Tobias Rademacher, Senior Business Development Manager bei der Hanseatischen Fahrzeug Manufaktur GmbH. Foto: Schreiber

Elektrisch und autonom fahrend auf den Straßen Nordfrieslands unterwegs: Der HFM-Shuttle namens Busbee. Foto: Schreiber

Das Cockpit des HFM-Busbee. Foto: Schreiber

Autonom und elektrisch fahrende Kleinbusse werden zukünfitg das Stadtbild ergänzen. Und auch auf dem Land eine neue Form von Mobilität sicherstellen, so Mobilitätsplaner unisono. Nach Easymile und Navya schickt nun die Hanseatische Fahrzeug Manufaktur einen nachfragegesteuerten, autonom und elektrisch fahrenden Bus auf die Straße. Genauer: Auf eine gut zwei Kilometer lange Strecke zwischen Lehe und Lunden im Norden des Kreises Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Hochautomatisierte Kleinbusse werden in mehreren Dutzend Testfeldern in Asien, Australien, Amerika und Europa eingesetzt. Und Deutschland holt auf, nicht zuletzt wegen der ambitionierten Pläne des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer. Aktuell laufen mehrere Förderprojekte an, bei denen automatisierte Minibusse zum Einsatz kommen sollen. Für das NAF-Projekt belaufen sich die Kosten auf rund 4,4 Millionen Euro. Die Förderung durch das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) beträgt dabei rund 2,4 Millionen Euro. Warum wird das Vorhaben gefördert? Unter anderem, um die  Mobilitätsengpässe im ländlichen Raum (bestimmte Strecken, Personengruppen oder Tages-, Wochen- bzw. Jahreszeiten) oder überhaupt Mobilität dort anbieten zu können. Neudeutsch sprechen die Bürokraten von personennahe Mobilitätsdienstleistungen, die entwickelt werden sollen. Zielgruppen der neuen Dienstleistungen sind nicht nur allgemein Ältere und Mobilitätseingeschränkte, sondern auch Familien, Jugendliche oder Alleinerziehende im ländlichen Raum. Das Fazit nach dem Einsatz der ersten beiden Shuttle ist positiv: Die Akzeptanzanalysen ergaben ein äußerst positives Feedback der befragten Fahrgäste – sowohl auf Sylt als auch auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande, wie die Verantwortlichen des NAF-Projektes mitteilen. Die Fahrgastzahlen sprechen für sich: So fuhr der Keitumer NAF-Bus in eineinhalb Jahren insgesamt 7.426 Kilometer und beförderte 15.555 Fahrgäste. Der Enge-Sander NAF-Bus fuhr bis einschließlich November 2020 insgesamt 5.300 Kilometer und beförderte ebenfalls mehrere Tausend Fahrgäste. Nun kommt das Fahrzeug von HFM dazu. Und weil es auch optisch etwas Besonderes ist, ist es eben nicht nur ein People Mover, sonder der Busbee. Die Busbiene sozusagen, auch wenn sie ehe an eine Hummel erinnert – egal, die optisch Ausstrahlung zaubert dem Fahrgast unweigerlich ein leichtes Lächeln ins Gesicht. Weil der HFM-Shuttle bzw. die Busbee nicht nur autonom, sondern auch als elektrischer Kleinbus ganz regulär auf allen Straßen genutzt werden soll, gibt es einen Fahrplatz. Und eine entsprechende Abnahme für das Fahrzeug mit allgemeiner Straßenzulassung – auch jenseites entsprechender Versuchsfelder, denn HFM ist als offizieller Fahrzeughersteller anerkannt und Dank entsprechender Zertifikate von Amtswegen zugelassen. der Busbee der einzige auf dem Markt verfügbare Peoplemover ist, der eine unbeschränkte Zulassung hat. Das bedeutet, dass man den Busbee auch jenseits der abgenommenen autonomen Strecke in Betrieb nehmen und im Strassenverkehr fahren kann, dann jedoch manuell. (Autokraft/BMVI/HFM/PM/Sr)

Im Gespräch mit omnibus.news erklärt Tobias Rademacher, Senior Business Development Manager bei der Hanseatischen Fahrzeugmanufaktur, wie es um die Zukunft des Busbee-Konzeptes gestellt ist.

omnibus.news: Wird aus dem Busbee-Prototypen ein serienreifes Fahrzeug abgeleitet werden?

Rademacher: Wie auch mit dem modularen Motionboard, auf welchem der Busbee basiert streben wir beim Busbee eine baldige Serienfertigung an. Genau wie beim Motionboard ist der Busbee Entwicklung basierend auf ISO26262 und anderen anwendbaren Sicherheitsstandards und somit unser „Goldstandard“ für die sicherheitsorientierte Fahrzeugentwicklung.

omnibus.news: Ab und wo startet die Serienproduktion, welche Partner und Komponenten sind dabei?

