wird wertvolle Testdaten liefern, da Transport for London (TfL) weiterhin eine Reihe von umweltfreundlichen Technologien evaluiert, darunter auch hochmoderne Repower-Systeme wie das ZED von Equipmake.

Die Ladeinfrastruktur auf dem Metroline-Depot in Holloway sowie die Batteriedatenanalyse für den Bus werden von Zenobē, dem Spezialisten für EV-Flotten und Batteriespeicher, bereitgestellt. Der umgebaute New Bus for London verfügt über eine 400-kWh-Batterie, die eine erwartete Reichweite von 150 Meilen (rund 240 km) ermöglicht – mehr als genug für einen Tag.

Das System verfügt über einen fortschrittlichen Wasser-Glykol-Kühlkreislauf und hat den zusätzlichen Vorteil, dass es den Innenraum bei kalten Temperaturen mit aufgefangener Wärmeenergie heizt. Wenn die Batterie am Ende eines kompletten Betriebszyklus leer ist, kann sie über Nacht an einer CSS-Gleichstromladestation im Depot wieder aufgeladen werden, wie Equipmake mitteilt.

Unter der Haube des NBfL befindet sich auch der Elektromotor HTM 3500 von Equipmake. Der Motor, der nahtlos in die Kardanwelle integriert ist und kein separates Getriebe benötigt, ist genau auf die anspruchsvollen Anforderungen eines voll beladenen Doppelstockbusses zugeschnitten. Er erzeugt ein Drehmoment von 3.500 Nm bei einer Motordrehzahl von nur 1.000 U/min und liefert eine maximale Leistung von 400 kW.

Die Entwicklung der BEV-Version des NBfL wurde durch ein Programm ermöglicht, das teilweise vom britischen Advanced Propulsion Centre (APC) finanziert wurde. In den kommenden Monaten wird Equipmake weitere Busse mit Elektroantrieb bei anderen Busbetreibern in ganz Großbritannien testen.

Ian Foley, CEO von Equipmake, sagte: “Repowering ist eine wichtige, kosteneffiziente Übergangstechnologie, die die Lücke zwischen Diesel und einer neuen Elektrobusflotte schließen kann. Wir freuen uns, unser neuestes Repowering-System in Form einer emissionsfreien Version des New Bus for London hier auf der Euro Bus Expo vorstellen zu können.”

Ian Foley: “Wir wissen, dass es ein klares Interesse an der Repowering-Technologie gibt, mit einer starken Nachfrage seitens der Betreiber, was zum Ausbau unserer Einrichtungen in Norfolk führt. Die Änderungen bei den Zuschüssen für Busunternehmen bedeuten, dass das Repowering gefördert wird, und die Konsultation des DfT zu den Vorschlägen, den Verkauf neuer, nicht emissionsfreier Busse zu beenden, bedeutet, dass die Nachfrage nach unserer Technologie nur noch steigen wird.” (Equipmake/TfL/Wrightbus/omnibus.news/Sr)

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