AutoCult hat den Barkas 800 Express als Resin-Modell im Maßstab 1/43 aufgelegt. Foto: AutoCult

Getreu des Marken- und Firmennamens Autocult haben es sich das Team um Thomas Roschmann zum Ziel gemacht, längst vergessene Automobile, die sich über ihre außergewöhnliche Form oder ihre innovative Konstruktion auszeichnen, in Miniatur umzusetzen. Dabei geht es uns nicht nur um die Modellumsetzung, sondern auch um die jeweilige Geschichte und die Hintergrundinformationen, die man dem Sammler erzählen möchte. AutoCult erweckt längst vergessene Modelle und Marken im Miniaturformat wieder zum Leben. In einer limitierten Auflage von 333 Modellen ist jetzteine Art kleiner Sightseeing-Omnibus aufgelegt worden. Für das 800jährige Jubiläum von Karl-Marx-Stadt – dem heutigen Chemnitz – im Jahre 1965 keimte die Idee, für die Bürger einen kleinen, offenen Autozug anzubieten, mit dem sie sich gemächlich durch die Stadt kutschieren lassen konnten. Das vor Ort ansässige `Barkas`-Werk sah sich hierzu berufen, das Gefährt beizusteuern, doch natürlich gab es einen solchen offenen Bus nicht als Serienmodell und musste demzufolge in Eigenregie gefertigt werden. In aufwändiger Art und Weise wurde die Barkas-Kastenkonstruktion von den Werktätigen des VEB Barkas-Werkes aufgeschnitten und Einstiegshilfen herausgetrennt. Der umgestaltete Barkas bekam noch einen zweiachsigen Anhänger, der in der Sitzanordnung und der Optik mit dem Triebwagen identisch war. Der komplette Gliederzug wurde im Farbton `rohrgelb` mit „feinen, roten Nadelstreifen“ durchzogen. Pünktlich zur 800 Jahr Feier, die in der Zeit vom 20. bis 27 Juni 1965 offiziell stattfand, wurde der Touristenzug der Stadtverwaltung von dem VEB Barkas-Werk übergeben und in Betrieb genommen. In den Sommer- und Herbstmonaten erfreute sich der Gliederzug großer Beliebtheit bei den städtischen Bürgern und den zahlreichen Touristen. Angesichts des serienmäßig belassenen Motors mit seinen zweitaktenden 50 Pferdestärken und dem stattlichen Gesamtgewicht bei voller Besetzung konnte das Gespann nur im gemächlichen Tempo von annähernd 50 km/h Höchstgeschwindigkeit dahingleiten, doch es verstand sich von selbst, dass hier Gemächlichkeit im Vordergrund stand. Die Passagiere genossen unterwegs die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bald schon konnte die 1000. Fahrt gezählt werden – bei jeder fanden jeweils 32 Personen einen Sitzplatz. Mit der Wende wurde der VEB Barkas-Werke in die Barkas GmbH umgewandelt. Die Treuhandanstalt suchte einen neuen Besitzer, Volkswagen zeigte sich interessiert und übernahm den Betrieb. Die Barkas-Produktion wurde eingestellt, der noch zur Herbstmesse 1989 in Leipzig vorgestellte optisch überarbeitete B1000 wurde nie in Serie gefertigt, denn die Absatzmärkte im In- und Ausland brachen mit dem politischen Wandel weg. Nach der Produktion von 1.961 Exemplaren wurde diese am 10. April 1991die fertigung der Barkas-Fahrzeuge eingestellt. Die Mitarbeiter erhielten jeweils eine für die damaligen Verhältnisse recht großzügige Abfindung, wie einer Barkas-Chronik zu entnehmen ist. Die Produktionsanlagen wurden demontiert und sollten nach Russland transportiert werden. (AutoCult/Barkas/PM/Sr)

 

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