Rademacher: Die Serienfertigung wird nach und mit den Erfahrungen im baldigen Realbetrieb starten, um die Erkenntnisse und Erwartungen der Verkehrsunternehmen in der weiteren Entwicklung zu berücksichtigen. Wir arbeiten hier mit dem automotive standard gerechten Lieferanten wie Schaeffler Paravan und deren Drive by Wire System, Elaphe mit Radnabenmotoren aber auch Sensorikanbietern wie Ibeo.

omnibus.news: Das Potential und Knowhow einen autonomen Elektro-Kleinbus auf die Räder zu stellen, hat HFM von/durch…

Rademacher:  Wir arbeiten in einem sehr gemischten Team aus Ingenieuren, UX Designern und weiteren Spezialisten, die in einem derartigen Projekt ihre jeweiligen Stärken ausspielen können. Da wir das modulare, zulassungsfähige Basisfahrzeug Motionboard schon hatten, ging es in der Entwicklung des Busbee hauptsächlich um das Raumkonzept sowie geeignete Materialien und Oberflächen für den ÖPNV. In den Fragen der autonomen Systeme arbeiten wir Hand in Hand mit den auch in Hamburg ansässigen Kollegen von Ibeo zusammen, die hier bereits jahrelange Erfahrung vorzuweisen haben.

omnibus.news: Wie entwickeln sich die Kosten des Busbee in den nächsten Jahren?

Rademacher: Durch die zu erwartenden Skaleneffekte wird der Preis in der Serie sinken. Der zudem starke Wettbewerb im bereich der automotive Sensoriksystemen wird für weiteres  Einsparpotential in den nächsten Jahren sorgen. Die von uns angebotenen attraktiven Finanzierungsvarianten werden es Betreibern zusätzlich ermöglichen, den Busbee zeitnah einzusetzen, auch ohne sofortige Kapitalbindung.

omnibus.news: Der Busbee hat im Vergleich zum Wettbewerb die Nase vorn, weil…

Rademacher … der Busbee der einzige auf dem Markt verfügbare  Peoplemover ist, der eine unbeschränkte Zulassung hat. Das bedeutet wir können den Busbee auch jenseits der abgenommenen autonomen Strecke in Betrieb nehmen und im Strassenverkehr fahren, dann jedoch manuell. Dies ist im Speziellen an Orten interessant, an denen Verkehrsänderung ein Verlassen der eigentlichen Strecke notwendig machen oder das Fahrzeug jenseits der autonomen Strecke zum Laden bzw. Parken. Zudem sind wir als Mobility Engineering Dienstleister agil darin, das Fahrzeug auf die individuellen Anforderungen der Verkehrsunternehmen hin anzupassen.

omnibus.news: Die Gesetzesnovelle des Bundesverkehrsministers für das autonome Fahren bedeutet für HFM und den Busbee…?

Rademacher: Eine willkommene neue Relevanz für das autonome Fahren Als einziger Hersteller von Peoplemovern aus Deutschland haben wir uns schon lange eine stärkere Würdigung des Gesetzgebers für dieses so wichtige und zukunftsrelevante Thema gewünscht. Andere Länder haben hier bereits einen vorsprung von gesetzgeberischer Seite. Diesen gilt es jetzt aufzuholen.

omnibus.news: Wo sehen Sie HFM und den Busbee im Jahr 2025?

Rademacher: Die Hanseatische Fahrzeug Manufaktur hat schon immer Innovation im Bereich der Mobilität in den Genen. Was einmal mit Monkey Motorrädern mit Straßenzulassung begann, hat sich zu einem Spezialisten für zulassungsfähige Sonderfahrzeuge entwickelt. Unsere Devise ist die Symbiose zwischen dem Dreiecke Sicherheit – Zulassungsfähigkeit – Innovation. Entlang dieser gedanklichen Richtlinie werden Sie in Zukunft noch stärker angepasste Busbee Varianten sehen, die den jeweiligen Bedarfen gerecht werden und die wir auch mittels zeitgerechter Finanzierungs- und Vorhaltungsmodelle bereitstellen werden. Und auch jenseits des Peoplemover Bereichs werden wir neue Fahrzeugkonzepte umsetzen, die es im Markt bis dato noch nicht gegeben hat.

omnibus.news: Vielen Dank für das Interview!

(Autokraft/BMVI/HFM/PM/Sr)

Das modulare, zulassungsfähige Basisfahrzeug Motionboard bildet die Basis des Busbee. Foto: HFM

Die Ausstattung bestimmt der Kunde, zahlreiche Sitzkombinationen sind darstellbar – dito eine Klapprampe. Foto: Schreiber

Unter Klappen im Randbereich des Fahrzeugs ist im Front- und Heckbereich die Technik- und Steuerlemente verbaut. Foto: Schreiber

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