Ingrid Nilsson verantwortet die äußere und innere Gestaltung der Omnibusse von Scania und setzt dabei auf Teamwork. Foto: Schreiber

Lotta Jähkel, Studio Engineer bei Scania R&D, erklärt den neuen Fahrerarbeitsplatz im Detail in einem Video, das Scania Deutschland online gestellt hat. Foto: Screenshot omnibus.news

Schon auf der Busworld in Brüssel gab es den neuen Fahrerarbeitsplatz im Premierenfahrzeug zu sehen. Foto: Schreiber

Mehr zum Design der neuen Citywide-Baureihe und das komplette Interview mit Ingrid Nilsson gibt es in der fachzeitschrift Omnibusrevue 1/21. Foto: Screenshot omnibus.news

Mit der Premiere der neuen Citywide-Generation auf der Busworld 2019 in Brüssel läutete Scania die Zukunft urbaner Mobilität ein. Nicht ohne Grund hatte sich die Schweden entschieden, die Premiere mit dem Elektrobus zu feiern. Vieles wurde neu gedacht, so wie der komplett überarbeitete Fahrerplatz. „Unser Ziel bestand darin, den bestmöglichen Arbeitsplatz für professionelle Busfahrer zu schaffen“, sagt Lotta Jähkel, Studio Engineer bei Scania R&D. In puncto Ergonomie und Erreichbarkeit wurden bedeutende Verbesserungen erzielt. Alle Bedienelemente sind eindeutig gekennzeichnet und befinden sich von der normalen Sitzposition des Fahrers aus in unmittelbarer Reichweite. Das Armaturenbrett ist modular ausgelegt und bietet Erweiterungsmöglichkeiten – mit dem Haltestellenmodul oder aber in größerem Umfang auch mit einer Infotainment-Anlage. Auch wenn die neuen Schaltflächen halb so groß wie die der aktuellen Generation sind, wurde großer Wert auf Ergonomie gelegt. Dank des kleineren Schaltflächenformats kann die Größe des Armaturenbretts angepasst und die Anzahl der auf dem Armaturenbrett befindlichen Schaltflächen erhöht werden. Das ermöglicht dem Fahrer einen leichteren Zugang zu einer Vielzahl von Funktionen und Schaltflächen. Kreiert hat den neuen Fahrerarbeitsplatz das ganze Team, wie Ingrid Nilson deutlich macht. Dabei stärkt die Fika, die kleine Kaffeepause den Teamzusammenhalt genauso wie der ständige Austausch über alle Bereiche der neuen Stadtbusgeneration „Die ersten Ideen für die neue Citywide-Generation wurden 2016 zu Papier gebracht,“ erinnert sich Ingrid Nilsson. Die Schwedin hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, studiert und dann für namhafte Nutzfahrzeughersteller auf der ganzen Welt gearbeitet, bevor sie zu Scania kam. Hier leitet und verantwortet sie heute die äußere und innere Gestaltung der Omnibusse, lebt aber mit ihrem Team das Prinzip der flachen Hierarchien. Beim Besuch im Designstudio in Södertälje lernt man nebenbei viel über die Kultur des Miteinanders in Schweden. Nicht nur bei scheinbar banalen, gerade auch bei wichtigen Entscheidungen wird nach Konsensus gesucht. Jeder soll sich einbezogen fühlen. Das Team einmal vorher zu fragen “Vad tycker ni om det?” (Was habt ihr dazu zu sagen?), gehört in Schweden nicht nur bei Scania zum guten Ton. In eben diesem konstruktiven Miteinander ist dann auch das entstanden, was jetzt bei Fahrern der Busse der Marke Scania für Zuspruch sorgen soll, wie beispielsweise die überarbeiteten Pedale, die nun dafür sorgen, dass der Fahrer bequem zwischen Gas- und Bremspedal wechseln kann, ohne dabei den Fuß heben zu müssen. Eine kompakte Lenksäule schafft mehr Raum für Füße und Knie. Der Arbeitsbereich des Fahrers ist individuell einstellbar und kann flexibel an Körpergrößen von 1,50 m bis 2,10 m angepasst werden. Darüber hinaus kommt der Fahrer auch in den Genuss der optimierten Klimaanlage, die sich durch eine deutlich verbesserte Luftströmung auszeichnet. Auch die Sichtverhältnisse des Fahrers haben sich verbessert – Dank des ca. 80 mm tiefer gelegten Armaturenbretts, der größeren Windschutzscheibe und der schlankeren A-Säulen. „Unser Hauptaugenmerk