Weltpremiere in Schweden: Håkan Agnevall stellte einen autonomen Elektrobus als Versuchsträger vor. Foto: Schreiber

Hände hoch bzw. weg vom Lenkrad: Der Elektrobus fährt autonom an die Haltestelle. Foto: Schreiber

In Schweden geht Volvo eigene Wege, in Singapur koopieriert man mit der Universität. Foto: Schreiber

In Frihamnen in Göteborg erprobt Volvo auf freier Fläche den autonomen Elektrobus. Foto: Schreiber

Weltpremiere in Göteborg: Volvo hat den ersten rein elektrischen fahrenden autonomen Linienbus vorgestellt. Weltpremiere? Ja, zumindest dann, wenn man das Vorhaben in Singapur nicht kennt, bei dem die Schweden “nur” als Partner auftreten und das Fahrzeug stellen. Singapur will zum Vorreiter beim autonomen Fahren werden. Volvo Startschuss hin zur automatisierten Mobilität der Stufe 5 zielt langfristig darauf ab, auch in Europa ohne Begleitperson Linienbusse auf die Straße zu schicken. Der Stadtstaat in Fernost will da schneller zum Ziel kommen und unterstützt entsprechende Anbieter mit Teststrecken, die zur Verfügung gestellt werden. Verkehrsminister Khaw Boon Wan Rund berichtet voller Stolz von zehn Unternehmen, die in Singapur testen. Kleine autonome und elektrische Shuttle sind schon fast nichts Besonderes mehr. Für Aufmerksamkeit sorgt wieder einmal Volvo Buses, denn die Schweden werden mit der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur einen autonomen Elektrobus auf die Räder stellen. Volvo ist bekanntlich ein Vorreiter und Trendsetter in Sachen Elektromobilität: Die Prototypes des zwölf Meter langen rein elektrisch und autonom fahrenden Busses entstehen auf Basis des Serienmodells des Volvo 7900 Elektrobusses. Unterstützung gibt es ferner von ABB: Bis Ende 2018 stellt ABB seine hochmodernen Heavy-Vehicle-Charger (HVC) 300P für die zwei geplanten autonom fahrende Elektrobusse zur Verfügung. Anfang 2019 soll der Testbetrieb in Singapur getestet werden. Das ABB-Schnellladesystem liefert 300 kW Gleichstrom und lädt den Akku in drei bis sechs Minuten auf. Es basiert auf OppCharge, einer offenen Schnittstelle für die DC-Bus-Ladung, die in Singapur und im asiatisch-pazifischen Raum zum Einsatz kommt. In der Heimat wollen die Schweden ihr Können aber auch unter Beweis stellen. Doch hier ist der Fokus ein anderer, wie Håkan Agnevall bei der Vorstellung sagte: “Wir legen zunächst den Fokus auf die Situation an der Haltestelle und im Depot.” Die letzten Meter zur Haltestelle und das punktgenaue Anhalten solle dann langfristig der Computer übernehmen können, Ziel ist es, Reifenflanken zu schonen und den immer gleichen Abstand zum Bordstein zu bekommen. Die zweite Entwicklungsstufe sei das Parken im Depot, danach rüste man den Bus technisch weiter auf – Stereo-Videokameras sind noch nicht an Bord. Die Schweden werden aber auch die Fahrt zur Ladestation oder zur Waschanlage autonom vornehmen lassen, die Entwickler im Hause arbeiten gerade an einer entsprechenden Software. In den kommenden beiden Jahren soll der autonom fahrende Volvo bei zwei Testprojekten zum Einsatz kommen, beim „Autonomous City Buses Project“ der FFI sowie beim Projekt „Krabat“. „FFI“ steht für „Strategic Vehicle Research and Innovation Programme“ und ist eine Kooperation zwischen der Fahrzeugindustrie und dem schwedischen Staat. „Krabat“ ist Teil eines vom schwedischen Staat mitgetragenen Programms mit dem Titel „next-generation travel and Transport“. Während das Projekt in Singapur die erste autonome Anwendung von Volvo im öffentlichen Verkehr sein wird, beschränken sich die Schweden in ihrer Heimat zunächst auf Fahrten im Depot und im öffentluchen Raum auf das Anfahren der Bushaltestelle. “Wir sind ganz positiv gestimmt, dass wir diese Technik in Kürze zur Verfügung stellen können, denn unsere Kollegen aus der Lkw-Sparte sind in den Bereichen Bergbau, Steinbruch und Müllabfuhr bereits erfolgreich autonom unterwegs”, so Agnevall. Mit den Ergebnissen aus Singapur und Göteborg dürfte dann mittelfristig einer der ersten autonom fahrenden Elektrobusse zur Verfügung stehen, denn in Singapur wird der Volvo 7900 Elektrobus im Exzellenzzentrum für Prüfung und Forschung autonomer Fahrzeuge (CETRAN) eingesetzt. Hier untersuchen die Forscher neue Funktionen und testen, wie der Linienbus mit anderen Verkehrsteilnehmern interagiert. Der zweite autonome Elektrobus für Singapur wird in Zusammenarbeit mit SMRT – dem führenden Transportanbieter Singapurs – für Tests im Busdepot verwendet. Hier ist Ziel des Projekts mit dem in Schweden vergleichbar, denn die autonomen Busse von morgen sollen in die Lage sein, ihre Batterien aufzuladen, zur Waschanlage zu fahren und zu parken – völlig autonom. “Wir beobachten ein rasch wachsendes Interesse an autonomen und elektrischen Fahrzeugen in Städten auf der ganzen Welt. Zusammen mit der NTU, einer der weltweit führenden Universitäten für Technologie, ABB und SMRT haben wir nun die Möglichkeit, verschiedene Lösungen unter realistischen Bedingungen in einer Großstadt mit hohen Ambitionen für den öffentlichen Verkehr zu testen”, erklärte Håkan Agnevall, Präsident von Volvo Buses. Bei Volvo blickt man aber schon weiter und hat beispielsweise den Einsatz auf BRT-Linien im Blick. Die Automatisierung könne in einem nächsten Schritt genutzt werden, um Busse drahtlos zu verlängern und zu sehr flexiblen Buszügen zu verbinden, erklärte Agnevall das Ansinnen von Volvo.

Ein Laser-Radar-System “ertastet” die Umwelt, noch ist er nicht Teil der Karosserie und einfach nur angebaut. Mit Stereokameras und GPS  findet der Bus dann langfristig seinen Weg. Foto: Schreiber

Zahlreiche Computer unterstützen das autonome Fahren. Auch sie werden kurzfristig im Fahrgastraum “verschwinden”. Die Software entwickeln die Schweden selbst. Foto: Schreiber

Joakim Jonsson leitet in Schweden das Projekt “autonomous driving”. Foto: Schreiber

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