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Ausgezeichnet und ausgedruckt: Ein Kleinbus soll den ÖPNV in Berlin ergänzen. Grafik: Local Motors / Edgar Sarmiento

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Durchdacht: Klein, aber oho, so tritt der Siegerentwurf auf. Grafik: Local Motors / Edgar Sarmiento

Geht es nach Local Motors, dann werden wir in der Zukunft in Berlin einen ÖPNV erleben, der elektrisch, fahrerlos und für alle nutzbar ist. Und uns dafür die Busse einfach ausdrucken. Reine Zukunftsmusik? Nein, Local Motors wurde 2007 im amerikanischen Phoenix gegründet und baut seitdem Fahrzeuge. Auf der Detroit Motor Show haben die Amerikaner ihr Können in einem gläsernen Container zur Show gestellt: Ein 3D-Drucker “druckte” ein Auto, nach 44 Stunden fuhr es als aus der Halle – als Elektroauto die Zukunft im Blick. Von Berlin aus will Local Motors nun sein Europageschäft aufbauen – mit eigener Produktion.  Die wahre Innovation ist aber nicht das Drucken, sondern der Designprozess  dahinter. Und der lässt große Firmen aufhorchen. Local Motors hat zwar eigene Mitarbeiter, aber den Großteil des Entwicklungsprozesses lagert es an eine Community von Kreativen aus. Aus der ganzen Welt können Mitglieder ihre Entwürfe hochladen, gemeinsam weiterentwickeln und optimieren. Eine Jury oder der Auftraggeber sucht am Ende aus, was produziert wird — und dann bekommt auch der Kreative seinen Lohn. Ein solcher Open-Source-Ansatz war bislang vor allem aus der Software-Entwicklung bekannt, wo ganze Betriebssysteme gemeinschaftlich entstehen. Local Motors bringt diese Idee in die Autoproduktion. Produziert wird in so genannten Microfactories werden, die erste dieser Fabriken außerhalb der USA wird in Berlin entstehen. Alle Fahrzeuge, auch gläserne Busse für den ÖPNV, sollen nach Kundenwunsch entwickelt und in maßgeschneiderten Kleinserien dort gebaut werden, wo die Fahrzeuge gebraucht werden. Berlin sei für selbstfahrende und elektrisch angetriebene Kleinbusse in den Augen von Local Motors ideal. Hier würde man auf Kreativität und großer Enthusiasmus für neue Technologien treffen, auch der Verkehrsbetrieb sei offen für Neues heißt es. Das passt zur Philosophie von Local Motors, denn  das Unternehmen setzt auf andere Methoden und Strukturen als traditionelle Fahrzeuganbieter: Techniker und Designer suchen gemeinsam nach Lösungen einer Aufgabe, nach eineinhalb Jahren könne so ein komplett neues Fahrzeug entstehen, “normal” sind vier bis fünf Jahre. Bezahlt werden alle Beteiligten nach ihrem Anteil am Fahrzeug. Das sorgt für Zuspruch, Local Motors spricht von über 51.000 “Mitarbeitern”. Auch in Berlin ist man mehr als aktiv: Im Frühjahr 2015 wurde ein Wettbewerb ausgerufen, um Lösungen für die urbane Mobilität der Zukunft zu finden. “Wie werden wir uns im Jahr 2030 fortbewegen?” lautete die Frage. 81 kreative Ansätze und Ideen wurden eingereicht. Vom fahrerlosen Minibus, der den öffentlichen Nahverkehr in den Berliner Randbezirken verbessern soll bis hin zu Drohnen, die Pakete ausliefern, war alles dabei. Sechs Sieger erhielten je 2.000 Dollar, insgesamt wurden 22.000 Dollar Preisgeld verteilt. Ein großer Teil der Summe sei an Community-Mitglieder aus Berlin gegangen, heißt es seitens Local Motors. Ein Heimvorteil, denn die Berliner wissen, was ihnen fehlt.

 

 

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