lag während des gesamten Entstehungsprozesses auch auf den bestmöglichen Sichtverhältnissen. Ich glaube, dass es uns gelungen ist, einen außergewöhnlichen Arbeitsplatz zu konzipieren“, so Jähkel. Beste Aussichten im wahrsten Sinne. Die Zukunft schwedischer Mobilitätsgestaltung liegt südwestlich von Stockholm. Zumindest wenn es sich um Omnibusse der Marke Scania handelt. In Södertälje befindet sich inmitten von viel Grün und Wasser nicht nur die Zentrale von Scania, sondern auch die Designabteilung. Die Wege dorthin sind verschlungen, nicht nur unzählige Gebäude müssen durchlaufen werden, an jeder Tür ist eine Chipkarte nötig. Und dann heißt es Augen zu, denn was hier an bunten Bildern, Modellen und einzelnen Bauteilmustern zu sehen ist, gibt es eigentlich noch gar nicht. Die rollende Zukunft der Schweden ist hier fertig erdacht. Computer oder besser Tablets beherrschen den Alltag der Designer, die Zeit der vielen bunten Stifte und Papiere auf dem Schreibtisch sind vorbei. Wir denken und leben hier die Zukunft, wie Ingrid Nilsson mit einem Schmunzeln anmerkt. Das Gespräch mit der Designerin von Scania findet dann auch in einem großen Raum statt, dessen Wände schwarz und zum Teil verhüllt sind. In der Mitte ein Schreibtisch und, natürlich, ein Tablet. Hinter den Vorhängen kein Mock-up eines Omnibusses, sondern nur eine riesige die Wand füllende Leinwand. Und auf der erscheinen nach und nach die Entwürfe der neuen Citywide-Generation bis hin zu einem BRT-Ableger. Auf die Frage, ob man denn schon vor gut vier Jahren über das heute den Markt beherrschende Thema der Elektromobilität nachgedacht habe, sagte Ingrid Nilsson ganz bescheiden: „Ja, wir waren da schon im wahrsten Sinne ganz spannend unterwegs.“ Im Lastenheft haben die Kreativen schon damals festgehalten, dass der Stadtbus der Zukunft leise sein müsse. Und emissionsfreie Fahrzeuge sollten es werden, solche, die sich zudem in die Umgebung einpassen, so die Designerin. Ein Wandel war spürbar, das bestätigt Ingrid Nilsson, doch er sei noch nicht zum Greifen nahe gewesen. Klar war, das globale Umweltanliegen irgendwie einfließen würden. Gutes Design ist ein Konzept, das Beständigkeit, Einheitlichkeit und beispielsweise auch Schönheit umfasse. Bei den Designkonzepten ihres Team gehe es vor allem darum, bessere, effizientere Lösungen zu finden, die durch ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Form, Funktion und Material zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Und dazu gehört natürlich mit Blick in den innenraum selbstverständlich auch der fahrerarbeitsplatz. Die erweiterte Gesamtsicht auf das Design führe in den Augen der Designerin auch an der Ökologie nicht vorbei. Ein gutes Produkt schont Umwelt und Ressourcen, auch komplexe Produkte wie ein Elektrobus aus dem High-Tech-Bereich kann langlebig und recycelbar konzipiert werden, ohne den Anspruch an ein individuelles und ästhetisches Niveau zu verlieren. Den fast schon philosophischen Ausführungen der Designerin folgt dann beim Besuch des Designstudions noch etwas ganz Praktisches: Handschuh an, Helm auf und einsteigen. Klingt komisch, fühlt sich zunächst auch ungewohnt an, doch dann ist man mittendrin statt nur dabei. Wenn man den großen kargen Raum verlässt und virtuell in völlig neue Bus-Welten eintaucht, ist man in der Zukunft schwedischer Mobilitätsideen oder auch einfach nur in der neuen Citywide-Generation. Und da kann man viel Neues erleben und sieht schnell, dass eine unterschiedliche Lichttemperatur und viel Glas oder das Holz einer Haltestange das Wohlfühlen beeinflusst. Die Zukunft urbaner Mobilität von Scania beginnt digital, keine Frage. So kann man gute Ideen auch wirklich (be)greifen. (Scania/omnibus.news/Rüdiger Schreiber)

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